18.000 Kilometer mit dem Traktor quer durch Europa

Carlsdorf. Am Sonntag geht es los. Dann starten Dieter und Barbara Ochs aus Hofgeismar-Carlsdorf auf ihre Europareise. Klingt nicht ungewöhnlich, ist es aber. Denn das Pärchen fährt mit einem Trecker (!) quer durch Europa.

Freiheit. Das ist ein großes Wort. Viele Menschen suchen ihr Leben lang nach der Freiheit und bleiben dabei erfolglos. Andere wiederum meinen, sie leben bereits in Freiheit und tun es doch nicht.

Dieter (61) und Barbara Ochs (65) werden erleben, was Freiheit wirklich bedeutet. Das Ehepaar plant eine wahnsinnige Reise quer durch Europa.

Zugegeben, über so etwas wird hin und wieder mal im Fernsehen berichtet. Doch diese beiden Abenteurer aus Carlsdorf fahren nicht mit einem Auto oder einem Wohnmobil – sondern mit einem Trecker.

„An einem Tag schafft der Trecker ungefähr 120 Kilometer.“ Dieter Ochs

Angeschlossen ist ein Bauwagen, in dem das Paar kocht, zusammensitzt und schläft. Los geht es am Sonntag. Die Rückkehr ist für Oktober geplant. Das hat seinen Grund. Denn die lange Reise führt das rührige Pärchen durch 17 Länder. Es wird an gut 200 Tagen 18 000 Kilometer zurücklegen.

Carlsdorfer Ehepaar startet zu 18.000-Kilometer-Treckertour durch Europa

 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele
 © Thomas Thiele

Mit der 45-PS-Maschine sind lange Strecken an einem Tag nicht drin. „Pro Tag schafft der Trecker ungefähr 120 Kilometer ins sechs Stunden“, erklärt Dieter Ochs. Gerade mal 45 Liter passen in den Tank, bei einem Verbrauch von 16 bis 18 Litern. Das heißt: Alle 250 Kilometer muss getankt werden. „Das ist nicht unproblematisch. Die Preise für Diesel schwanken extrem“, sagt er. In Norwegen kostet ein Liter Diesel zurzeit umgerechnet 1,59 Euro. Richtig günstig wird es in Polen mit 95 Cent. Insgesamt sind für Tankfüllungen rund 3500 Euro veranschlagt.

Dabei macht das Ehepaar noch Werbung für den Landkreis Kassel und Hofgeismar. „Wir haben einiges an Werbematerial in unseren Bauwagen. Das werden wir unter den Schaulustigen verteilen“, sagt die Carlsdorferin.

Seit 1986 geplant

Denn Neugierige wird es wahrscheinlich zuhauf geben. „Ich schätze, wir werden in jedem Land mindestens zehn Mal von der Polizei angehalten“, lacht Dieter Ochs. Zu kontrollieren gebe es bei ihm so einiges. Allerdings hat er seinen Trecker und auch den Bauwagen nach vermutlich allen europäischen Sicherheitsvorschriften umgebaut.

Seit 1986 plant der Tüftler die Reise. Zuerst hatte er die Idee, mit einer Ente quer durch Europa zu fahren. Problem dabei: Nicht in jedem Land gibt es Ersatzteile, falls der Wagen doch mal streikt. „Dann kam ich auf die Idee mit dem Trecker. Meine Frau dachte erst, ich würde das sowieso nicht umsetzen.“ Doch nach ein paar Tagen war Ochs, der in Hofgeismar eine Tagespflege führt, stolzer Treckerbesitzer. Dazu fehlte aber noch der passende Bauwagen. Denn das Pärchen wollte nicht jeden Tag an einem anderen Ort übernachten. Über ebay fand der Unternehmer das passende Gefährt. Nach jahrelangen Umbauarbeiten am Trecker und am Bauwagen dachte sich der Familienvater: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Beide führen Tagebuch

Der ADAC erstellte nach den Vorgaben für die Reisebegeisterten eine Route quer durch Europa, denn natürlich darf der Trecker nicht auf Autobahnen fahren. „Dazu gab es noch Hinweise auf Eigenarten in den jeweiligen Ländern. Zum Beispiel darf man im Ausland auf Bundesstraßen nur 80 fahren. Naja, damit konnte ich jetzt nicht wirklich viel anfangen“, sagt Ochs.

Übernachten wird das Paar mit dem Trecker auf Camping- und Stellplätzen. Beide werden unabhängig voneinander Tagebuch führen und das auch unter www.wirlassendenstauhinteruns.deonline stellen.

Aber es geht den im positiven Sinne Verrückten nicht nur darum Kulturen kennenzulernen. Sie wollen auch etwas über sich selbst erfahren. „Wie ist es, eine so lange Zeit auf engstem Raum zusammenzuleben? Uns stehen im Bauwagen ja nur zehn Quadratmeter zur Verfügung“, sagt Ochs. Einen Rückzugsort gibt es aber zum Glück. Nur ist der nur rund 70 Zentimeter breit: Die eingebaute Toilette, vom Hobbyhandwerker treffend „begehbarer Kleiderschrank genannt“.

Würden sie sich selbst als mutig bezeichnen? „Nein, Ein Bungeespringer ist mutig - wir nicht.“ Mutig ist, wer nach Freiheit sucht und sie findet.

Hintergrund: Mit Teddybär und Laptop unterwegs

Lieblingsländer: Für Barbara Ochs steht Polen ganz oben auf der Liste. „Die Menschen dort sind sehr offen.“ Für Dieter Ochs ist Schweden ein Traumland. „Diese Ruhe ist einfach toll.“

Ängste: Barbara Ochs hat ein wenig Bammel davor, ob der betagte Bauwagen die Reise durchhält. „Wir fahren ja über einen Nebenpass über die Alpen, das wird spannend mit dem Trecker.“ Auch ihr Ehemann hat eher vor technischen Schwierigkeiten Angst. „Die Maschine macht mir ein wenig Sorgen, auch wenn uns von Experten versichert wurde, dass sie durchhält.“

Persönliche Gegenstände: Barbara Ochs wird ihren lieb gewonnen Teddybär mitnehmen. Dieter Ochs setzt auf Technik: Ohne seinen Laptop fährt er nicht los.

Das wird ihnen fehlen: Dieter Ochs wird das deutsche Brot vermissen. Denn im Ausland gibt es nur Weißbrot. Seiner Ehefrau werden neben den Kindern, die auf das Haus aufpassen, vor allem ihre Katze „Blacky“ fehlen.

Anmeldung beim Guiness Buch

Eigentlich hatte Dieter Ochs auch vor, seine Reise beim Guiness Buch der Rekorde einzureichen. Sein Vorschlag wurde sogar angenommen. Zum Hintergrund: Von jährlich 6000 eingereichten Vorschlägen werden 300 angenommen. „Da habe ich mich schon gefreut.“

Allerdings sind die Regularien im Fall der Europareise so komplex gewesen, dass Ochs von seinem ursprünglichen Plan Abstand nahm. Er hätte täglich mindestens zwei unabhängig voneinander stehende Menschen finden müssen, die am gleichen Tag eine Mail an die Zentrale nach London schicken. „Aber sprechen Sie mal einen Letten auf dieses Vorhaben an“, sagt Ochs und lacht.

Wenn die Kette einmal unterbrochen wäre, wäre auch der Rekordversuch für das Guiness-Buch gescheitert. Der ganze Aufwand wäre dem Vorhaben nicht gerecht geworden. „Ich möchte ja den Stress hinter mir lassen“, so Ochs.  

Von Daniel Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.