Kirche will Pfarrhaus und Jugendheim in Ehrsten veräußern

Lichter gehen bald aus: Die beabsichtigte Aufgabe auch des so genannten Jugendheims im Anbau des Pfarrhauses bereitet den Ehrstern besonderen Kummer. Foto: Binienda-Beer

Ehrsten. In Ehrsten ist die Stimmung gedrückt. Erst kürzlich setzte die politische Gemeinde alle Hoffnungen auf den herbeigesehnten Umbau des in die Jahre gekommenen Dorfgemeinschaftshauses ein Ende. Jetzt drohen zudem negative Veränderungen auf kirchlicher Seite.

Das alte Pfarrhaus mit dem angebauten Jugendheim soll aufgegeben und veräußert werden.

Zu einer Aussprache in der Ehrster Kirche waren am Montagabend alle Mitglieder des evangelischen Gesamtverbandes Nebelbeeke, zu dem auch die Kirchengemeinden Meimbressen und Fürstenwald zählen, eingeladen. Wohnsitz des gemeinsamen Pfarrers war bisher in Ehrsten. Wortmeldungen zwischen Bedenken und ernsthafter Kritik kamen naturgemäß aus dem betroffenen Ortsteil selbst. Hier bedeutet das 1835 erbaute Pfarrhaus für viele Dorfbewohner auch ein Stück Familiengeschichte.

Das Gebäude steht leer, nachdem Pfarrerin Adelheid Schurian-Bebendorf im Sommer nach Aufgabe ihrer Pfarrstelle ausgezogen war. Der Zustand des Hauses wird von den Verantwortlichen als energetisch schlecht und auch für Wohnzwecke nach heutigem Standard ungeeignet bezeichnet. Vakanzvertreter Pfarrer Sven Wollert (Westuffeln) nannte allein für unabdingbare Renovierungsarbeiten einen Betrag von rund 60.000 Euro, mindestens ebenso viel müsste in die energetische Sanierung investiert werden.

Unbewohnt: Das Ehrster Pfarrhaus in der Zierenberger Straße steht als Wohnhaus leer und wird voraussichtlich zum Verkauf angeboten. Bis dahin aber bleibt das Pfarrbüro in dem verputzten Fachwerkhaus von 1835. Foto: Binienda-Beer

Unverhältnismäßig hohe Energiekosten verursacht aber auch das so genannte Jugendheim, Ehrstens Gemeindehaus mit integriertem Jugendraum. Hier wird nach den Worten Wollerts die Finanzierbarkeit spätestens 2016 an ihre Grenzen stoßen, wenn, wie beschlossen, die Zuweisungen der Landeskirche für die Bewirtschaftung wegfallen werden. Aus Kostengründen findet der Konfirmationsunterricht während der Wintermonate längst in Fürstenwald statt. In Ehrsten drohe der große Ausverkauf, beklagte Ortsvorsteher Axel Träger. Seine Frage, ob sich nun auch noch die Kirche zurückziehen wolle, verneinte Pfarrer Wollert.

Zum Ablauf erklärte der Vakanzvertreter, dass zunächst die Grundsatzentscheidung über die Liegenschaft zu fällen sei. Schritt für Schritt müssten dann die Folgen abgearbeitet werden wie Anmietung eines Pfarrhauses im Kirchspiel und die Festlegung auf einen neuen Jugendraum.

Pfarrer Frank Himmelmann (Calden) sieht den geeigneten Zeitpunkt, eine „mutige Entscheidung für eine nachhaltige Lösung“ zu treffen. Himmelmann sprach von einer „Chance, ganz neu zu denken“. Er bezog sich damit auf Überlegungen in Ehrsten, die Kirche nach Fürstenwalder Vorbild multifunktional umzubauen.

Ihre endgültige Entscheidung über den Verkauf des Gebäudekomplexes an der Zierenberger Straße fällt die Verbandsvertretung kommende Woche, am 13. November. (dbb)

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