Kleine Gemeinden im Kreisteil könnten profitieren

Konkurrenzkampf ums Netz: Firma will weiße Flecken in Nordhessen bekämpfen

Reinhardshagen. Jahrelang gab es auf dem Land kein schnelles Internet. Nun könnte Bewegung in den Markt kommen. Die erste Gemeinde im Kreisteil Hofgeismar, die davon profitieren könnte, ist Reinhardshagen.

Die Deutsche Glasfaser Holding GmbH mit Sitz im westfälischen Borken hat Interesse, Haushalte ans Glasfasernetz anzubinden. Entsprechende Pläne wurden jetzt dem Parlament vorgestellt. Die Firma, die ihre Wurzeln in Holland hat, und die als äußerst kapitalstark gilt, kommt zu einem Zeitpunkt in die Wesergemeinde, zu dem auch ein weiterer Anbieter mit dem Einstieg ins schnelle Internet begonnen hat: die Breitband Nordhessen. Sie hat in den vergangenen Monaten Verteilerstationen errichtet. Beide Anbieter würden die Internetverbindung in Reinhardshagen deutlich beschleunigen. Der Unterschied: Die einen arbeiten mit den alten Kupferdrähten, die neue Firma mit Glasfaser. Entsprechend unterschiedlich sind die zu erreichenden Geschwindigkeiten.

Dass die westfälische Firma möglicherweise in Reinhardshagen einsteigt, hat zwei Gründe. Eine Art Glasfaser-Autobahn verläuft entlang der Weser und kann kostengünstig angezapft werden. Und: Reinhardshagen bietet vergleichsweise viele Einwohner auf wenig Raum. Die Erschließung ist also einfach. Mit dem Pfund einer kompakten Bebauung können auch andere Kommunen im Kreisteil wuchern. Immenhausen und Grebenstein beispielsweise gelten ebenfalls als leicht erschließbar. Auch dort also könnte bald ein Kampf der Anbieter um Kunden beginnen.

Schlechte Karten haben hingegen zersiedelte Kommunen oder kleine Orte: Städte wie Liebenau, wo 3000 Menschen in acht Ortsteilen wohnen, sind teuer zu erschließen. Dass hier ein Konkurrenzkampf kommt, ist unwahrscheinlich.  

Preise und Technik

So kommt Glasfaser in die Wohnung

Bei der Anbindung von Gebäuden an das Glasfasernetz müssen keine Gärten umgegraben werden. Dies sagte Ingo Teimann, Regionalmanager der Deutschen Glasfaser, in Reinhardshagen, wo er die Technik vor dem Parlament vorstellte. Der erste Schritt ähnelt technisch der Vorgehensweise von Breitband Nordhessen, die erst kürzlich in vielen Orten im Kreisteil Glasfaserkabel verlegt hat. Demnach werden bis zu mehreren, neuen Verteilerkästen Glasfaserkabel verlegt. Während Breitband Nordhessen von dieser Stelle aus auf das alte Kupferkabel zurückgriff, will Glasfaser Deutschland von diesen Kästen aus weiter Glasfaserkabel verlegen. 

Jeder Haushalt hängt dabei an einer eigenen Faser, sodass die Geschwindigkeit nicht, wie bei Kupfer, von der Nutzung weiterer Anschlüsse abhängt. Um die Leitung zu verlegen, wird der Bürgersteig aufgerissen, die Leitung verlegt und anschließend, meist am gleichen Tag noch, wieder geschlossen. Die Strecke vom Bürgersteig bis zum Haus wird untererdig gebohrt, sodass im Garten keine Arbeiten nötig sind. Glasfaser Deutschland verlangt, dass 40 Prozent der Haushalte in den jeweiligen Gebieten mitmachen. Wer in der Startphase dabei ist, für den ist dieser Hausanschluss kostenlos. Später kostet er 750 Euro.

Die Gebühren, die Glasfaser verlangt, hängen von der gewählten Geschwindigkeit ab. Im ersten Jahr sind knapp 25 Euro fällig, im zweiten liegen sie zwischen 44,99 (100 Mbit/s) und 79,99 (500 Mbit/s, jeweils Up- und Download). Die Preise mit Netcom, das beispielsweise das neue Netz von Breitband Nordhessen nutzt, sind nicht eins-zu-eins vergleichbar. Fragen der Telefonnutzung, der Ersteinrichtung beispielsweise sollten Verbrauchen immer mit einrechnen – und dabei die Frage nicht außer Acht lassen, welche Geschwindigkeit für ihre Immobilie dauerhaft vermutlich benötigt wird.

Das sind Vectoring und FTTH

Die Geschwindigkeit im Internet wird in Daten-Einheiten (Bit) pro Sekunde gemessen. Als zukunftsorientierte Größe gilt ein Gigabit. Derzeit gibt es noch Gebiete, da kommen Nutzer auf zwei Megabit, also 0,2 Prozent dieser Größe. Wer 30 oder 40 MBit hat, ist derzeit schnell. Die Breitband Nordhessen erreicht diese Geschwindigkeit durch Vectoring. Bei dieser Methode werden zwischen Verteilerkasten und und Haushalt die alten Kupferkabel genutzt. Die westfälische Firma will Glasfaser bis ins Haus legen. Fiber to the house (FTTH) bietet derzeit die höchste Geschwindigkeit. Verlegt wird das Netz aber nur, wenn 40 Prozent der Haushalte mitziehen.

Fragen und Antworten zur Situation im Kreisteil

Was bietet die Firma, was die Konkurrenz nicht hat? !Glasfaser bis ins Haus. Das ermöglicht eine höhere Datenübertragung als die alte Technik.

Wie ist derzeit die Situation im Kreisteil? 

Es gibt drei Netzbetreiber: Zunächst die private Telekom. In Gebieten, die von ihr nicht ausreichend versorgt wurden, gibt es noch ACO und Breitband Nordhessen, die beide staatlich gefördert wurden.

Gibt es unter den Netzbetreibern Konkurrenz? 

Nein. Bislang nicht. Über ACO- und Breitband Nordhessen-Netz gibt es nur jeweils einen Provider. Konkurrenz, wie Unitymedia tummelt sich im offenen Telekom-Netz.

Wie sieht es mit dem neuen Unternehmen aus? 

Wie bei ACO und Breitband Nordhessen. Es wird nur einen Provider geben, Glasfaser Deutschland selbst.

Was sagt die Konkurrenz dazu? 

Nach außen gibt sich Breitband Nordhessen und ihr Provider Netcom, die um die gleichen Kunden buhlen, gelassen. „Die Netcom Kassel steht mit ihren Angeboten von je her im Wettbewerb zu Mitanbietern. Dies stellt also keine neue Sondersituation dar“, heißt es beim Netzbetreiber Breitband Nordhessen.

Was sagt der Landkreis, der die Förderung von ACO und Breitband initiierte? 

Man hätte sich gewünscht, frühzeitig informiert worden zu sein. Ansonsten begrüßt man generell, wenn die Versorgung der Bürger besser wird, bezweifelt aber die Wirtschaftlichkeit, Glasfaser in jedes Haus zu legen.

Wie seriös ist die neue Firma? 

In Westfalen wurden bereits einige Gemeinden mit Glasfaser versorgt. Dort klappte es. Auch in Holland war man erfolgreich. Laut Unternehmen wurde das Netz dann an den holländischen Marktführer verkauft. Mit Gewinn.

Hofgeismar propagierte kürzlich das schnelle Internet für sich. Funktioniert es auch ohne Glasfaser? 

Bis zu den Verteilerkästen liegt bereits Glasfaser. Die Telekom baut in vielen Städten schon Glasfaser bis ins Haus, aber die Nachfrage ist „überschaubar“. Durch Supervectoring werden auch im Kupferkabel Downloads bis zu 250 MBit/Sek. möglich. Während andere sich die Rosinen herauspickten, versorge die Telekom durch jährliche Milliardeninvestitionen alle Menschen in Deutschland mit Internet, sagt das Unternehmen.

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