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Landwirte im Kreis sorgen sich um Ernte

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Von: Daria Neu

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Der Kreislandwirt Jörg Kramm zeigt die Auswirkungen der Dürre an seinem Weizen. In der Hand hält er ein paar Pflanzen, die aufgrund der Trockenheit zu früh reif geworden sind. Im Hintergrund ist ein grünes Feld zu sehen.
Der Kreislandwirt Jörg Kramm zeigt die Auswirkungen der Dürre an seinem Weizen. In der Hand hält er ein paar Pflanzen, die aufgrund der Trockenheit zu früh reif geworden sind. Im Hintergrund ist ein grünes Feld zu sehen. © Denise Dörries

Die Erntezeit hatte gerade erst begonnen und schon müssen sich die Landwirte im Kreis Kassel wieder Sorgen machen. Wieder einmal regnet es nicht genug. Und wieder einmal dürfte dies massive Auswirkungen auf die Ernte haben.

Kreis Kassel – Sommer für Sommer kämpfen die Landwirte im Kreis Kassel nun seit einigen Jahren mit demselben Problem: die Dürre und ihre Auswirkungen auf die Ernte. Anhaltende Trockenheit und extrem hohe Temperaturen sorgen dafür, dass Kreislandwirt Jörg Kramm aus Grebenstein bereits Anfang Juli zu dem Ergebnis kommt: „Für einige Getreidesorten ist die Messe jetzt schon gelesen.“

Dennoch betont er, dass die Folgen des fehlenden Niederschlags je nach Bodenqualität, Standort und Erntezeit unterschiedlich ausfielen. Es gebe Gewinner und Verlierer unter den Früchten. „Das variiert sehr stark.“ Noch stehe man ohnehin am Anfang der Erntezeit. Werfe Kramm den Blick ausschließlich zurück, falle das Urteil gar nicht allzu dramatisch aus: „Bis Ende Mai hatten die Böden insgesamt noch einigermaßen ausreichend Wasser.“ In den Frühjahrsmonaten hatte es in diesem Jahr schließlich vergleichsweise noch ausreichend geregnet. Die Gerste beispielsweise habe sich dadurch an vielen Stellen gut entwickeln können.

Tonböden können kein Wasser halten

Düster fielen die Prognosen mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate aus – sofern diese überhaupt möglich seien. Insbesondere die schweren Tonböden machen Kramm Sorgen. „Sie haben kein großes Wasserhaltevermögen und sehen dementsprechend jetzt schon ganz grausam aus.“ Wenigstens etwas anders gestalte sich die Situation in den Flusstälern wie zum Beispiel im Diemel- oder Lossetal. Dort herrschten grundsätzlich bessere Bodenbedingungen in puncto Feuchtigkeit.

Landwirt Daniel Raude aus Altendorf und Gemüsebauer Joachim Gundelach aus Vollmarshausen bestätigen Kramms Beschreibungen der aktuellen Situation. Während beim Gemüse die permanente Befeuchtung der Oberfläche wichtig sei, gehe es auf den Feldern auch um das Wasser, das der Boden langfristig speichern kann, erklärt Gundelach.

Raude betont: „In Zukunft könnte es eine Hilfe sein, auf den Feldern Zwischenfrüchte anzubauen.“ Sie würden Schatten spenden und dafür sorgen, dass der Boden in unbepflanzten Zeiten nicht so überhitzt.

Pflanzen stehen unter Stress

Laut Kreislandwirt Jörg Kramm ist es nicht die Ernte der vergangenen Tage – der Anteil des Gedroschenen liege derzeit bei rund 20 Prozent –, die die Folgen der Trockenheit abbekommen hätte. Vielmehr bereiten ihm die bevorstehenden Wochen und Monate des Sommers Kopfzerbrechen.

„Wenn wir zurückschauen, lief die Gerstenernte bei diesem trockenen Wetter sogar entspannter als in manchen Jahren zuvor“, sagt Kramm. Fest stehe aber: „Wir müssen mit großen Extremen zurecht kommen.“ Vor allem den Herbstfrüchten gehe es schlecht. „Der Mais zum Beispiel wächst gar nicht – da ist zurzeit Stillstand.“

Die Pflanzen stünden unter Stress – und zwar gleich doppelt. „Da ist die Trockenheit auf der einen und die Hitze auf der anderen Seite“, erklärt der Kreislandwirt. „Da wir dieses Jahr keine Wassebodenvorräte aus dem Winter haben, sind wir auf regelmäßige Niederschläge angewiesen. Wir leben daher buchstäblich von der Hand in den Mund.“

Hohe Wasserkosten für Gemüsebauern

Gemüsebauer Joachim Gundelach aus Vollmarshausen hat zwar mit etwas anderen Problemen zu kämpfen als die Landwirte, die auf großen Feldern Weizen, Gerste und Hafer ernten, der mangelnde Regen macht aber auch ihm große Sorgen. „Wir müssen täglich mit Bewässerungsanlagen arbeiten“, erklärt der Vollmarshäuser. Vor allem frisch gepflanztes Gemüse müsse permanent befeuchtet werden. „Das schlägt sich natürlich auch in den Wasserkosten nieder.“

Er habe sich für den Wasservorrat einen Tankwagen zugelegt, andere Kollegen hätten zum Teil Brunnen oder Teiche. „Das Problem ist: Früher hat es in ganz Nordhessen geregnet, wenn Regen angesagt war. Jetzt ist da eine Wolke am Himmel und Niederschlag gibt es dann nur im Umkreis von einem Kilometer.“ Je länger eine Kultur stehe, umso tiefer wurzele sie, sagt Gundelach. Beim Gemüseanbau sei das der Vorteil: „Uns würden schon einmal die Woche zehn Milliliter Regenschauer reichen.“ Den Grundwasserspiegel würde das natürlich lange nicht beeinflussen. „Wir wollen unser Gemüse nicht als Heu ernten“, sagt er.

Parallelen zu vorherigen Dürrejahren

Daniel Raude, Landwirt aus Altendorf, sieht jetzt schon viele Parallelen zu vorhergegangenen Dürrejahren. Der Wasservorrat im Boden habe sich nicht aufgefüllt – auch nicht durch zeitweise Regenergüsse. Die Gerste, die derzeit geerntet werde, sei die früheste Kultur, könne die Trockenheit noch mit am besten wegstecken. „Den Winterweizen und die Ackerbohnen aber zum Beispiel wird es vermutlich hart treffen. Manchmal bilden sich dann nur ganz kleine Kümmelkörner aus“, sagt er.

Mit dem Blick in die Zukunft sagt Raude: „Wir müssen mit der Natur zusammen arbeiten und unser Wissen ständig erweitern.“ Eine Lösung könnte sein, den Boden „nur aufs Nötigste zu bewegen“, ihn immer bedeckt zu halten, Zwischenfrüchte zu pflanzen.

Ein Boden mit Vegetation weise selbst bei großer Hitze eine Temperatur von rund 25 Grad auf. Unbepflanzt hingegen zeige das Thermometer teilweise um die 50 Grad an. „Das ist derselbe Effekt, den man als Mensch spürt, wenn man bei Hitze unter Bäumen Schatten sucht.“ (Daria Neu)

In Zukunft setzen Bauern auf Winterung

Landwirte unterscheiden bei ihrer Aussaat zwischen Sommerungen und Winterungen. Winterung sind zum Beispiel der Winterraps und die Wintergerste. Zu den Sommerungen zählen Sommerweizen und Hafer. In Zukunft setzen Landwirte laut Kreislandwirt Jörg Kramm an schwächeren Standorten womöglich zunehmend auf Winterungen. Die Sommerungen seien „die Verlierer des Klimawandels“, wiederholt er aus einer seiner Sitzungen mit anderen Experten. (neu)

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