Planstellen sind besetzt

Nach Wilke-Skandal im Fokus: Lebensmittelüberwachung im Kreis Kassel fast im Soll

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Ein Kontrolleur prüft die Buffet-Temperatur.

Der Wilke-Skandal brachte das Thema der Lebensmittelkontrolle in den Mittelpunkt. Bundesweit fehlt es in diesem Bereich an Personal. Im Kreis Kassel sieht es besser aus.

Im Landkreis Kassel gibt es genügend Lebensmittelkontrolleure. „Alle fünf Planstellen sind besetzt“, sagt Kreispressesprecher Harald Kühlborn auf Anfrage unserer Zeitung. Und das ist durchaus nicht selbstverständlich. Denn bundesweit fehlt es in diesem Bereich an Personal.

Die Lebensmittelkontrolle war in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt, nachdem der Skandal um Wilke Wurstwaren im Kreis Waldeck-Frankenberg aufgedeckt worden war. Dass es so weit kommen konnte, lag auch daran, dass im Nachbarkreis die Lebensmittelüberwachung hoffnungslos unterbesetzt ist. 

Waldecker Kontrolleure für 2900 Betriebe zuständig

Nur 3,15 der fünf Stellen sind besetzt, berichtete die Verbraucherorganisation Foodwatch bereits im Oktober. Die Folge: Die Zahl der vorgeschriebenen Kontrollen war weit unter dem Richtwert. Für 2900 Betriebe waren die Waldecker Kontrolleure 2018 zuständig, 1145 Kontrollen fanden statt. „Dass die Zahl unter dem Richtwert liegt, trifft nach unserer Beobachtung landesweit auf zahlreiche Landkreise zu“, sagte Waldecks Pressesprecherin Ann-Katrin Heimbuchner.

Im Kreis Kassel wird der Richtwert aber fast erfüllt. „Wir haben im Landkreis 1758 Betrieben, die überwacht werden müssen. Pro Jahr müssen wir nach den Vorgaben 1661 Kontrollen durchführen“, sagt Kühlborn. Erreicht habe man eine Quote von 88 Prozent. Das sei vergleichsweise viel, gebe es doch auch Kreise, die nicht einmal 30 Prozent schaffen.

Wie oft ein Betrieb kontrolliert wird, hängt von Risikioeinstufung 

Wie oft ein Betrieb kontrolliert wird, hängt von der Risikoeinstufung ab. Ein Kiosk, der verpacktes Eis verkauft, muss seltener überprüft werden als eine Fleischerei. Ein Betrieb, der öfter negativ auffällt, wird ebenfalls häufiger besucht als einer, bei dem es nie Beanstandungen gibt. Die allgemeinen Kontrollen würden „grundsätzlich unangemeldet“ erfolgen.

Zusätzlich zu den vorgeschriebenen Routine-Kontrollen gibt es Anlasskontrollen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn aus anderen Bundesländern Nachfragen zu bestimmten Betrieben kämen oder wenn das Land Schwerpunkt-Prüfungen anordne, sagt Kühlborn. Auch konkreten Beschwerden gehen die Lebensmittelkontrolleure natürlich nach. Dass ein Betrieb angeschwärzt werde, sei aber relativ selten, sagt Kühlborn. So selten, dass die Zahl statistisch nicht erfasst wird.

Risikoklassen eins bis neun

Eingeteilt werden Lebensmittelbetriebe in Kategorien zwischen eins bis neun. Wer mit eins eingestuft wurde, wird täglich kontrolliert, Betriebe mit Klasse neun nur alle drei Jahre. Die Zahl der Verstöße gegen Hygienevorschriften liegt seit Jahren kontant bei etwa 25 Prozent. In neueren Statistiken wird der Wert 13 Prozent genannt. Dies liegt daran, dass leichte Fälle, in denen nur Verwarnungen ausgesprochen werden, seit Kurzem nicht mehr statistisch erfasst werden.

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