Ausgrabung förderte Siedlung zutage

Bad Karlshafen: Bei Bauarbeiten tauchen Funde aus Vorgeschichte auf

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Konzentrierter Blick: Während Baggerfahrer Andreas Rode den Boden zentimeterweise abschiebt, lässt Archäologe Dr. Thilo Warneke keinen Blick vom Untergrund, um auftauchende Bodenverfärbungen sofort zu erkennen. Während er nördlich der K 73 zwei Gräben und eine Grube entdeckte, war südlich davon (Bild) nichts zu sehen.

Beim Bau der B 83-Ortsumgehung bei Bad Karlshafen sind Archäologen auf Spuren einer vorgeschichtlichen Siedlung gestoßen, die bisher nicht bekannt war.

Eigentlich hatten die Forscher im Einmündungsbereich der von Herstelle kommenden Kreisstraße 73 in die Kreisstraße zwischen Helmarshausen und Langenthal (K 72) nach den Resten einer mittelalterlichen Befestigungsanlage, einer sogenannten Landwehr, gesucht. 

Die Landesdenkmalpflege, die archäologische Untersuchungen beim Bau der Ortsumgehung zur Auflage gemacht hatte, ordnete die Anlage eines 75 Meter langen Suchgrabens im Acker nordöstlich der Straßenkreuzung an, wo die Landwehr vermutet wurde. 

Unter Beobachtung des Archäologen Dr. Thilo Warneke (Ahnatal) zog ein erfahrener und geschickter Baggerfahrer den Erdboden zentimeterweise ab. Dabei kamen im rötlich-braunen Lehm hellere Verfärbungen ans Licht. Sie markieren Spuren zweier parallel verlaufender Gräben, die mit der Zeit verfüllt wurden. 

Epoche noch unbekannt

Thilo Warneke und seine Mitarbeiterin untersuchten den Fund, indem sie eine Woche lang die Wände des Suchschnitts anfeuchteten und glätteten und danach dokumentierten und analysierten. Die Gräben verlaufen in etwa zehn Meter Abstand nach Nordwest und dienten vermutlich zur Verteidigung einer kleinen Siedlung. Spuren von Gebäuden wurden nicht mehr gefunden, aber zwei kleine Keramikbruchstücke, die laut Warneke eindeutig vorgeschichtlich sind. Aus welcher Epoche genau, können möglicherweise noch genauere Untersuchungen des Materials klären. Zudem wurden Holzkohleflitter und Brandlehm gefunden. 

Der Archäologe Dr. Thilo Warneke entdeckte Verfärbungen im Boden, die einen doppelten Graben und eine Grube Abfallgrube nachweisen. Außerdem fand er drei Keramikstücke , die vorgeschichtlich sind.

Eine weitere Vertiefung, die entdeckt wurde, könnte eine Lehmentnahmegrube gewesen sein. Spitz zulaufende Strukturen in der Grabenwand sind keine Artefakte, sondern Frostrisse im Boden. 

Weil die Archäologen vermuteten, dass die Gräben sich südlich der K72 fortsetzen, wurde auch dort eine größere Fläche bis 50 Zentimeter tief unter der Oberfläche abgeschoben. Es gab aber keine weiteren Funde, weder von der vorgeschichtlichen Siedlung, noch von der Landwehr. Deshalb soll demnächst noch an weiteren Stellen nach dieser Befestigung gesucht werden.

Weiter Suche nach der Landwehr

Schon bei der Planung des Neubaus der Ortsumgehung Bad Karlshafen machte die Landesdenkmalpflege die Auflage, dass bei den Erdarbeiten archäologische Untersuchungen erfolgen müssen. Ziel war der Nachweis vor allem der seit langem bekannten und in Karten nachgewiesenen Landwehr, die sich auf dem Hochplateau von Herstelle bis Helmarshausen und nach Süden in Richtung Höllebach und Knickgraben erstreckte.

Bei Vorarbeiten zum Brückenbau wurden im Frühjahr am Knickgraben tatsächlich in zwei Suchschnitten Reste der Landwehr entdeckt, allerdings ohne dies öffentlich zu machen. An einem weiteren Verdachtspunkt, an der Einmündung der Kreisstraße 73 (von Herstelle) in die K 72 (von Helmarshausen nach Langenthal) erfolgten jetzt, unübersehbar für Passanten, die Sucharbeiten nach der Landwehr, die einst diesen Bereich kreuzte. Die K 73 trägt hier sogar noch den Namen „Alte Landwehr“.

Beim Bau der B 83-Ortsumgehung bei Bad Karlshafen sind Archäologen auf Spuren einer vorgeschichtlichen Siedlung gestoßen, die bisher nicht bekannt war.

Weil das ursprüngliche Bauwerk im Laufe der Zeit eingeebnet und untergepflügt wurde, sind an der Oberfläche keine Spuren mehr zu sehen. Die einzige Chance auf einen Nachweis besteht in dem, was im Untergrund erhalten blieb. In der Regel sind das die Reste von Gräben, die durch die Umschichtungen Bodenverfärbungen verursachten.

Von Landwehr keine Spur

Im Bereich nordöstlich der Kreisstraßeneinmündung, wo künftig die neue B 83 verläuft, wurden jetzt Befunde im Boden entdeckt, aber sie stammen von einer sehr viel älteren Besiedlung. Von der Landwehr fand sich noch keine Spur.

Die Archäologen wollen deshalb im nächsten Frühjahr in dem Acker nordwestlich der Einmündung, wo eine Auffahrt zur Bundesstraße gebaut werden soll, noch mal einen Suchschnitt vornehmen. Und wenn die Landwehr dort auch nicht gefunden wird, dann kann sie nur noch unter der K 73 verlaufen, weil sie damit überbaut wurde.

Vergangenheit ans Licht geholt: Die helle Verfärbung markiert eine Grube, aus der die Menschen einst vermutlich Lehm zum Bauen entnahmen.

 

Diese Grabungen werden dann notgedrungen noch später beim Rückbau der alten K 73 erfolgen. Der Nachweis im Boden soll nach Angaben des Archäologen Dr. Thilo Warneke dazu dienen, den Verlauf der Landwehr mit den Karten in Einklang zu bringen und sowohl ihre Höhe und Breite, als auch ihren Aufbau zu bestimmen. Ungelöst bleibt damit weiterhin der Ursprung der benachbarten Sieburg, der größten Wallanlage in Hessen.

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