Zur letzten Aufführung in der Burguffelner Lindenmühle gab es Das „Frauenbuch“

Krönender Abschluss

Das war es vorerst in der Grebensteiner Lindenmühle: Zur letzten Aufführung lasen Gudrun Sander und Jochen Faulhammer (rechts) aus „Das Frauenbuch“. Dr.Lothar Jahn vom Organisationsteam dankte beiden. Foto: nh

Burguffeln. Melancholie und Herzlichkeit standen im Mittelpunkt der Abschlussveranstaltung der langjährigen Konzertreihe der Lindenmühle Burguffeln. Für die richtige Stimmung sorgte ein kaum bekanntes Schriftstück aus dem Mittelalter:.

„Das Frauenbuch“ des Ulrich von Liechtenstein, das von Gudrun Sander und Jochen Faulhammer mit hintergründigem Humor vorgetragen wurde. Die Veranstaltung wurde von der Volkshochschule Region Kassel im Rahmen ihrer Reihe „Frauen im Mittelalter“ unterstützt.

Ein Ritter und eine edle Dame unterhalten sich darüber, was Frauen und Männer falsch machen im Umgang miteinander. Die beiden schonen einander nicht: Grobe Kerle, die sich mehr für ihren Wein, die Jagd und den Hund interessieren als für die eigene Frau, bekommen ebenso die Leviten gelesen wie leichtfertige Damen, die sich bei der Wahl des Ehemannes nur für Gut und Geld interessieren, anstatt ihr Herz sprechen zu lassen.

Denn der Autor, der im 13. Jahrhundert lebte, war ein echter Romantiker: Er sehnte sich zurück nach den Tagen der hohen, edlen Minne, in der Ritter sich selbstlos für ihre Herrin aufopferten.

Hohe Ämter inne

Ergänzend zu den mal in Vers-, mal in Prosaform ins heutige Deutsch übertragenen Ausschnitte aus dem „Frauenbuch“ führte Dr. Lothar Jahn in Leben und Werk des Autors ein. Ulrich übte hauptberuflich hohe Ämter in der Steiermark aus, war Truchsess, Landrichter und Marschall. Doch obwohl er verheiratet war und vier Kinder hatte, frönte er dem Ideal der Liebe zu hohen, unerreichbaren Damen bis hin zur Selbstaufopferung. So schilderte er es jedenfalls selbst in seinem berühmten Werk „Frauendienst“.

Je tiefer die beiden Akteure ins „Frauenbuch“ eindrangen, desto klarer wurde auch, dass Ulrich einen Sinn für effektvolle Ironie hatte. Es war einfach köstlich, wie der edle Herr mit seinem nicht enden wollenden Lob ritterlicher Tugenden wie Güte, Treue, Edelmut, Dienst, Verzicht und Reinheit sich selbst bloßstellte. Gudrun Sander konterte das Eigenlob ab und zu mit trockenen Bemerkungen, die klar machten, dass der Alltag ganz anders aussieht.

Ergänzt wurden die Auszüge aus dem Buch durch Lieder des Autors, die von Jochen Faulhammer mit beeindruckendem Bass stilsicher dargeboten wurden. Da Ulrich selbst keine Melodien hinterlassen hat, wurden auf die geglückten Bearbeitungen Eberhard Kummers zurückgegriffen, der die Texte mit Melodien aus dem Hohen Mittelalter verbunden hatte, die stets den Charakter des Textes genau trafen.

Schließlich dankte Dr. Lothar Jahn, der die Veranstaltungsreihe über Jahre getragen hatte, unter großem Applaus allen Beteiligten: den Künstlern, dem Publikum, Lindenmühlen-Chef Werner Sostmann und den stets hilfreichen Kollegen vom Verein „Dingo Musik und Theater e.V.“ – allen voran Bernd Bonnet, der zum Dank eine Riesenflasche Champagner überreicht bekam. (bf)

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