Er porträtierte Kasseler Landrat mit Hundekot

Kanacken und Untermenschen: Hofgeismarer Künstler wegen Volksverhetzung vor Gericht

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Künstler und Querkopf: Artur Klose mit seinem Kunstwerk "Landrat aus Scheiße" während der Nacht der Museen 2017 im "Deutschen Hygiene-Museum" in Dresden.

In Osteuropa wird Artur Klose aus Hofgeismar als Künstler verehrt, der Brücken baut. In Deutschland fühlt er sich unverstanden. Nun steht er vor Gericht. Notfalls will Klose in den Knast.

Die Internetseite, für die Artur Klose sogar ins Gefängnis gehen würde, startet mit einem Zitat der HNA über den Künstler aus dem Hofgeismarer Stadtteil Hombressen. "Es könnte sein, dass von Klose noch viel zu hören sein wird", steht da. Seine große Leidenschaft sei das Thema Gerechtigkeit. Weil sich Klose ungerecht behandelt fühlt, steht er demnächst vor Gericht. Der 47-Jährige ist wegen Volksverhetzung angeklagt, denn seine Internetseite heißt: www.kanacken-sind-untermenschen.de. Mit seiner Kunst baut Klose in Osteuropa Brücken der Völkerverständigung. Wie kommt es, dass er in seiner Wahlheimat Nordhessen so polarisiert? Die Geschichte eines ungewöhnlichen Kampfes.

Die Internet-Seite

Wer zum ersten Mal auf die Homepage von Artur Klose gelangt, könnte meinen, bei der NPD gelandet zu sein. Das dachten auch die Mitarbeiter des Kasseler Landratsamtes, die auf die Seite aufmerksam gemacht wurden. Sie leiteten den Hinweis an die Kasseler Staatsanwaltschaft weiter, die ein Verfahren gegen Klose eröffnete. In der Anklageschrift ist davon die Rede, dass der Satz, Kanacken seien Untermenschen, die "in Deutschland lebenden Ausländer in ihrem Ehrgefühl verletzen und herabwürdigen" könnte.

Klose wurde bereits zu einer Geldstrafe verurteilt. Dann sollte das Verfahren jedoch ohne Auflagen eingestellt werden. Dagegen legte Klose Widerspruch ein: "Ich will, dass der Richter mir ins Auge sieht und mich freispricht."

Der Künstler

Wenn Klose so etwas sagt, klingt er wie Jan Böhmermann - man weiß nicht, ob er es ernst meint. Wie beim ZDF-Satiriker und seinem Schmähgedicht muss nun ein Gericht feststellen, ob der Domain-Name Kunst ist. Die Inhalte der Seite sind ziemlich wirr angeordnet - so als hätte ein Web-Designer etwas zu viel gekifft. Es ist aber schnell klar, dass Klose vor allem provozieren will. "Ich zeige das aggressive Desinteresse am Zusammenleben mit Ausländern", sagt er. Mit Screenshots und Zitaten werden heimische Politiker und Medien angeprangert, die meinen, Osteuropäer würden gern in deutschen Pflegeheimen arbeiten. "Wieso wischen die Deutschen nicht selbst die Ärsche ihrer Großeltern ab?", fragt Klose.

Das Werk

So vielfältig wie seine Internetseite ist auch das Werk des aus einer deutschen Familie im polnischen Oberschlesien stammenden Künstlers. 1994 begann er sein Studium der Visuellen Kommunikation an der Kasseler Kunsthochschule. Seine Trickfilme laufen auf internationalen Festivals. Er hat das Buch "Geheimnisvolles Kassel" veröffentlicht, organisierte eine viel beachtete Ausstellung mit dem russischen Künstler Wassilij Slonow, dessen Werke im Land von Wladimir Putin als "zu unpatriotisch" kritisiert werden. Und er lädt georgische Jugendliche immer wieder für Kunstprojekte nach Nordhessen ein. Auch dafür erhielt er in Osteuropa mehrere Preise. In Polen gab es sogar Seminare für Deutschlehrer mit dem Titel "Von Wilhelm Busch bis Artur Klose". Der Vergleich mit solchen Größen gefällt ihm.

Der Landrat

Die große Frage, die den Vater zweier Kinder umtreibt, lautet: Wieso wird das in Nordhessen nicht richtig gewürdigt? Für die Förderung eines Kunstprojektes nahm er Kontakt mit dem Kasseler Landrat Uwe Schmidt auf. Er schrieb ihm mehrmals und erhielt keine Antwort. Seitdem ist er gelinde gesagt nicht gut zu sprechen auf den SPD-Politiker. Klose verewigte ihn in einem Porträt, das an seiner Hauswand hängt. Das Werk trägt den Titel "Landrat aus Scheiße" und ist tatsächlich aus Kot von herrenlosen ukrainischen Hunden gemacht. Per Webcam wurde es auf die Internetseite übertragen - bis jemand die Kamera zerstörte. Schmidts Bildnis ist aber immer noch am Haus im Hombressener Bruchweg zu besichtigen, das Klose zum "German Center for Modern Art" erklärt hat.

Darüber hat sich der Landrat "nicht gefreut", wie sein Mitarbeiter Andreas Bernhard sagt. Man habe aber nichts dagegen unternommen, denn "das Werk könnte durch die Kunstfreiheit gedeckt sein". Auf die Frage, warum Klose keine Förderung für sein Kunstprojekt in Osteuropa erhalten habe, sagt Bernhard, er habe keinen Antrag gestellt. Es gab aber ein Gespräch mit ihm und Landkreissprecher Harald Kühlborn. Die Aussage klingt plausibel.

Klose hofft weiter darauf, mit dem Landrat doch noch zusammenarbeiten zu können. Aus der angeblichen Ungerechtigkeit gegen ihn macht er immer neue Kunst. Er ist stolz darauf, dass ukrainische Künstler ein Werk aus sieben Porträts des nordhessischen Politikers angefertigt haben. Der Titel: "Der Pimmel vom Landrat Uwe Schmidt." Kloses Logik lautet: "Wer mit einer derartigen Selbstverständlichkeit Menschen bescheißt, der muss damit rechnen, in einem Kunstwerk aus Scheiße verewigt zu werden."

Porträt des Landrats Uwe Schmidt an Kloses Hauswand in Hombressen.

Das Dorf

Der Kampf von Artur Klose geht weiter. Zugleich sagt er: "Ich denke schon daran, das Land zu verlassen." Was sie darüber wohl in Hombressen denken? Fragt man die Menschen dort, sagen sie Sätze wie: "Für mich ist er ein Spinner, der glaubt, die ganze Welt sei gegen ihn." Die öffentliche Verhandlung gegen Klose wird am 14. Juni (13.30 Uhr) im Hofgeismarer Amtsgericht geführt. "Notfalls gehe ich ins Gefängnis", sagt der Angeklagte.

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