Lesen gegen Lagerkoller: Bücher für Flüchtlinge

Erste Bücher sind da: Irmgard Ehls (von links), Christoph Beutekamp (Gewobag), Michael Störmer, Jochen Peter, Christel Frank, Danny Frank, Christiane Gahr und Gitta Hoffmann in den neuen Räumen der Asylothek. Foto: Gehlen

Hofgeismar/Calden. Mit der Asylothek kommt ein preisgekröntes Hilfsprojekt für Flüchtlinge in die Region: Die Bücherei für Asylsuchende gibt es künftig in Calden und Beberbeck.

Ehrenamtliche des Kulturforums „HOG Kultur für alle“ holen das Projekt aus Nürnberg in die Dornröschenstadt.

„Das Ziel ist, den Lagerinsassen fremdsprachige Literatur zur Verfügung zu stellen“, sagt Asylotheks-Leiterin Gitta Hoffmann. „Lager“, das Wort wählt sie bewusst: Denn speziell im Winter wird das Leben in den Flüchtlingsunterkünften noch mehr von Langeweile geprägt sein.

Künftig können die Flüchtlinge in Calden einen Leseraum besuchen, der im Kindergarten der Zeltstadt eingerichtet wird. Kooperationspartner sind hier die Johanniter.

Ausleihen wird man Bücher dort aber nicht können: Angesichts der Zahl von 1300 Flüchtlingen wäre es schwierig, sie wieder zurückzubekommen.

Im Beberbeck dagegen wird es in Zusammenarbeit mit dem Samariterbund einen Leseraum und eine Ausleihe geben. Dort ist die Situation mit 260 Flüchtlingen übersichtlicher. In Hofgeismar ist die Asylothek mit ihrer Zentrale vertreten: Im früheren Hessentagsbüro werden die Bücher gesammelt und sortiert. Die Ladenfläche wird der Initiative von der Firma Friedrich Sander günstig zur Verfügung gestellt.

Das größte Problem sind die Bücher. Ziel ist es, den Flüchtlingen vor allem Lesestoff in nicht-deutscher Sprache zu bieten: Englische, arabische, afghanische, persische, somalische, serbokroatische, französische, griechische und italienische Literatur wird gesucht, um ein breites Spektrum anzubieten. Die Initiative bittet deshalb um Spenden: Wer solche Bücher bei sich zuhause stehen hat, kann ein gutes Werk tun, wenn er sie zur Verfügung stellt.

Gesucht werden Wörter- und auch Kinderbücher: „Uns helfen auch Bilderbücher, mitdenen Enkel die ersten Worte gelernt haben oder Tip Toys“, sagt Danny Frank. Letztere sind Lernprogramme mit Tonausgabe, die Flüchtlinge nutzen können, deutsche Begriffe zu lernen.

Ein großer Schwachpunkt ist bisher, dass ausgerechnet arabische Literatur fehlt: Spender können hier mit Geld helfen. In der Buchhandlung Vogt in Hofgeismar liegen ausgewählte arabische Bücher - vor allem für Kinder. Sie können erworben und gleich der Asylothek gespendet werden.

Die Ehrenamtlichen freuen sich zudem über Verstärkung: Besonders Helfer mit Fremdsprachenkenntnissen wären nötig. Auch um gut erhaltene Möbel wie Regale, Tische und Sofas wird gebeten. (gör)

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