Laura Mon, geborene Lore Goldschmidt, musste 1939 Hofgeismar verlassen

Letzte Emigrantin verstorben

Lore Goldschmidt in jungen Jahren. Foto: nh

Hofgeismar. Laura Mon, die in Hofgeismar geborene Lore Goldschmidt, starb am 31. Juli 2012 in San Francisco. Mit ihr starb die letzte der Emigranten, die Hofgeismar verlassen mussten, weil sie jüdischen Glaubens waren.

Lore Goldschmidt besuchte nach dem Abschluss eines Englischkurses die Washington High School. Da ihre Familie auf ein weiteres Gehalt angewiesen war, musste sie auf ein Studium verzichten und ging mit 17 Jahren in Stellung bei einem Juwelier. Dort blieb sie bis 1970. Sie heiratete im Juni 1946 Leo Mon, das Ehepaar bekam zwei Söhne.

Lore Goldschmidt war 14 Jahre alt, als sie im März 1939 mit ihren Eltern Gustav und Paula Goldschmidt und ihrer Schwester Ruth ihre Heimatstadt Hofgeismar und ihr Haus in der Petristraße verlassen musste. Zurück blieb die Großmutter, Johanna Löwy, die im Alter von 73 nicht die Chance hatte, ein Ausreisevisum zu bekommen. Sie wurde 1942 deportiert und starb nach wenigen Monaten in Theresienstadt.

Laura Mon vor zwei Jahren. Foto: nh

Für die Familie Goldschmidt war es eine Flucht gerade noch zur rechten Zeit. Als Ende 1939 die deutsche Wehrmacht Polen überfiel, wurde es für Juden nahezu unmöglich, aus Deutschland heraus zu kommen. Der Vater war schon im März 1933 von den Hofgeismarer Nazis im Rahmen einer sogenannten „Racheaktion“ gegen Oppositionelle und Juden gefangen und misshandelt worden. So zögerte die Familie nicht, als sich die Möglichkeit bot, eines ihrer Kinder mit einem der organisierten „Kindertransporte“ außer Landes zu schicken. Schweren Herzens verabschiedete man sich von dem Ältesten, dem damals 13-jährigen Erwin, als er 1937 die Reise nach San Francisco antrat.

In Hofgeismar wirkte sich inzwischen der Boykott der Nationalsozialisten gegen die Geschäfte der Juden aus. Die Familie Goldschmidt musste mehr und mehr auf Erspartes zurückgreifen. Lore und Ruth wurden in der Schule ausgegrenzt, doch einzelne, heimliche aufrecht erhaltene Freundschaften und viel kindlicher Optimismus nährten noch die Hoffnung, dass bald wieder normale Zeiten in Hofgeismar einbrechen würden.

Am 9. November 1938 überfielen Hofgeismarer SA-Leute das Bekleidungsgeschäft Löwy in der Petristraße 3, zerschlugen die Scheiben und warfen die Waren auf die Straße. Lore und Ruth versteckten sich auf dem Dachboden des Hauses. Der Vater wurde gejagt und brutal zusammengeschlagen. Ihr Leben lang konnte Lore nicht vergessen, wie sie mit der Mutter und ihrer Schwester Ruth auf den Vater wartete, ohne zu wissen, wo er sich versteckt hatte.

Laura Mon hatte es in ihren allerletzten Lebenstagen schwer, innere Ruhe zu finden. Sie starb im Alter von 86 Jahren im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder.

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