Tiere von ihren Mutterschafen verstoßen

Aufzucht mit der Flasche: Junge Frau rettet 18 Lämmer

 Alena Herrmann mit einem ihrer 18 kleinen Lämmchen.
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Flauschiger Nachwuchs: Alena Herrmann mit einem ihrer 18 kleinen Lämmchen, die sie mit der Flasche aufzieht.

Alena Herrmann ohne Tiere? Das geht ja mal gar nicht. Eher läuft die 29-Jährige Gefahr, dass es immer mehr werden. So jedenfalls ist es in den vergangenen Jahren gewesen.

Liebenau - Da kamen ständig neue Vierbeiner hinzu. Ihr Herz für Tiere ist halt groß. Vor allem, wenn ihnen Ungemach droht.

Profitiert davon haben nun auch 18 junge Lämmer. Denen drohte ein kurzes Leben. Der Grund: Sie wurden nach der Geburt von ihren Müttern verstoßen, und das wäre für die meisten der sichere Tod gewesen. Genau genommen handelte es sich bei dieser Aktion Alena Herrmanns um Nachbarschaftshilfe. Denn alle Neugeborenen gehören zur Herde eines benachbarten Schäfers.

Erst waren es nur drei Pferde

Vor zwei Jahren erfüllte sich die Grundschullehrerin ihren Herzenswunsch und kaufte sich ein Haus mit Stallungen zwischen Liebenau und Zwergen. Das war für die gebürtige Schönebergerin zunächst mal wichtig, um mit ihren Pferden zusammen leben zu können. Drei sind es an der Zahl. Und wenn wir schon dabei sind, die Tiere aufzuzählen, die mit auf dem Hof leben: Da sind noch ein Hund, zwei Katzen, vier Hühner, drei Schafe – und eben die kleinen Lämmer.

Zurück zu ihnen. Durch Spaziergänge mit ihrem Hund lernte die 29-Jährige Jan Pöppler kennen, nebenberuflich Schäfer. „Jan fragte mich mal, ob ich mir vorstellen könnte, ein Lämmchen mit Flasche aufzuziehen, das von seiner Mutter verstoßen wurde.“ Die Antwort war klar: Alena Herrmann sagte Ja und hatte kurze Zeit später zwei Lämmer als neue Mitbewohner in einem ihrer Ställe.

Mittlerweile sind Jan und Alena befreundet, und Anfang des Jahres hatte der Schäfer in seiner 500 Tiere starken Herde 18 Lämmer, die von ihren Müttern nicht angenommen wurden. Was tun? Alena fragen. Und natürlich sagte sie wieder Ja. „Anfangs mussten die Lämmer alle zwei bis drei Stunden eine Flasche bekommen“, sagt Alena Herrmann.

Mit einer Vorrichtung versorgt Alena Hermann zehn Lämmer auf einmal

Dass dies neben ihrem Beruf als Grundschullehrerin auf Dauer nicht zu leisten war, ist klar. So besorgte sie sich eine Vorrichtung, in die man fünf Flaschen einstecken kann, an denen die Kleinen trinken konnten. Anfangs mussten sie daran gewöhnt werden, doch es klappte. Und als sie eine zweite Vorrichtung gekauft hatte, konnten auf einen Rutsch zehn Lämmer versorgt werden.

Dennoch war und ist ihr Tagesablauf straff durchgeplant. „Ich stehe morgens früh auf und gehe abends spät ins Bett“, macht die 29-Jährige nicht viel Aufhebens um ihren vollen Terminkalender. Ihr ist anzumerken, dass sie sich mit dem Hof einen Lebenstraum verwirklicht hat, der ihr viel gibt.

Dass es ihr gelungen ist, alle 18 Lämmer durchzubringen, darauf ist sie stolz. Seit Ostern dürfen die Kleinen aus dem Stall, werden auf die Wiese und das grüne Futter vorbereitet. Und auch das scheint gut zu klappen. Nicht verschweigen will Alena Herrmann, dass sie bei der Lämmchenaktion eine befreundete Fotografin und eine Yoga-Gruppe unterstützt haben. Außerdem seien ihre Eltern immer da, wenn Hilfe benötigt würde.

Die 29-Jährige hat ihren Weg gefunden und ist zufrieden: „Es macht mir alles total viel Spaß.“ (Peter Kilian)

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