Ein Herz für Holz

Zimmerhandwerk: Ein Traumjob für Emma Franke 

+
Emma Franke aus Ehringen mit Zimmermeister Richard Betz bei der Arbeit in der Zimmerei. 

Ersen. Die 21 Jahre alte Emma Franke lernt das Zimmerhandwerk. Eine Ausbildung, die sie besonders reizt, auch wenn sie manchmal noch mit Vorurteilen konfrontiert wird. 

Holz fasziniert die junge Frau: „Jedes Holz hat unterschiedliche Maserung und unterschiedlichen Charakter. Man kann ihm jede Form geben“, sagt Emma Franke. Weil sie vom elterlichen Bauernhof in Ehringen (Kreis Waldeck-Frankenberg) die Arbeit mit Holz schon lange kannte, wollte sie Zimmermann werden. Ihr Entschluss stand fest, nachdem sie Praktika in Zimmereien gemacht hatte.

In der Werkstatt in Ersen duftet es nach Holz, wo die 21-Jährige gerade Löcher in Leisten bohrt. Auf der Suche nach einer Lehrstelle kam die Abiturientin aus dem Waldecker Dorf Ehringen zum Ersener Zimmermeister Richard Betz. Der wollte sie eigentlich nur mal zur Probe arbeiten lassen, er hatte in seinem kleinen Betrieb keine Lehrstelle zu besetzen. Nach zwei Tagen stand für ihn aber fest: Emma Franke bekommt den Ausbildungsplatz, den es eigentlich gar nicht gibt.

„Ich habe es selten erlebt, dass jemand so toll bei der Arbeit dabei ist“, sagt Betz. Und erzählt ein Beispiel: Emma Franke hatte im Winter „die letzte Ecke“ eines Altbaus mit Isolierung ausgestopft. Dort war es kalt, staubig und eng. Am Feierabend hat sie trotzdem gesagt: „Das war ein schöner Tag.“

Emma Frankes Arbeit ist vielfältig, Zimmerleute errichten nicht nur Dachstühle. Richard Betz baut in seinem Ein-Mann-Betrieb Balkone, Glasdächer und große Holztore. Energetische Sanierungen an Holzfassaden sowie Holzfußböden sind ebenfalls möglich. Dachböden gestaltet er zu Wohnraum um. „Ein Zimmermann kann aus ganz gewöhnlichen Hütten kleine Paradiese schaffen,“ sagt er. Diese Vielfalt in dem Betrieb reizt Franke. Dabei versteht sie sich bestens mit dem Meister.

Auf der Baustelle: Hier montieren Emma Franke und Richard Betz eine Holzrahmenwand an einer Scheune. Auf der Wand wird später eine Blechverkleidung angebracht.

Anstrengender ist es für sie, wenn sie das Ausbildungszentrum des Handwerks in Kassel-Waldau besucht. Da muss sie sich gelegentlich „mit ausgefahrenen Ellbogen“ wehren. „Man lernt, schlagfertig zu werden“, sagt Emma Franke.

18 Lehrstellen in der Innung

Bei einigen Zimmerleuten gebe es noch Vorurteile gegenüber Abiturienten und Frauen, ist ihre Erfahrung. Etwa 18 Lehrstellen werden in der Zimmermanns-Innung Kassel/Hofgeismar jährlich neu besetzt. Die junge Frau packt nicht nur in der Zimmerei kräftig mit an, sondern auch zuhause im Waldecker Land. Wenn sie mit ihrem Hund spazieren geht, werden daraus schnell mal Zehn-Kilometer-Touren. Sie beschäftigt sich mit Heil- und essbaren Wildpflanzen und arbeitet im Gemüsegarten. Außerdem zeichnet und tanzt Emma Franke gern. Wie geht es nach der Ausbildung weiter? Das steht noch nicht fest. Sie überlegt, ob sie auf dreijährige Wanderschaft gehen soll, so wie es früher junge Gesellen machten. In jedem Fall will sie weitere Erfahrungen sammeln. Auch ein Studium ist möglich. Als Berufsziel schwebt ihr die Restauration denkmalgeschützter Häuser vor. Da ist das Wissen der Zimmerleute ein wichtiges Kapital.

Vor der Ausbildung hat die energische Frau in andere Berufe hineingeschnuppert. Sie hat gefliest, betoniert und im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet. Der Umgang mit Holz erfüllt sie am meisten: „Da kann man sehen, was man am Tag geschafft hat“, sagt Emma Franke.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.