Hilfe für Hungernde in Coronakrise

20 Tonnen Kartoffeln aus Grebenstein für Rumänien

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Kartoffeln für die Armen in Rumänien: (von links) Ottmar Rudert, Hartmut Neutze und Günter Rüddenklau helfen mit.

Die Corona-Pandemie trifft südosteuropäische Länder besonders hart. In Rumänien hungern Menschen. Ein Lebensmitteltransport aus der Region soll helfen. 

Ein dringender Hilferuf aus Rumänien hat die Region erreicht. Aus Fagaras, einer Stadt in Siebenbürgen, hat Johannes Klein, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, die beiden Landwirte Ottmar Rudert (Ostheim) und Günter Rüddenklau (Westuffeln) angeschrieben und auf die Not der dortigen Bevölkerung aufmerksam gemacht. „Das Hungertuch ist bei uns wieder sprichwörtlich geworden“, schreibt der Pfarrer und berichtet eindringlich, dass viele Menschen in den ärmeren Vierteln sowie in Alten- und Pflegeheimen kaum mehr genug zu essen haben. 

Rudert und Rüddenklau ist die Situation in den Armutsvierteln in Südosteuropa bekannt. Seit 13 Jahren organisieren sie alljährlich im Herbst große Hilfskonvois nach Rumänien, Moldawien und die Ukraine. Erst im vergangenen Jahr lieferten sie wieder 100 Tonnen Hilfsgüter dorthin (unsere Zeitung berichtete). Es waren Geld- und Sachspenden, die hunderte Menschen, Firmen und Organisationen aus Nordhessen gespendet hatten.

"Lage hat sich zugespitzt"

„In diesem Frühjahr hat sich offenbar die Lage durch die Corona-Pandemie dramatisch zugespitzt“, sagen die beiden Biobauern. Die Leute, die üblicherweise von den Löhnen lebten, die ihre Verwandten vornehmlich in Deutschland als Erntehelfer, auf dem Bau oder in den Großschlachtereien verdienten, hätten nun kein Einkommen mehr.

„Die Not in Rumänien ist so groß, dass man alles in Kauf nimmt, um nur irgendwie einen Arbeitsplatz ergattern zu können“, schreibt auch Pfarrer Klein. Aber weil die Wirtschaft in Rumänien ebenso wie in Deutschland heruntergefahren worden ist, gibt es für viele nun überhaupt keine Arbeit mehr.

Landwirt spendet Ware

Die beiden heimischen Landwirte hat der Hilferuf aus Siebenbürgen keinen Tag ruhen lassen. Umgehend kontaktierten sie Berufskollegen in der Region und wurden schnell fündig: Ackerbauer Hartmut Neutze aus Schachten hat derzeit noch jede Menge Kartoffeln im Lager liegen. „Bei unseren Großabnehmern in der Gastronomie und Kantinen sind wir aufgrund der Coronakrise in den letzten Wochen nichts mehr losgeworden“, sagt Neutze, „der Lockdown hat auch uns voll erwischt“. Und so musste Neutzes Betrieb auch den gerade aufgenommenen Schälbetrieb wieder einstellen. Doch bevor Neutze seine Kartoffeln weit unter Preis an die großen Ketten „verschenken“ würde, will er sie lieber spenden „an Leute, die es nötig haben“.

Neutze ist bewusst, dass in Rumänien kein soziales Netz wie bei uns existiert. Während hier niemand verhungern müsse, sei dort aber die Lage viel ernster. Und deshalb sind am Samstag von Neutzes Hof in Schachten 20 Tonnen Kartoffeln auf den Weg ins rumänische Fagaras gegangen. Es ist beste Ware, besteht doch der Großteil der Lieferung aus „Prinzess“, einer edlen Speisekartoffel.

Auch Mehl und Zucker dabei

Ottmar Rudert rechnet vor, dass damit für 10 000 Menschen mindestens eine Woche ein wichtiges Grundnahrungsmittel zur Verfügung gestellt werden kann. Doch es ist nicht nur ein reiner Kartoffel-Transport, der jetzt nach Rumänien geht. Günter Rüddenklau hat am Freitag noch eine Tonne Mehl aus einer Mühle in Braunschweig besorgt und Ruderts Freund Josef Jakobi aus Körbecke fiel es nicht schwer, eine Raffinerie zur Spende von zwei Tonnen Zucker zu bewegen.

Der Warenverkehr für Lebensmittel nach Rumänien ist nach Angaben der Helfer auch in Coronazeiten frei. Der Lkw ist Sonntag schon eingetroffen und wurde auf einem sicheren Gelände bewacht. Entladen wird erst am heutigen Montag, weil gestern orthodoxes Osterfest war. 

Helfer bitten um Spenden

In der Corona-Krise stehen viele Lkw still. Deshalb fallen für den Transport nach Rumänien aktuell nur noch 1400 statt 2200 Euro an. Geld, das das Spendekonto noch hergibt. Doch um möglicherweise weitere Lebensmittel nach Südosteuropa liefern zu können, sind die Organisatoren für Geldspenden dankbar. Konto des Kirchenkreisamtes Hofgeismar-Wolfhagen bei der Evangelischen Bank, IBAN: DE13 5206 0410 0002 0001 05, BIC GENODEF1EK1, Stichwort: Moldawien-Hilfe.

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