Destillerie im Landkreis Kassel

Statt Gin gibt es nun Desinfektionsmittel - Alkohol-Spenden sind willkommen

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Alles außer Sahnelikör: Das Team der Destillerie (von links: Eike Irene Seidenhefter, Kai Seidenhefter und Andy Couling. Es fehlt Tobias Radler) zeigt einige der gespendeten Flaschen. Alles ab zehn Prozent Alkoholgehalt kann verarbeitet werden, nur kein Eierlikör. Das Gruppenfoto war möglich, da alle zur Familie gehören. 

Nicht in der Krise herumsitzen und abwarten, sondern etwas Gutes für andere tun – das hat sich das Team der Fieldfare-Destillerie in Ostheim gedacht.

Statt ihren überregional erfolgreichen Wacholder-Gin zu brennen, hat die kleine Firma vor-übergehend ihren Betrieb in der alten Dorfschmiede umgestellt und produziert nun dank der Mithilfe von Bürgern und einigen Institutionen dringend benötigtes Desinfektionsmittel.

Wegen der Corona-Pandemie ist das Brennerei-Team in Kurzarbeit, denn der Webshop läuft zwar weiter, aber der Hauptabsatz ruht derzeit wegen der Schließung von Bars, Hotels, Gaststätten, Messen und Fachgeschäften. So hat das Team nicht nur viel Freizeit, sondern auch freie Anlagenkapazitäten, erläutert Gründer Kai Seidenhefter. Die werden nun genutzt, um aus gespendeten alkoholischen Getränken 80-prozentigen Trinkalkohol (Ethanol) zu brennen, der als Grundlage für die Herstellung eines Händedesinfektionsmittels nach WHO-Vorgaben dient. Wasserstoffperoxid und Glyzerin werden hinzugefügt, um das Mittel abzufüllen und in den jeweils verfügbaren Mengen kostenlos zu verteilen. Bekommen werden es vor allem Altenheime, Pflegedienste und Arztpraxen, die händeringend danach suchen.

Destillerie benötigt Alkohol als Spende

„So ist unsere Zeit nicht vergeudet und wir können punktuell anderen über Engpässe hinweghelfen“, meint Seidenhefter, der das ganze Prozedere problemlos mit dem Hauptzollamt in Gießen abstimmen und genehmigen lassen konnte. Die Heinrich-Grupe-Schule Grebenstein und die Gustav-Heinemann-Gesamtschule Hofgeismar spendierten aus ihren Chemiebeständen Wasserstoffperoxid und Glyzerin, die Brunnenapotheke in Hofgeismar half beim rechtssicheren Entwerfen der Etiketten. Die entscheidende Hilfe kommt nun aber von den vielen Menschen, die beim Aufräumen Alkoholika entdeckt haben, die sie nicht mögen und auch nicht weiter verschenken wollten.

Sie können als Spende an der alten Schmiede abgegeben werden und es hat sich bereits eine ganze Menge angesammelt: vom kräftigen Rotwein mit 14 Prozent Alkohol über Liköre, Kräuterschnäpse und Weinbrände bis zum Doppelkorn und 80-prozentigen Strohrum. Je höher der Alkoholgehalt, desto effektiver kann der Brennvorgang ablaufen und umso mehr Desinfektionsmittel kann hergestellt werden.

Sortiert nach Alkoholgehalt: Die gespendeten Flaschen werden eingeordnet. Je niedriger der Prozentanteil, desto aufwändiger ist die Brennprozedur.

Ab zehn Volumenprozent aufwärts sei alles verwendbar, erklärt das Fieldfare-Team. Am Ende wird der Alkohol entsprechend der Zollvorschriften vergällt und damit ungenießbar zum Trinken gemacht. Nicht verwerten können sie lediglich Sahneliköre wie Baileys oder Eierlikör, weil die Milchanteile sich nicht verarbeiten lassen. Es waren schon Spender da, die geschenkte Flaschen jahrelang in der Schublade liegen hatten und nun loswerden wollten, andere konnten sich nach einigen Probierschlucken nicht für ein Produkt begeistern und gaben die angebrochene Flasche ab.

Hoffnung, dass erster Brand am Dienstag starten kann

Das Team der Diemelstrand-Destillerie hofft nun, dass für den ersten Großversuch mit der größten 380-Liter-Destille noch einige Flaschen zusammen kommen, damit am Dienstag nach Ostern der Brand starten kann. Er wird je nach Alkoholanteil 16 bis 24 Stunden dauern.

Spenden müsse man ja nun nicht unbedingt teure Whiskeys und edle Weine, das würde auch dem Weinexperten Andy Couling und dem Gin-Kenner Kai Seidenhefter wehtun. Da lasse sich genug anderes finden. Was dem gelernten Soziologen derzeit eher die Laune vergällt, sind Krisengewinner, die Desinfektionsmittel zu horrenden Preisen verkaufen wollen. Auch denen gelte es das Geschäft zu vermiesen.

Kontakt: Diemelstrand Destille, In der Breite 2 a, Liebenau-Ostheim, 0 56 76/920 91 07

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