Bau wird trotzdem beginnen

Ehepaar wehrt sich gegen Sanierungspläne in Liebenau

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Bürgermeister Harald Munser treibt die Altstadt-Sanierung (wie hier am Alten Steinweg) voran.

Liebenau. Die geplante Sanierung der Hinteren Straße in der Liebenauer Altstadt (Kreis Kassel) sorgt für Diskussionen. Ein Anwohner-Ehepaar hält die Pläne für „unausgereift“.

Die Pläne der Stadtverwaltung sehen vor, dass die Wasser- und Abwasserleitungen auf der gesamten Länge ausgetauscht und Tunnel für Glasfaserkabel verlegt werden. Mithilfe des Dorfentwicklungsprogrammes (DEP) soll ein optisch einheitliches Bild geschaffen werden, darunter fallen auch Freiflächen auf privatem Grund.

Das Ehepaar Tolle wohnt seit 43 Jahren in der Hausnummer acht und besitzt auch das Grundstück daneben. Der ehemalige Bauernhof ist seit dem Bau im 19. Jahrhundert im Besitz der Familie von Fritz Tolle. In den Plänen von Bürgermeister Harald Munser sehen die Eheleute mehrere Probleme.

Förderung für Altstadt

Die Freiflächengestaltung auf privaten Grundstücken wird über das DEP finanziert. Der Bürgermeister sieht darin eine gute Möglichkeit, die Altstadt einheitlich zu sanieren, ohne dass den Anliegern extra Kosten entstehen. Wegen der DEP-Förderung muss allerdings ein Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Anwohner über die Freiflächennutzung geschlossen werden. 

Dieser läuft 15 Jahre und gilt, bei Verkauf oder Erbschaft, auch für den neuen Eigentümer. Bauliche Änderungen durch den Eigentümer werden in dieser Zeit ausgeschlossen – für die Tolles ist das ein Problem: „Wenn wir das Nachbargrundstück verkaufen wollen, muss der Käufer eine Sondergenehmigung bekommen, um eine Einfahrt zu bauen. Wer kauft denn so ein Grundstück“, fragt sich Ruth Tolle und denkt dabei vor allem an ihre Kinder, die Haus und Grundstück mal erben sollen. 

Der Bürgermeister sagt: „Die Pflastersteine machen überhaupt keine Probleme bei der Erschließung einer Einfahrt, außerdem sind die Sondergenehmigungen bereits vertraglich vorgesehen.“

Bauernhof wird unnutzbar

Die Straßenbreite soll zudem auf 2,90 Meter reduziert werden, die Durchfahrt nur noch in eine Richtung möglich sein. „Für Gewerbetreibende ist damit diese Ecke tot und unser Bauernhof kann nicht mehr wiederbelebt werden“, sagt Ruth Tolle. „2,90 Meter sind kein Sonderfall, zumal die Bordsteine wegfallen“, sagt Munser. Außerdem sei der alte Hof weiterhin über die Rückseite erschlossen.

Die Tolles sollen laut eines Bescheides der Stadt für beide Grundstücke rund 26.000 Euro Straßenbeitrag zahlen, hinzukommen die Kosten für private Leitungsanschlüsse. Weil die Straße als Anliegerstraße klassifiziert ist, müssen die Anwohner drei Viertel der Kosten für die Wiederherstellung der Straße tragen, statt nur der Hälfte wie bei einer innerörtlichen Durchgangsstraße.

 „Das hat ein Fachanwalt für Beitragsrecht vor Ort geprüft und beurteilt. Der Anliegerverkehr überwiegt“, sagt Munser. „Wir wollen keinen Flickenteppich, aber die meisten Anwohner haben die Vorteile der Aufwertung erkannt.“ Der Baustart verzögere sich nicht, es werde drum herum gebaut.

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