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Einblicke in das frühe Liebenau: Archäologen untersuchen Umfeld der Kirche

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Von: Bernd Schünemann

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Hier wird gegraben: Christin Gabriele Faust (links) und Daniela Heller an dem freigelegten Streifen. Bis zur Sparkasse (im Hintergrund rechts) werden sie die Fläche in den nächsten Wochen noch untersuchen.
Hier wird gegraben: Christin Gabriele Faust (links) und Daniela Heller an dem freigelegten Streifen. Bis zur Sparkasse (im Hintergrund rechts) werden sie die Fläche in den nächsten Wochen noch untersuchen. © Bernd Schünemann

Bürgermeister Harald Munser hatte schon geahnt, dass der Liebenauer Untergrund einige Überraschungen bereithalten könnte. Das hat sich in den vergangenen Tagen bestätigt.

Im Umfeld der Liebenauer Kirche haben Archäologen nicht nur Keramikscherben, Nägel und Hufeisen sowie etliche Lederteile gefunden. Vor der Kirche – wo sich früher der Friedhof befand – haben sie auch die Überreste von 16 Gräbern entdeckt.

Durch den hohen Grundwasserstand im Bereich der ehemaligen Stadtmauer sei in Liebenau viel erhalten geblieben, was andernorts längst verschwunden wäre, sagte Dr. Eveline Saal, Bezirksarchäologin des Landesamtes für Denkmalpflege. Jetzt sei es wichtig, diese Funde zu dokumentieren und das Wissen auch für die Nachwelt zu erhalten.

Truhenschloss: Dr. Thilo Warnecke zeigt (daneben von links) Reinhard Petersen (Denkmalbehörde), Pfarrer David Seibel und Bürgermeister Harald Munser den Fund. .
Truhenschloss: Dr. Thilo Warnecke zeigt (daneben von links) Reinhard Petersen (Denkmalbehörde), Pfarrer David Seibel und Bürgermeister Harald Munser den Fund. . © Bernd Schünemann

Dr. Thilo Warneke hob die Vielzahl der Funde hervor. Solche Mengen gebe es sonst eigentlich nur in Norddeutschland. Dabei handelt sich bei den Eisen- und Keramikfunden gewissermaßen um die ganz alten Reste. Denn beim Straßenbau in den 1950er Jahren seien „die Kulturschichten des 15. bis 20. Jahrhunderts zerstört worden“.

Das hatte die archäologische Begleitung der Bauarbeiten in der Burggasse und im Freien Hof ergeben. Warneke begleitet mit seinem Ahnataler Unternehmen „Museum, Archäologie & mehr“ im Auftrag der Denkmalpflege die Tiefbauarbeiten im Rahmen der Altstadtsanierung.

Gefundene Schuhsohlen deuten auf alte Schuhmacherwerkstatt

Trotz früherer Zerstörungen haben die Ahnalater Archäologen in der Straße Freier Hof zahlreiche Lederfunde gemacht: 74 Schuhsohlen – manche stark abgenutzt, andere gar nicht getragen – Riemen und Lederreste. Diese Funde lassen dort eine Schuhmacherwerkstatt im 14. oder 15. Jahrhundert vermuten.

Burkhard Rabe von Pappenheim – ein Nachfahre der Erbauer der zerstörten Liebenauer Burg – hofft, dass die Funde Rückschlüsse auf das Leben im jungen Liebenau ermöglichen. Er kritisierte aber auch deutlich, dass die Stadt die Kosten der Grabungen tragen müsse. Bürgermeister Munser will sich dafür einsetzen, dass zumindest einige der Fundstücke künftig in Liebenau öffentlich gezeigt werden können. (Bernd Schünemann)

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