Großes Interesse an alten Balken

Hakenkreuze von 1934 an alter Scheune in Ostheim entdeckt

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Hakenkreuze beim Abreißen entdeckt: An dieser alten Scheune im Liebenauer Ortsteil Ostheim fanden Mitarbeiter der Abbruchfirma neben der Jahreszahl der Erbauung des Gebäudes auch Relikte aus der NS-Zeit.

Ostheim. Viele Häuser hat Harald Knüppel schon abgerissen. Bei alten Gebäuden schaut er immer genau auf Inschriften. Im Liebenauer Ortsteil fand er dabei zum ersten Mal Hakenkreuze.

Sie stammen noch aus dem Jahr 1934, als die Scheune erbaut wurde. Verwundert war der Mitarbeiter der Abbruch- und Entsorgungsfirma Poppke aus Borgentreich, wie groß daraufhin das Interesse im Ort an dem Balken mit der Inschrift war.

Aktualisiert um 18 Uhr

Mehrere Menschen in Ostheim hätten ihn angesprochen, ob sie den Balken mit den Hakenkreuzen mitnehmen könnten. Die waren gut sichtbar für alle, nachdem Knüppel und seine Mitarbeiter erste Abbrucharbeiten erledigt hatten. Die verbotenen Zeichen rahmen die Inschrift mit dem Jahr der Erbauung und dem Architekten der Scheune ein.

Der Balken mit den Hakenkreuzen wird jetzt aber nicht an die Ostheimer weitergegeben. Die Polizei war vor Ort und hat Knüppel dazu angewiesen, was für ihn ohnehin selbstverständlich war: Der Balken wird vernichtet. Bürgermeister Harald Munser (FWG) geht jedoch nicht davon aus, dass das Interesse an dem Balken auf Nostalgie zur NS-Vergangenheit beruht.

Der Umgang mit Hakenkreuzen ist im deutschen Recht genau geregelt. Wer die Zeichen der nationalsozialistischen Zeit verbreitet oder öffentlich verwendet, kann bis zu drei Jahre ins Gefängnis kommen oder zu einer Geldstrafe verurteilt werden.

„Wer den Balken mit den Hakenkreuzen in sein Wohnzimmer und nicht öffentlich zur Schau stellt, begeht keine Straftat“, sagt Jürgen Müntel von der Polizei Hofgeismar. Auch mache sich mit der Inschrift auf der Scheune heute niemand mehr strafbar: „Das wäre längst verjährt.“ Würden die Balken jetzt jedoch weitergegeben, sei das illegal.

Laut Anwohner Lothar Küchmann gehörte die im Jahr 1934 erbaute Scheune zu einem sogenannten Reichsnährstand, in dem in der NS-Zeit die landwirtschaftliche Produktion und der Vertrieb geregelt und kontrolliert wurden. Später seien in der Scheune Feste gefeiert worden. „Viele in Ostheim wussten, dass am Eingang noch Hakenkreuze sind, auch wenn die nicht direkt zu sehen waren“, sagt Küchmann. Diese Überreste seien wahrscheinlich nach dem Krieg nicht entfernt worden, da man zu der Zeit andere Sorgen gehabt hätte.

Das besagt das Gesetz: Weitergabe ist strafbar 

Der Umgang mit Hakenkreuzen ist im deutschen Recht genau geregelt. Wer die Zeichen der nationalsozialistischen Zeit verbreitet oder öffentlich verwendet, kann bis zu drei Jahre ins Gefängnis kommen oder zu einer Geldstrafe verurteilt werden. „Wer den Balken mit den Hakenkreuzen in sein Wohnzimmer und nicht öffentlich zur Schau stellt, begeht keine Straftat“, sagt Jürgen Müntel von der Polizei Hofgeismar. Auch mache sich mit der Inschrift auf der Scheune heute niemand mehr strafbar: „Das wäre längst verjährt.“ Würden die Balken jetzt jedoch weitergegeben, sei das illegal.

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