Hauseigentümer sollen tiefer in Tasche greifen – Kritik an Plan

Hauseigentümer sollen mehr zahlen: „Dorferneuerung für Privilegierte“

Liebenau. Hauseigentümer sollen mehr Geld auf den Tisch legen, um Zuschüsse für Renovierungen aus dem neuen Dorfentwicklungsprogramm zu bekommen. Das plant das Land Hessen. „Das ist eine Dorferneuerung für Privilegierte“, schimpft Liebenaus Bürgermeister Peter Lange.

Beim Landkreis Kassel hofft man die Neuregelung noch abzuwenden.

Dabei geht es um die so genannte Bagatellgrenze: Die lag bisher bei 3000 Euro brutto. Wer an seinem Haus eine Sanierung mit geringeren Kosten vornahm, hatte keinen Anspruch auf Förderung. Doch nun ist die Zuständigkeit beim Land vom Wirtschafts- auf das Umweltministerium übergegangen. Das hat eine neue Zielsetzung: Es sollten mehr nachhaltige Projekte mit langfristiger Wirkung gefördert werden.

Ein Beispiel: Hauseigentümer sollen nicht nur eine Wand anstreichen, sondern auch energetisch sanieren. Deshalb will man die Bagatellgrenze erhöhen auf knapp 12 000 Euro brutto.

„Man muss 11800 Euro investieren, um 3500 Euro Fördergeld zu bekommen“, rechnet Bürgermeister Lange vor. Damit würden Hauseigentümer mit kleineren Projekten ausgeschlossen. „Dabei sollte jeder die Möglichkeit bekommen teilzunehmen.“

Peter Nissen, Leiter des Servicezentrums Regionalentwicklung in Hofgeismar, teilt die Kritik: „Ich stimme vollständig zu, auch wir haben unseren Unmut geäußert.“ Dabei sei bereits lange über eine Anhebung der Bagatellgrenze diskutiert worden. Denn wer einen Antrag für 3000 Euro stellte, bekam nur 900 Euro Förderung – löste aber einen erheblichen Verwaltungsaufwand aus.

Trotzdem hält Peter Nissen die Vervierfachung der Bagatellgrenze auf 12 000 Euro für unverhältnismäßig. „Das passt nicht ins System, weil wir auch kleinen Projekten Rechnungen tragen möchten“, sagt er.

Von Göran Gehlen

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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