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Geflüchtete Ukrainer haben in Ostheim ein neues Zuhause bekommen

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Von: Hanna Maiterth

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Ukrainische Familie in Ostheim: Gärtnern als Hobby verbindet die Familien Radler und Savchenko: Natalya mit Sohn Mykola, die Ostheimerin Karin und Liudmyla.
Ukrainische Familie in Ostheim: Gärtnern als Hobby verbindet die Familien Radler und Savchenko: Natalya mit Sohn Mykola, die Ostheimerin Karin und Liudmyla. © Hanna Maiterth

Geflüchtete Ukrainer haben in Ostheim ein neues Zuhause gefunden. Sie haben erzählt, wie hart der Weg bis dorthin war.

Ostheim – Ein fünfjähriger Junge flitzt aus der Wohnungstür. Auf den Treppenstufen zum ersten Stock hat ihn eine junge Frau eingeholt. Hinter ihnen bleibt eine ältere Frau im Türrahmen stehen. Liudmyla Savchenko begrüßt mich mit einem breiten herzlichen Lächeln und einigen Brocken Deutsch.

Die 52-Jährige ist mit ihren Töchtern Anna (22) und Natalya (29) sowie Enkel Mykola vor dem Krieg in der Ukraine geflohen. Sie fanden Zuflucht bei Karin und Erich Radler im Liebenauer Ortsteil Ostheim. Die Männer, Liudmylas Ehemann und auch Natalyas, kämpfen für ihr Heimatland, sagt Liudmyla Savchenko.

Nun sitzen wir – Karin Radler (63), Liudmyla Savchenko und ich - im Arbeitszimmer des neuen Zuhauses. Auf dem Fußboden spielt die 29-Jährige mit ihrem Sohn. Anna ist spazieren gegangen. Für das Gespräch greifen wir auf Smartphones zurück, lassen Fragen und Antworten per Spracherkennung übersetzen. „So machen wir das von Anfang an“, erklärt Radler. Das heißt: seit dem 14. März. In der Nacht erreichten die ukrainische Lehrerin und ihre Nachkommen den Bahnhof in Wilhelmshöhe. Eigentlich waren die vier nur Teil „einer Gruppe von müden und unglücklichen Frauen und Kindern, die vor dem Krieg geflohen sind“, erinnert sich Liudmyla Savchenko. Schytomyr ist ihre Heimat. Die ukrainische Großstadt liegt knapp 140 Kilometer westlich von der Hauptstadt Kiew. Dort packte jede der drei Frauen ihr Leben in einen Koffer.

Dankeschön: Danke sagen, das ist Liudmyla Savchenko besonders wichtig.
Dankeschön: Danke sagen, das ist Liudmyla Savchenko besonders wichtig. © Hanna Maiterth

Zuerst hatten sie sich in Kellern vor Raketenangriffen versteckt. „Es war eine beängstigende Situation“, sagt die 52-Jährige und meint damit die Sirenen, die Explosionen und die bebende Erde. „Wo vorher ein Militärflughafen stand, war plötzlich nur noch eine Grube.“ Sie flohen zu Verwandten nach Czenowitz an der rumänischen Grenze und dann ins Nachbarland. In Rumänien kam dann der Kontakt nach Deutschland zu Ottmar Rudert (Ostheim) und Günter Rüddenklau (Westuffeln), die in der Vergangenheit bereits Hilfslieferungen nach Osteuropa organisierten und nach Kriegsausbruch ebenfalls Hilfstransporte starteten.

„Der Gedanke, die Wohnung zur Verfügung zu stellen, war sofort da“, sagt Karin Radler. Bis vergangenes Jahr bewohnte der Sohn der Radlers noch die Räume im Erdgeschoss. Dann standen sie leer. Während unseres Gesprächs betont Liudmyla Savchenko immer wieder die große Hilfsbereitschaft, die sie und ihre Kinder erfahren haben. „Hier fanden wir eine zweite Familie.“ Die Radlers begleiten sie bei Behördengängen und zeigen ihnen die Gegend. Dafür revanchieren sich die Savchenkos mit selbst gebackenen Kuchen und helfen im Garten, erzählt Karin Radler. Das Gärtnern als Hobby verbinde sie, so die beiden Frauen. Und auch vom Helferkreis der Liebenauer Einwohner und aus Ostheim direkt kommt viel Unterstützung. Es gab eine Erstausstattung unter anderem mit Hygieneartikeln. Regelmäßig besuchen die Frauen einen Deutschkurs. Und die Menschen im Ort helfen aus mit einer Nähmaschine für Anna und Spielzeug sowie einem Fahrrad für Mykola.

So dankbar die 52-Jährige ist, so sehr hofft sie auf eine baldige Rückkehr. Doch die Unsicherheit ist groß. Nachdem wir im Hof ein Foto gemacht haben, erzählt Natalya von ihrer Arbeit in der Verwaltung eines ukrainischen Krankenhauses und den täglichen Telefonaten mit ihrem Mann und ihrem Vater. Es ist der Moment, in dem sich die Augen ihrer bislang so taffen Mutter mit Tränen füllen. (Hanna Maiterth)

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