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Klein, kleiner, Grimelsheim: Im Liebenauer Ortsteil leben rund 50 Menschen

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Von: Hanna Maiterth

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Mit dem Ortsbeirat durch Grimelsheim: Simone Wittig (links) ist Mitglied, Sandra Hancken ist Ortsvorsteherin. Den dritten Posten bekleidet Hanckens Mann Eicke.
Mit dem Ortsbeirat durch Grimelsheim: Simone Wittig (links) ist Mitglied, Sandra Hancken ist Ortsvorsteherin. Den dritten Posten bekleidet Hanckens Mann Eicke. © Hanna Maiterth

In kleinen Dörfern herrscht meistens ein ganz besonderer Zusammenhalt. Wir stellen daher die drei kleinsten Orte im Kreis Kassel vor – heute den Liebenauer Ortsteil Grimelsheim.

Grimelsheim – Mit 51 Einwohnern ist Grimelsheim nicht nur der kleinste Ortsteil der Stadt Liebenau. Er ist es auch im Altkreis Hofgeismar. Dass sie dadurch Nachteile haben, finden Sandra Hancken und Simone Wittig nicht. Die beiden Frauen bilden zusammen mit Eicke Hancken den Ortsbeirat. Sandra Hancken ist in dem Trio die Ortsvorsteherin. „Eigentlich sogar im Gegenteil. Wenn wir mal was brauchen, sind Bürgermeister und Stadtverwaltung immer sehr entgegenkommend“, sagt die 44-jährige Ortsvorsteherin. Auch Glasfaseranschluss haben die Anwohner bereits.

Aktuell sehen sie keinen größeren Bedarf. Schönheitsreparaturen ausgenommen. Absehbar sei zum Beispiel, dass das Dorfgemeinschaftshaus einen neuen Anstrich benötige. Das DGH wurde vor knapp 20 Jahren im Zuge der Dorferneuerungen um einen Anbau erweitert. Damals bekam es einen Jugendraum. Inzwischen wird es mangels Jugendlicher aber auch anderweitig genutzt. Direkt vor der Tür befinden sich außerdem ein eingezäunter Spielplatz und Sitzgelegenheiten. Zusammen bilden sie den Dorfmittelpunkt von Grimelsheim. Dort finden Veranstaltungen wie das Herbstfest mit Flohmarkt und die Adventsfeier statt.

Außerhalb des Ortes gibt es noch einen Platz, an dem das jährliche Osterfeuer stattfindet, und den Gutshof. Letzterer ist im Besitz der Familie Hancken, die eine Landwirtschaft betreibt.

Bei den Grimelsheimern spielen die Obstbäume in der Gemarkung eine große Rolle. Die werden von den Bewohnern gepachtet, gepflegt und das Obst schließlich als Belohnung geerntet. Schilder an den Bäumen und Sträuchern weisen darauf hin. Doch leider, so Hancken, ernten oft Fremde die Früchte.

Grimelsheim befindet sich fast genau in der Mitte zwischen Hofgeismar und Warburg. Weil die Einkaufsmöglichkeiten im Nachbarbundesland etwas näher liegen, gehen viele aber nach Warburg zum Einkaufen. „Auch die Busverbindung nach Warburg ist besser“, sagt Hancken. Trotzdem blieben die Schüler hauptsächlich in Hessen. Allein aufgrund der Freundschaften, die sich im Kindergarten entwickelt haben, erklären Hancken und Wittig. Ohne fahrbaren Untersatz sei es wie in so vielen Orten auf dem Land schwierig. Das sei ein Manko. „Wir sind froh, an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen zu sein. Trotzdem ist es keine Alternative zum eigenen Auto,“ sagt Hancken.

Im Ort ist jedes Alter vertreten. Gleichzeitig habe sich das Dorf auch verjüngt, sagt Wittig: „Einige Junge sind hergezogen.“ Sie leben mit ihren Kindern in dem Liebenauer Ortsteil. Die 42-Jährige trägt beim Ortsrundgang sogar den jüngsten Bewohner von Grimelsheim in einem Tragetuch am Oberkörper: Fjodor Wittig ist knapp ein halbes Jahr alt. Die älteste Bewohnerin ist 83. Hildegard Groß heißt sie und ist als Café-Betreiberin immer noch aktiv. Das Café liegt im benachbarten Dahlheim.

In Grimelsheim selbst gibt es keine Gastronomie mehr. Das sah mal anders aus, wie Rolf Knipper erzählt. Der 78-Jährige ist in Essen geboren, aufgrund des Zweiten Weltkriegs kam er mit seiner Mutter nach Grimelsheim. Auf dem Gutshof machte er eine landwirtschaftliche Ausbildung. Er erinnert sich noch an die beiden Kneipen im Ort. Tanzveranstaltungen fanden hier statt und lockten Menschen aus den umliegenden Orten nach Grimelsheim. „Die sind damals alle zu Fuß gekommen.“

Als das Finale der Fußballweltmeisterschaft in Bern ausgetragen wurde, kam eine Antenne auf das Dach von Ernas Kneipe und in dem kleinen Ort wurde Fußball übertragen. „Die WM 1954 haben wir mit Menschen aus der ganzen Gegend geschaut“, sagt Knipper.

Inzwischen ziehe es Rad- und Wandertouristen durch den Ort. Das habe zugenommen, beobachten Hancken und Wittig. Durch die E-Bikes blieben viele nicht mehr nur auf dem Diemeltal-Radweg, sondern fahren auch den Berg nach Grimelsheim hoch. Zudem führt der Schmetterlingssteig durch den Ort.

Blick auf den Gutshof am Ortsrand von Grimelsheim
Der Gutshof liegt am Rand von Grimelsheim: Dort wurden im Laufe der Zeit viele junge Menschen in der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft ausgebildet. © Maiterth, Hanna
Rolf Knipper an Steuer seines Treckers.
Rolf Knipper machte auf dem Gutshof eine landwirtschaftliche Ausbildung. Auch im Ruhestand packt der 78-Jährige noch gerne mit an. © Maiterth, Hanna

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