Im Wald drängt jetzt die Zeit

Kommunen müssen Alternative für Holzvermarktung finden

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Luftig gestapelt: Förster Günter Koch (Foto) lässt das Windwurfholz im Wald schälen und so aufstapeln, dass die Luft durchstreichen kann. Das soll das Holz vor Käferbefall schützen.

Liebenau. Im Wald gehen die Uhren langsamer, sagt man. Doch jetzt drängt die Zeit: für die künftige Vermarktung des Holzes aus kommunalen und größeren Privatwäldern.

Ab Januar 2019 können die Forstämter keine gebündelten Verträge mehr für die Vermarktung von Holz aus diesen Wäldern abschließen.

Im Altkreis Hofgeismar ist die Stadt Liebenau als größter kommunaler Waldbesitzer davon am stärksten betroffen. Deswegen macht sich der Liebenauer Bürgermeister Harald Munser schon länger für die Neugründung der Forstbetriebsgemeinschaft Hofgeismar stark. Weil jetzt die Termine feststehen, wachse der Handlungsdruck, sagt Munser. Nach seinem Eindruck „ist das Problem noch nicht bei allen angekommen“. Seit den 1970er Jahren hatten sich die Forstämter um den Verkauf des Holzes gekümmert.

„Die Forstwirtschaft ist einer der wenigen profitablen Zweckbetriebe der Stadt“, erklärte der Bürgermeister die Lage für Liebenau. Das gelte ähnlich sicher auch für die anderen betroffenen Kommunen. Deswegen sei es für die kommunalen Waldbesitzer wichtig, sich gut aufzustellen und weiterzuentwickeln.

Der Bürgermeister hat schon mit Vertretern der ehemaligen Forstbetriebsgemeinschaft beraten. Er hält die Neugründung einer regional aufgestellten Forstbetriebsgemeinschaft Nordhessen für „extrem sinnvoll“. Sie könne und solle die Interessen der Forstbesitzer bündeln. Hauptaufgabe der neuen Betriebsgesellschaft soll das Kartellrechtsthema sein, also die künftige Vermarktung des Holzes.

Unklar ist derzeit noch, ob möglicherweise auch andere Aufgaben, die Hessen-Forst in den kommunalen Wäldern erbringt, künftig ebenfalls neu geregelt werden müssen. Das werde die Urteilsbegründung eines Gerichtsverfahrens klären, das beim Bundesgerichtshof läuft, sagte der Liebenauer Bürgermeister.

Betriebsgemeinschaft reaktivieren

Liebenau und Hofgeismar, Oberweser und Wahlsburg gehörten der alten Forstbetriebsgemeinschaft Hofgeismar an. Außerdem waren mehrere, zumeist kleinere Privatwaldbesitzer Mitglieder. Die obere Forstbehörde hatte ihr wegen Inaktivität die Anerkennung entzogen. Liebenaus Bürgermeister Munser drängt bei den ehemaligen Mitgliedern auf die Neugründung der Gemeinschaft. Er möchte auch die Nachbarn aus Trendelburg und Grebenstein bei der Neugründung einer Forstbetriebsgemeinschaft ins Boot holen. Breuna könnte ebenfalls dabei sein. Auch weitere Privatwaldbesitzer sind gern gesehen in dieser Runde. Im Altkreis Hofgeismar gibt es allerdings nur wenige. In der Forstbetriebsgemeinschaft Waldeck sind dagegen hunderte privater Waldbesitzer zusammengeschlossen.

Windwurfholz wartet auf die Abfuhr

Rund 8000 Festmeter Holz sind im Liebenauer Stadtwald im Januar gefallen. Jetzt liegen die Bäume ordentlich aufgestapelt an den Waldwegen und warten auf die Abfuhr und Verarbeitung, erklärt Günter Koch. Der Förster vom Forstamt Wolfhagen betreut den Liebenauer Stadtwald. Der ist mit etwa 1100 Hektar der größte Kommunalwald im Kreisteil Hofgeismar. 

Wintersturm Friederike hatte auf den städtischen Flächen vor allem Fichten umgeworfen. Förster Koch hat die Stämme so weit möglich im Wald schälen lassen. Anschließend wurden sie luftig aufgestapelt, sodass der Wind zwischen den Stämmen hindurchstreichen kann. So will Koch vermeiden, dass sich Borkenkäfer noch im Wald in dem Holz einnisten. Das hätte einen Wertverlust zur Folge. In den luftig gestapelten und entrindeten Stämmen siedeln sich die Käfer nicht so schnell an, erklärt Koch. 

Auf den betroffenen Flächen sollen so schnell wie möglich neue Bäume nachwachsen. Auf kleineren Windwurfflächen soll das möglichst mittels Naturverjüngung geschehen. 

Zügig nachpflanzen 

Dort, wo Friederike größere Bestände umgeworfen hat, sollen im nächsten Jahr Laubbäume angepflanzt werden. Das müsse möglichst zügig geschehen, sagt Koch. Sonst verbreite sich dort Gebüsch so stark, dass die Neupflanzung sehr aufwendig wäre. 

Das Liebenauer Windwurf-Holz ist von der Neuordnung der Holzvermarktung übrigens noch nicht betroffen, sagt der Förster. Dafür sind die Verträge bereits abgeschlossen.

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