Freiwillige Aktion wird 2017 Pflicht

Liebenau: Jäger zählen Hasen in der Nacht

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Auf der Suche nach Meister Lampe. Nicole Rabe zählte in bestimmten Gebieten ihres Revieres die Hasen.

Niedermeiser. Die Flinte bleibt bei Jäger-Ehepaar Rabe an diesem Abend zuhause. Dafür haben sie einen Scheinwerfer, Papier und Bleistift dabei.

Denn gemeinsam wollen sie auf Feld- und Ackerflächen ihres Revieres bei Niedermeiser Hasen zählen.

Schon im Frühjahr haben Nicole und Tobias Rabe eine sogenannte Scheinwerfertaxation, also eine Zählung mit starkem Licht, gemacht. „Da haben wir 26 Tiere zählen können“, erklärt die 40-jährige Erzieherin. Dass es dieses Mal bestimmt weniger sein werden, weiß Waidmann Rabe schon vor Beginn der Aktion. Erfahrungsgemäß sehe man in ihrem Revier im Frühjahr mehr Hasen als im Herbst, dies sei allerdings an anderen Orten oft umgekehrt.

Gegen 21 Uhr brechen die beiden auf in die Natur, eben genau die gleiche Uhrzeit wie schon bei ihrer ersten Zählung. Während Tobias Rabe das Auto steuert, schaut seine Frau Nicole aus der Dachluke und spricht vorab einige Angaben auf das Diktiergerät ihres Smartphones. Wo sie sich befinden, wie der Wind weht und der Mond steht, sind nur einige Details, die sie festhält.

Und dann geht´s auch schon los: Mit dem Scheinwerfer leuchtet die Jägerin über Feld und Wiesen, von vorne nach hinten wird jeder Quadratmeter erfasst. Durch den aktuell noch niedrigen Bewuchs können die Hasen auf bis zu 200 Meter erkannt und gezählt werden. „Ihre Augen leuchten hellrot beim Anstrahlen, auch dadurch kann man sie gut erkennen.“ Trotz der Bemühungen will auch nach mehr als einer halben Stunde Fahrt einfach kein Langohr im Lichtkegel auftauchen.

„Da hinten ist ein Fuchs“, informiert Nicole Rabe ihren Mann und ergänzt wenig später: „ich sehe auch noch drei Rehe.“ Dass Meister Lampe so gar nicht in Erscheinung treten will, wundert auch das Jägerpaar, dessen Durchhaltevermögen gegen Ende der Zählung doch noch belohnt wird. Kurz hintereinander entdeckt die Liebenauerin gleich zwei Exemplare – dabei soll es allerdings auch bleiben.

Der starke Rückgang des Feldhasen ist für Rabens nichts Neues. „Wir bejagen sie schon seit zehn Jahren nicht mehr, weil einfach zu wenige davon da sind.“ Die Gründe dafür sind bekannt: Die Monokulturen in der Landwirtschaft böten den Hasen ein sehr schlechtes Nahrungsangebot. Hinzu käme, dass sie kaum Schutz durch Hecken und Büsche mehr fänden, was ihnen zu schaffen mache, da sie Feuchtigkeit und Kälte nicht gut ertragen könnten. Auch das Ausbringen von Herbiziden und Pestiziden schade den Tieren. Nicht zuletzt tragen Populationserhöhungen von Rabenkrähen und Waschbären etwa, die gewaltigen Landmaschinen und der Verkehr zur Dezimierung bei, wissen die Naturfreunde.

Um wieder mehr Langohren anzusiedeln, sollten laut Ehepaar Rabe Grundeigentümer, Naturschutzverbände und Jäger eng zusammenarbeiten und gemeinsam schauen, wie man mehr Lebensräume für Hasen schaffen kann.

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