Aktiv gegen den Leerstand

Liebenau will Kataster für Hausverkäufe aufbauen

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Vor dem ältesten Haus in Liebenaus Kernstadt: (von links) Bürgermeister Harald Munser, Peter Nissen (Leiter des Servicezentrums Regionalentwicklung beim Landkreis) sowie Vizelandrat Andreas Siebert.

Das älteste Haus in der Liebenauer Kernstadt ist ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1665. Das Gebäude am Kirchplatz teilt das Schicksal etlicher in vielen Orten: Es steht leer.

Das möchte die Stadt ändern. Liebenau will ein Leerstandskataster aufbauen. Das soll über das Internet zugänglich sein und als Immobilienportal genutzt werden, kündigte Bürgermeister Harald Munser an. Das Ziel: Über dieses Kataster sollen Häuser verkauft werden, um Leerstände zu verhindern. Munser geht davon aus, dass es in den acht Liebenauer Stadtteilen etwa 20 leer stehende Häuser gibt. 

Vizelandrat Andreas Siebert machte bei einem Besuch in der Stadt das Dilemma deutlich: Auf der einen Seite suche man im Kreis händeringend Wohnraum, zum Beispiel für junge Familien. Auf der anderen Seite ständen Häuser leer. 

Da könnte das Liebenauer Projekt Modellcharakter haben. Interessenten sollen sich dort gezielt über Angebote informieren können. Damit habe diese Form des Leerstandskatasters „auch Wert für andere Städte und Gemeinden“, ergänzte Siebert. 

Nicht alle Häuser können erhalten werden

Peter Nissen, Leiter des Servicezentrums Regionalentwicklung beim Landkreis, wies darauf hin, dass der Kreis nicht nur die Sanierung eines Fachwerkhauses fördern könne. Zuschüsse gebe es auch für einen Abriss und Neubau im Ort statt „auf der grünen Wiese“. 

Natürlich würden die Auflagen des Denkmalschutzes beachtet, gerade wenn es um Fachwerk in Ortskernen gehe. Klar sei aber auch, dass nicht jedes alte Haus erhalten werden könne. Siebert und Nissen hoben hervor, dass der Denkmalschutz mitziehe und Abrisse zulasse. 

Gefördert wird das Leerstandskataster vom Land. Knapp 19.000 Euro steuert Wiesbaden bei. Die Stadt kostet der Aufbau des digitalen Katasters insgesamt knapp 30.000 Euro, schätzt Munser. Im Liebenauer Rathaus übergab der Vizelandrat den Förderbescheid an den Bürgermeister. Zunächst sei es schwierig gewesen, diese Zusage zu bekommen, weil das Land nicht Internetseiten einer Stadt finanzieren wolle. Wegen der überörtlichen Bedeutung wurde die Förderung schließlich doch genehmigt

Liebenau will viele Gebäude wieder nutzen

Liebenau möchte erreichen, dass möglichst viele leer stehenden Gebäude wieder genutzt werden, sagte Bürgermeister Munser. Das Leerstandskataster solle ein „richtiggehendes Management von ungenutzten Immobilien“ ermöglichen. Zunächst werde eine Katasterdatenbank installiert, in die Geodaten und Karten integriert werden. Über einen Nutzerbereich können Bürger Immobilienangebote einstellen. In etwa neun Monaten soll das Leerstandskataster starten

Bürgermeister von Liebenau will Stadt aufbauen

Früher drückten junge Liebenauer die Schulbank in dem Haus, später arbeiteten dort ein Schuhmacher und ein Friseur. Jetzt ist das älteste Haus in der Liebenauer Kernstadt aus dem Jahr 1665 als Fiskalerbschaft an das Land Nordrhein-Westfalen gefallen.

Nachdem der letzte Besitzer im benachbarten Bundesland gestorben war, gab es keine gesetzlichen Erben. Und so ging das inzwischen leer stehende Haus an das Nachbarland. Für Bürgermeister Harald Munser ist dieses Haus ein typischer Fall für das Leerstandskataster, das die Stadt aufbauen will.

 „Zu wissen, welche Häuser in einem Ort leer stehen und dieses Wissen auch nachhaltig aktuell zu halten, ist eine wichtige Voraussetzung für zielgenaues Handeln der Kommunen“, sagte Vizelandrat Andreas Siebert bei der Übergabe des Förderbescheids für dieses digitale Kataster in Liebenau.

Kataster als Drehscheibe für Immobilien

Häufig scheiterten Leerstandskataster daran, dass nach der Erhebung „ein Datengrab entsteht und man nach kurzer Zeit wieder von vorn anfangen muss“, ergänzte der Erste Kreisbeigeordnete. Die Stadt Liebenau wolle dagegen ein Konzept entwickeln, das eine dauerhafte Information über Leerstand sicherstelle und Möglichkeiten zum Kauf der Immobilien biete.

Bürgermeister Munser erhofft sich noch mehr: Er sieht das angestrebte Kataster als eine Art Drehscheibe für Immobilien: Dort könnten auch Wohnungsangebote veröffentlicht werden, um unkompliziert Mieter zu finden.

Private Anbieter sollen im Nutzerbereich des Katasters ihre Angebote einstellen. Die würden dann von der Stadt geprüft und zur Veröffentlichung im Leerstandskataster auf der städtischen Internetseite freigegeben werden.

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