Das Liebenauer Wassernetz wird eine Großbaustelle

Harald Munser vor dem Rathaus: Hier hat er seit April die Aufgaben von Peter Lange übernommen. Der 52-Jährige kommt aus der Luftfahrtindustrie. Foto: Gehlen

Liebenau. HNA-Interview: Bürgermeister Harald Munser über Liebenau und seine ersten Monate im Amt

Seit April ist Harald Munser (52) neuer Rathauschef in Liebenau. Im Gegensatz zu anderen Neubürgermeistern hat er bisher gearbeitet, ohne für große Schlagzeilen zu sorgen. Wir haben mit Munser über die Stadt und seine Aufgaben in den ersten vier Monaten gesprochen.

Herr Munser, Liebenau galt lange Zeit als „Stadt der Glückseligen“, weil es wenig Probleme gab. Haben Sie als neuer Bürgermeister wirklich keine Sorgen?

Munser: Doch, an erster Stelle steht die finanzielle Lage. Daran wird der neue kommunale Finanzausgleich (eine Neuregelung der Verteilung von Geld zwischen Land und Kommunen, Anmerkung der Red.) leider auch nichts ändern. Wir haben ein strukturelles Defizit von rund 500 000 Euro und es ist keine Lösung in Sicht. Das Finanzloch wird bisher durch die Auflösung von Rücklagen gestopft. Dieses Jahr ist der Haushalt noch ausgeglichen, im nächsten Jahr schaffen wir das auch noch einmal, übernächstes Jahr wird uns das vermutlich nicht mehr gelingen.

Aber Liebenau galt immer als Vorbild für maßvolles Geldausgeben. Wie kann da plötzlich eine halbe Million fehlen?

Munser: Der Grund sind steigende Ausgaben, die uns von Bund und Land aufgebürdet werden, beispielsweise die Kinderbetreuung oder die Eigenkontrollverordnung, die uns zwingt, unser Kanalnetz auf höchstem Niveau fortlaufend zu sanieren. Das kostet Unsummen. Und da sind dann noch kleine Themen, die Geld und Ressourcen binden: So teilte uns das Regierungspräsidium im Jahr 2015 mit, dass man seit 2009 Betriebsgenehmigungen für Schredderplätze braucht. Ein Schredderplatz ist aber für Bürger im ländlichen Raum sinnvoll, weshalb wir diesen auch unbedingt erhalten wollten. Auch so etwas gibt es selbstverständlich nicht zum Nulltarif.

Sie haben im April angefangen und bisher relativ geräuschlos gearbeitet. Was waren die ersten Probleme, mit denen Sie konfrontiert wurden?

Munser: Wir haben in Liebenau ja zwei Kindergärten. Einer ist kirchlich und die Diakonie muss den Haushalt genehmigen. Dort sollte aus Kostengründen die Nachmittagsbetreuung eingeschränkt werden. Das war nicht in unserem Interesse. Wenn Mütter die Wahl haben, schicken sie ihre Kinder in den Kindergarten mit dem umfangreichsten Angebot. Eine Reduzierung des Angebots im ev. Kiga Liebenau hätte eine Verschiebung in den städt. Kiga Niedermeiser zur Folge gehabt. Und Niedermeiser ist trotz kürzlich durchgeführter Erweiterung bereits wieder an der Kapazitätsgrenze. Daher hat die Stadt dem kirchlichen Kindergarten eine weitere Finanzspritze gegeben - zusätzlich zu den 75 Prozent des Kindergartenhaushalts, die wir sowieso tragen.

Was gab es noch?

Munser: Die Wasserversorgung. Die hatten wir ursprünglich nicht auf der Prioritätenliste. Doch angesichts der aktuellen Probleme werden wir für das Netz zusätzliche, große Investitionen tätigen müssen. Von sieben Brunnen und Quellen, die die Stadt bis 1991 versorgt haben, sind zurzeit nur dreieinhalb in Betrieb. Die Gründe hierfür sind vielschichtig, zuallererst natürlich finanzieller Art. Hier gibt es jedenfalls Handlungsbedarf.

Wo kommen die Kolikeime im Wasser her? Es gibt Liebenauer, die sehen im übermäßigen Einsatz von Gülle die Ursache. Der Vorwurf: Landwirte hätten in Liebenau eine so große Lobby, dass das vermutlich nicht aufgeklärt werde.

Munser: Eine starke Lobby der Landwirte gab es vielleicht vor 20 Jahren - aber das ist Schnee von gestern. Es stimmt auch, dass die Landwirtschaft Ursache für Koli sein kann. Genauso wahrscheinlich ist es aber auch, daß ein verendetes Wildtier oder ein Dutzend weitere Gründe als Ursache für diese Verunreinigung in Frage kommen. Wir kennen die Ursache zur Zeit nicht. Diese Fäkalkeime können durch tierische und menschliche Exkremente hervorgerufen werden.

Die Ursache ist schwer auffindbar, aber wir arbeiten daran sie zu finden. Es gab vor einigen Jahren eine ähnliche Situation in einer anderen Gemeinde: Da waren es drei Nacktschnecken, die über eine Belüftung in einen Hochbehälter gelangt waren und dort die Verunreinigung hervorgerufen haben.

Wie hoch war denn die Koli-Belastung in den betroffenen Ortsteilen?

Munser: Sehr gering, die höchste Belastung lag bei zwei Keimen pro 100 Milliliter. Und wir hatten insgesamt 21 Proben genommen.

Liebenau ist eine der wenigen Kommunen ohne Unterkünfte für Flüchtlinge. Haben Sie hier Platz für Asylsuchende?

Munser: Die Stadt Liebenau und ihre Bewohner haben keine Vorbehalte gegen Flüchtlinge. Da bin ich mir sicher. Wir haben hier aber auch keinen Leerstand, der dafür geeignet wäre.

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