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Nordhessen helfen mit Spenden in der Ukraine

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Von: Gerd Henke

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Es ist kalt in Iwanowa: Da kommt für diese Dorfbewohner Kleidung aus Deutschland gerade recht.
Es ist kalt in Iwanowa: Da kommt für diese Dorfbewohner Kleidung aus Deutschland gerade recht. © Günter Rüddenklau

Während sich die dramatische Lage in die Ukraine weiter zuspitzt, leisten zwei Nordhessen praktische Hilfe dort.

Ostheim/Westuffeln/Zhytomir -Die beiden Biobauern Günter Rüddenklau (Westuffeln) und Ottmar Rudert (Ostheim) haben kürzlich wieder eine Lieferung mit Spendengütern in den Ort Iwanowa in der Nähe der Großstadt Zhytomir gebracht.

Wie bereits im vergangenen Jahr versorgten die beiden ein Altenheim mit Möbeln, Sanitärartikeln und Lebensmitteln. Im Gepäck, das heißt, auf den Ladeflächen von zwei großen Lkw, hatten Rudert und Rüddenklau auch bündelweise dort so dringend benötigte Bettwäsche – gespendet von der Evangelischen Altenhilfe in Hofgeismar. Vor einem Jahr hatte die Altenhilfe bereits ausrangierte Pflegebetten mit in die Ukraine gegeben. Auch das Hofgeismarer Möbelhaus Engelhardt war wieder mit einer Möbelspende dabei, diesmal freuten sich die Bewohner über eine große gepolsterte Sitzecke. Von der Kör-becker Arztpraxis Häberle kamen Beatmungsgeräte und ein Ultraschallgerät.

„Man kann sich hier bei uns kaum vorstellen, mit welcher Dankbarkeit die gut erhaltenen Sachen aus Deutschland entgegengenommen werden“, sagen die Initiatoren der Südosteuropahilfe. Die Versorgungslage in dem von der aktuellen Krise und dem seit 2014 herrschenden Krieg im Donbass geschundenen Land werde immer prekärer, berichten die beiden aus eigener Anschauung. Das gelte insbesondere für die ländlichen Regionen des 40 Millionen Einwohner zählenden Landes.

Als grotesk empfinden die beiden Biobauern, dass beispielsweise Mehl in dem Land, das früher als die Kornkammer Europas bezeichnet wurde, teurer ist als hierzulande. Dementsprechend sind auch die Lebensmittel für die Bewohner des Altenheims in Iwanowa knapp geworden. „Weil die Küche in dem Heim schon seit Längerem geschlossen ist, gibt es Situationen, wo die Bewohner teilweise hungern müssen“, berichten die beiden. Von den Geldspenden, die zahlreiche Firmen, Betriebe und Privatpersonen in unserer Region der Hilfsaktion zugutekommen lassen, kauften Rüddenklau und Rudert daher in Zhytomir unter anderem Nudeln und Tomatensoße ein. Zudem erwarben sie vor Ort zehn Kleiderschränke, um bessere Aufbewahrungsmöglichkeiten zu schaffen.

Das Monatsbudget für das 45 Bewohner zählende Altenheim beträgt rund 6000 Euro. Beschäftigt sind dort 20 Pflegekräfte. Die durchschnittliche Monatsrente betrage etwa 60 Euro, ein Platz in dem Heim kostet 35 Euro. Verbindungsmann der Deutschen in der Ukraine ist Nikolai, Pfarrer einer freikirchlichen Gemeinde in Kiew.

Kinder in Iwanowa freuten sich indes über Geschenke, die unter anderem von der Gymnastikgruppe des TSV Deisel zusammengestellt worden waren. Für Erwachsene standen zudem noch Beutel mit Kleidung und allerlei Nützlichem für den täglichen Gebrauch bereit.

Seit nun schon 14 Jahren bringen Rudert und Rüddenklau Hilfs- und Spendengüter nach Südosteuropa. Zuerst nach Moldawien, später nach Rumänien und seit einigen Jahren auch in die Ukraine. In der jüngsten, vergangenen Herbst gestarteten Kampagne, waren es insgesamt zwölf gecharterte Lkw, die mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter zu armen Menschen in die betreffenden Länder brachten.

Ranzen, Federmäppchen und ein Kuscheltier: Dieses Mädchen hat Grund zur Freude.
Ranzen, Federmäppchen und ein Kuscheltier: Dieses Mädchen hat Grund zur Freude. © Günter Rüddenklau

Die ersten Transporte gingen diesmal in die Hauptstadt Moldawiens. Dort erhielt unter anderem eine Schule 150 Tische und 300 Stühle. Die Großspende kam von der Losse-Schule in Kassel-Bettenhausen, die zuvor neues Mobiliar erhalten hatte. Angehende Schulkinder erhielten Schulranzen. Die Sammlung dafür hatte die Immenhäuserin Patricia Schützenberger (die HNA berichtete) koordiniert.

Auch Menschen in Armutsvierteln in Rumänien konnte wieder geholfen werden. Dort hatten Rudert und Rüddenklau bereits im Frühjahr ein Selbsthilfe-Aktion initiiert: Auf einer fünf Hektar großen Ackerfläche in Tirgu Mures (Karpaten) wurden im Frühjahr Kartoffeln angepflanzt. Die reiche Ernte im September kam dann Menschen in Roma-Siedlungen der Umgebung zugute (die HNA berichtete).

Die beiden Nordhessen stellen fest, dass in vielen Regionen Südosteuropas die Not in den vergangenen zwei Jahren größer geworden ist. „Es ist nicht zu übersehen, dass Corona hier tiefe, teilweises existenzielle Spuren hinterlassen hat“, sagen sie. Aus Telefonaten und E-Mails mit ihren Bekannten in der Ukraine wissen sie, dass in diesen Tagen die Ängste immer größer werden. Und manche und mancher schon Fluchtgedanken hegt. (Gerd Henke)

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