Biologin untersucht Biotop

Ostheimer Hute: Sorgenkind im Naturschutz

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Handlungsbedarf: Biologin Conny Becker schaut sich den Zustand der Wacholderbüsche auf der Ostheimer Hute an.

Die Ostheimer Hute wird derzeit von einer Biologin im Auftrag des Landesamts für Umweltschutz überprüft. Dabei fällt auf, dass an einigen Stellen Handlungsbedarf besteht.

Fast könnte man meinen, Conny Becker hat den besten Job der Welt. Mit Karte und Block zieht die Biologin durch die Natur Nordhessens Sie schaut in ausgesuchten Gebieten, wie sich die Pflanzenwelt entwickelt. Vor kurzem war sie auf der Ostheimer Hute unterwegs.

Für das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie besucht die Kasselerin derzeit FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete). Deren Entwicklung dokumentiert sie. Conny Becker prüft, ob die typischen Pflanzen dort noch vorkommen, wie deren Zustand ist und was noch alles an besonderem Grün wächst. 2003/04 war die Ostheimer Hute letztmals kartiert worden, so dass die Aufzeichnungen veraltet sind, erklärt die Mitarbeiterin eines Kasseler Büros für Ökologie und Umwelt.

Becker durchstreift die Wacholderheide oberhalb von Ostheim. „Hier muss gehandelt werden, denn es kommen zu viele Wacholdersprösslinge nach“, erklärt die Fachfrau. Spätestens 2020 müssten viele Jungpflanzen herausgenommen werden müssen, damit der besondere Lebensraum erhalten bleibt. Da die Büsche Nadeln haben, die pieken, meiden Schafe und Ziegen, die die Fläche beweiden, den Wacholder. Der kann sich deshalb ungehindert ausbreiten. Auch die Stengellose Kratzdistel und die Dornige Hauhechel schützen sich mit Dornen und Stacheln vorm Verbiss der Tiere. Das ist natürlich ein Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Arten, erklärt Becker.

Schritt für Schritt durchkämmt sie das Areal, meist den Kopf zum Boden geneigt. So entdeckte sie den „Kicher-Tragant“, eine gefährdete Art, die in dem Gebiet bisher nicht bekannt war. „Entweder wurde er bisher übersehen oder jemand hat ihn dorthin gepflanzt.“ Das sei nicht auszuschließen. Auch am Dingel bei Hümme wachse inzwischen die Küchenschelle im Magerasen, die dort bisher nicht vorkam.

Ostheimer Hute ist Kulturgut und Biotop zugleich

Ein schützenswerter Biotop ist die Hute nicht nur wegen ihrer speziellen Flora. Die Naturschützerin beschreibt sie als Kulturgut, das sich durch die jahrhundertelange Beweidung entstanden ist. Dazu zählen die Orchideen, die jedes Frühjahr Besucher in die Natur locken. Bezüglich Fliegen-Ragwurz und Co hat die Expertin übrigens nichts anzumerken: „Ich sehe, dass man sich kümmert. Und das ist gut so“.

Nicht nur bei Ostheim, sondern auch bei Lamerdern, Eberschütz und Hümme durchstreift Conny Becker die Landschaft. In diesen Bereichen wächst der Kreuzenzian, der im Diemelgebiet sein Hauptvorkommen hat. „Weil der seltene Kreuzenzian-Ameisenbläuling darauf angewiesen ist, kommt der Schmetterling in Hessen nur hier vor.“

Bunte Blüten fehlen

Auch wenn sie noch einige Wiesen im Liebenauer Raum entdeckte – buntes Grünland, das weitgehend natürlich gedeiht und viele Wildpflanzen hervorbringt – so hätte sie lieber noch mehr artenreiche Bestände gefunden. Die sind derzeit „Sorgenkinder“ des Naturschutzes. Wiesenkräuter sind für viele Insekten Nahrungsgrundlage. Die wiederum sind in der Nahrungskette für Vögel, Reptilien und Säugetiere wichtig. Grünland mache seinem Namen Ehre, beschreibt Conny Becker die Lage: Es sei „leider nur noch grün, bunte Blüten fehlen.“

Der Buchenwald bei Ostheim ist noch in gutem Zustand. Die Bäume müssten dort tief wurzeln und deshalb noch an Wasser kommen. Das könnte ein Grund dafür sein, meint Becker. Die von ihr besuchten Biotope im Diemeltal scheinen in einem guten Zustand zu sein. Nur Kleinigkeiten wie die Pflege einer Streuobstwiese merkte die Biologin an.

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