Fragen und Antworten

Nach Keimen in Ostheimer Trinkwasser: Die Stimmung ist angespannt

Ostheim. Das Interesse der Ostheimer an der Qualität ihres Trinkwassers war groß. Die 60 Stühle im Dorfgemeinschaftshaus reichten gerade aus, um allen Platz zu bieten.

Allzu viel Neues erfuhren sie aber nicht. Deutlich wurde nur: Die Stimmung ist angespannt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Sorgen haben die Ostheimer genau?

Vor allem zwei Dinge treiben sie um. Die jetzt zum zweiten Mal aufgetretene Verkeimung, die ein zeitweises Abkochen des Wassers nötig machte und die hohe Nitratbelastung.

Weiß man, woher die Koli-Bakterien kommen?

Keine guten Freunde: Friedhelm Illian (Bild oben) von der Gruppe „Sauberes Trinkwasser Ostheim und Liebenaus Bürgermeister Harald Munser (unten). Fotos: Rieß

Nein. Hier stochert die Stadt im Nebel. Vieles wurde bereits unternommen, um Zufälle auszuschließen. So wurden die Stellen, an denen die Proben in Privathaushalten entnommen werden, verlegt. Auch in UV-Licht wird investiert, das auf unbedenkliche Art die Bakterien zerstört. Im Hochwasserbehälter, so Bürgermeister Harald Munser, sei das Wasser in Ordnung. Die Bakterien wurden jeweils beim Endverbraucher gefunden. Wie sie ins Wasser kämen, wisse niemand.

Woher kommt der hohe Nitratwert?

Auch hier herrscht Rätselraten. Seit Jahren schwankt der Wert um die 40 Milligramm je Liter. Zugelassen ist nach der Trinkwasserverordnung ein Höchstwert von 50. „Unser Wasser ist gut“, sagt der Bürgermeister, auch wenn ihm ein niedrigerer Wert, wie in den anderen Liebenauer Ortsteilen, lieber wäre.

Was sagen die Skeptiker zu diesem Wert?

Keine guten Freunde: Friedhelm Illian (Bild oben) von der Gruppe „Sauberes Trinkwasser Ostheim und Liebenaus Bürgermeister Harald Munser (unten). Fotos: Rieß

Auch sie wissen natürlich nicht, was die Ursache ist. Der Fingerzeit auf die Landwirtschaft und den Gülleaustrag ist jedoch nicht ganz schlüssig, weil es zum einen in Ostheim kaum Betriebe mit Gülle gibt und weil der Nitratwert schon seit Jahren konstant ist. Eine mögliche neue Ursache kam bei der Versammlung ins Spiel: Der Lärchenwald nahe der Wassergewinnung.

Was haben Lärchen mit Nitrat zu tun?

Vor 50 Jahren wurde im Bereich der Wassergewinnung ein Lärchenwald gepflanzt. Lärchen-Nadeln, die später quasi einen Teppich am Waldboden bilden, enthalten Stickstoff, einen der Grundstoffe von Nitrat. Die Mutmaßung manch Ostheimers: Möglicherweise sind die Lärchen der Grund für die hohe Nitratbelastung.

Ist der gemessene Nitratwert gefährlich?

Darüber gibt es Streit. Die Stadt verweist auf den Höchstwert, der nicht überschritten wird. Munser: „Unser Wasser ist gut.“ Einige Ost-heimer verweisen hingegen auf Internetseiten, wonach die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen soll, für Säuglinge eine Nitratgrenze von 25 Milligramm einzuhalten. Die Stadt sollte doch eine entsprechende Warnung für Eltern veröffentlichen, so die Forderung.

Wird die Stadt diesem Wunsch folgen?

Mitnichten. „Wir lassen uns unser Wasser nicht schlecht reden“, sagt Bürgermeister Munser. Die Stadt halte sich an die Trinkwasserverordnung. Die sei streng und deren Richtwerte würden eingehalten. Auch das Kreisgesundheitsamt sagt: Das Wasser ist für Säuglinge geeignet, selbst wenn Mineralwasser, das den Zusatz „für Säuglinge geeignet“ trägt, nur zehn Milligramm aufweisen dürfen.

Gibt es weitere Streitpunkte?

Und ob. Die Argumentationslinie ist dabei immer die gleiche. Die Gruppe „Sauberes Trinkwasser Ostheim“ um Friedhelm Illian, fordert von der Stadt, die Trinkwasserschutzzonen genau zu prüfen und lieber zu viel als zu wenig zu machen. Die Stadt verweist auf die eingehaltenen Werte der Trinkwasserverordnung und Aufsichtspflicht der Unteren Wasserbehörde. Hier widerspricht der Kreis: Der Wasserversorger sei für Betrieb und Pflege der Schutzzonen verantwortlich. Der Kreis prüfe nur, ob die Stadt ihrer Pflicht nachkomme.

Wie ist die Stimmung zwischen der Gruppe und der Stadt?

Drücken wir es vorsichtig aus: Ziemlich beste Freunde werden Illian und Munser wohl nicht werden. Der Gruppe stößt zum Beispiel sauer auf, dass sie für ihre Info-Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus vor zwei Wochen Gebühren bezahlen musste. Die Stadt verweist darauf, dass viele Veranstaltungen sinnvoll seien, aber eben auch gebührenpflichtig.

Rubriklistenbild: © dpa

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