Leidenschaft für das Dorf

Richard Betz: Der Zimmermann,  der auch Theater spielt

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Der theaterspielende Zimmermann im Betrieb: Hier arbeitet Richard Betz an einer Tür. Dahinter steht sein Wohnmobil für die Theater-Tourneen. Der Wanderbursche im Raps ist Betz selbst. Die Szene weist auf sein Theaterstück „Hans im Glück“ hin. 

Ersen. Richard Betz aus Ersen ist überzeugter Handwerker. Seine andere große Leidenschaft: Theaterspielen. Bundesweit ist Betz für Premieren unterwegs. 

Die Arbeit mit Holz ist eine große Leidenschaft des überzeugten Handwerkers. Er hat Architektur studiert, aber das Bauen mit Holz erfüllt ihn viel mehr. Für ihn ist es auch heute noch ein einzigartiges Erlebnis, „etwas mit eigenen Händen zu erschaffen“.

Eigenes erschafft der 61-Jährige auch auf der Bühne: Seit 2013 spielt er Theater – seine andere große Leidenschaft. Bundesweit ist Betz unterwegs. 2013 hatte sein erstes Stück „Hans im Glück oder der Traum vom Fliegen“ Premiere: eine Liebeserklärung ans Handwerk und ans Träumen, eine Einladung ins Reich der Poesie.

Später kam „Mit Herz und Hand“ dazu. Darin erzählt er seine eigene Geschichte. Damit will er Werbung machen für das Handwerk – und für den Beruf des Zimmermanns speziell. Betz spielt in Schulen und zur Berufsorientierung für junge Leute. Aber auch Erwachsene regt er damit zum Nachdenken an. Seit 2016 sind beide Stücke Bestandteil der Imagekampagne des Deutschen Handwerks. Am 14. April zeigt er in der Liebenauer Kulturscheune sein neues Stück „Total global“.

Betz kam 2000 nach Nordhessen

Im Jahr 2000 war Richard Betz aus der Nähe von Würzburg nach Nordhessen gekommen. Auf der Suche nach einem Anwesen in der Nähe von Kassel fand er das ehemalige Pfarrhaus in Ersen, das zu verfallen drohte.

Er kaufte das Haus am Brunnenplatz und richtete dort seine Zimmerei ein. Weil die Geschäfte am Anfang ruhig liefen, hatte er Zeit, das Haus zu einem Schmuckstück herzurichten.

Dabei unterstützten ihn seine beiden Auszubildenden, die aus Franken mitgekommen waren. Sie wollten ihre Ausbildung in Betz´ Betrieb abschließen. Wichtig war ihm auch damals die Anbindung an ein Dorf. Ein Betrieb in einem Gewerbegebiet – ohne Kontakt zu den Bewohnern – kam für ihn nicht in Frage.

Der Kontakt zu den Menschen im Dorf ist Betz wichtig: „Wenn ich etwas brauche, gibt es jemanden, der mir hilft.“ Und er schätzt das Miteinander. Deswegen sagt Betz auch: „Das Dorf darf sich mehr wertschätzen!“

Doch dieses Dorfleben, das der Zimmermann so schätzt, ist bedroht. Das weiß Betz ganz genau. Und hat diese Bedrohung zum Thema seines neuen Stücks „Total global“ gemacht.

Richard Betz neues Stück „Total global“

Seine Liebe und Wertschätzung zum Dorf spiegelt sich auch in Richard Betz neuem Theaterstück „Total global – ein Stück für leere Scheunen und verwaiste Ställe“ wider. Darin geht es um Dörfer und Bauern, um Globalisierung, Lebensmittel, Tiefstpreise und Endverbraucher. „Ein umfassendes Stück“, sagt Betz. Er habe viele wichtige und aktuelle Themen zusammengepackt in die Spielzeit von 75 Minuten. Wie in den anderen Stücken auch, steht Betz in „Total global“ allein auf der Bühne. Der Zimmermann spielt Peter Moser. Der kehrt nach 40 Jahren als reicher Mann zur Beerdigung seines Bruders in sein Heimatdorf zurück. Und kann nicht mehr weg von dort. Was ist mit seinem Dorf passiert? Warum müssen Bauern aufgeben? Was steckt dahinter? Er macht sich auf die Suche nach den Gründen. 

Moser begibt sich tief hinein in die Welt der Bauern, der Märkte und der international tätigen Lebensmittelkonzerne. Außerdem muss er entscheiden, was mit seinem Erbe, dem Bauernhof, passieren soll. Der reiche Mann verzettelt sich heillos zwischen Erinnerungen aus seiner Kindheit im Dorf mit Feuerwehr, Kartoffelernte, Blasmusik. Bei seiner Suche stößt Moser auf Beweismittel aus einer globalisierten Welt, die niemand mehr begreift. Alles hängt irgendwie zusammen. 

Liebeserklärung an Dorf und seine Menschen

Für Richard Betz ist das Stück eine Liebeserklärung an das Dorf und seine Menschen, „ohne Sentimentalität und Heile-Welt-Getue“. Die Zuschauer werden für die Länge eines Theaterstückes Teil einer Dorfgemeinschaft, heißt es in der Ankündigung. 

Der Zimmermann und Schauspieler aus Ersen arbeitet für seine Stücke mit dem Darmstädter Theater Transit zusammen. Am Samstag, 14. April, hat Richard Betz mit „Total global“ in der Liebenauer Kulturscheune Heimpremiere. Nach der Aufführung steht Betz noch für Gespräche zur Verfügung. 

Service: An diesen Terminen wird „Total global“ in der Region gespielt: 13. April, Kulturhaus Dock 4 in Kassel (Beginn 20 Uhr); Karten gibt es bei Richard Betz unter Tel. 05676/920 501; 

14. April, Kulturscheune Liebenau (19.30 Uhr), Karten (zwölf Euro ermäßigt zehn Euro) im Schuhhaus Sprecher in Liebenau; 

26. Mai, Mehrgenerationenhaus Bahnhof Hümme (20 Uhr), Karten unter www.tickets.hofgeismar.de

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