Demonstranten zeigten Flagge vor der Kulturscheune

So entspannt begegnen sich AfD-Zuhörer und Demonstranten in Liebenau

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Demonstranten vor der Kulturscheune: Bis zu dreißig Menschen aus der Region zeigten gegen die AfD-Flagge. Das Foto zeigt nicht alle Teilnehmer. 

Liebenau. „Na, bist Du hier, um ein Brötchen zu essen und ein Bierchen zu trinken?“ So entspannt begegnen sich AfD-Zuhörer und Demonstranten wohl nur in Liebenau. In der 3000-Einwohner-Stadt kennt man sich.

Das galt am Dienstagabend auch für die beiden Hauptakteure: Der Auszubildende Eike Burkart aus Liebenau hatte die Demonstration angemeldet, zu der knapp 30 überwiegend junge Leute kamen. „Den Florian“ – gemeint war AfD-Kreischef Kohlweg – kenne er von früher aus dem Anglerverein. „Er hat es zum Fraktionsvorsitzenden gebracht. Dass muss man anerkennen. Nur leider ist er in der falschen Partei.“

Deutlich war die Botschaft der Demonstranten an die AfD. Die könne nichts für Liebenau tun, dürfe das Land niemals regieren, setze Falschmeldungen in die Welt und habe Rechtsextreme wie Björn Höcke an der Spitze. Kurzum: Die Populisten hätten in Liebenau nichts verloren.

Den Kürzeren zogen die Demonstranten im zahlenmäßigen Vergleich: Am Ende saßen mehr Leute in der Kulturscheune, als davor im Regen standen. Allerdings waren nicht alle Zuhörer im Saal potenzielle AfD-Wähler. Auch die Neugier trieb manchen in die Kulturscheune. Zitat eines Besuchers zur AfD: „Ich gehe zu jedem – selbst zu Euch!“

Mehr als die Demonstranten vor der Tür ärgerte AfD-Chef Kohlweg die gemeinsame Stellungnahme der Liebenauer Parteien, der Vereinsgemeinschaft und des Bürgermeisters Harald Munser (FWG) gegen die AfD: „Ich missbillige es, dass der Bürgermeister seine Pflicht zur Neutralität verletzt hat“, sagte Kohlweg.

AfD und Publikum: Veranstalter war die Kreis-AfD, deren Chef Florian Kohlweg (stehend) ist. Foto: Gehlen

Wer rechtspopulistische Krawallthemen erwartet hatte, wurde zunächst enttäuscht: Die AfD und ihre Zuhörer diskutierten über eine Stunde über die Energiewende. Heraus kam ein wilder Mix der verschiedensten Weltanschauungen, einig war man sich eigentlich nur in einem: So wie es jetzt in Deutschland laufe, sei es falsch.

Das war auch der rote Faden des Abends: Mal ging es um die Angst, dass die eigene Tochter „sich in Deutschland irgendwann der Scharia unterwerfen muss“, um No-Go-Areas, Kriminalität von Ausländern. AfD-Chef Kohlweg war stets bemüht, die Themen lokal zu halten, meist ging es dann doch ums große Ganze.

Reichsbürger-Themen

Sehr verstörend wurde es, als ein Zuhörer aufstand und wissen wollte, wie die AfD zu Ostpreußen und der Souveränität Deutschlands stehe. Das sind typische Schlagworte von Reichsbürgern, die glauben, das diese Gebiete noch zu Deutschland gehörten. Kohlwegs Antwort: Die AfD stehe zu Deutschland in seinen aktuellen Grenzen und dem Grundgesetz.

Dass die AfD in Liebenau Fuß fassen möchte, bekräftigte auch der örtliche AfD-Ansprechpartner, der 65-jährige frühere Polizeibeamte Erich Schwarz. „Mir schwebt ein Ortsverband vor.“ Mit der AfD in Liebenau werde es mehr Bürgerversammlungen geben, versprach am Ende Florian Kohlweg.

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