„Hunde werden nicht böse geboren, sie werden böse geliebt."

Spezialpension „Apollo“  verwahrt auffällige Listenhunde

Zweite Chance: Uwe Bräuer kümmert sich um beschlagnahmte Hunde. Foto: Waldmann

Der Arbeitsplatz von Uwe Bräuer ist nicht jedermanns Sache. Hinter meterhohen Zäunen und einer Doppeltor-Schleuse leben bei ihm jene Hunde, mit denen niemand etwas anfangen kann.

Manche von ihnen haben schon Menschen oder andere Hunde gebissen und wurden von Ordnungsämtern der Kommunen sichergestellt. In der Hundeschule- und -pension „Apollo“ im Liebenauer Ortsteil Niedermeiser bekommen „Rambo“ und „Tyson“ einen neuen Namen und eine zweite Chance.

Die meisten der derzeit neun Hunde, die Bräuer im Auftrag von Stadt und Landkreis Kassel verwahrt, haben sich nichts zuschulden kommen lassen. „Leider schaffen sich einige Menschen Hunde an, ohne sich um die Auflagen, die mit der Haltung verbunden sind, zu kümmern“, erzählt Bräuer. Es seien die sogenannten Listenhunde, deren Halter strenge Vorgaben haben. Seit 2007 hat Bräuer Verträge mit Kommunen wie dem Landkreis und der Stadt Kassel und übernimmt im Auftrag die Versorgung der Tiere.

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Dafür hat er seine 11.000 Quadratmeter große Anlage speziell umgebaut und neben der Hundepension Platz für bis zu 20 als gefährlich geltende Hunde geschaffen. „Das ist hier so sicher wie Fort Knox“, erzählt der gebürtige Westfale und lacht. Für die sichergestellten Hunde hat er Zwinger gebaut, die zwei getrennte Räume haben, die mit einer Schiebetür verbunden sind. So ist gewährleistet, dass niemand beim Füttern und Saubermachen in Kontakt mit dem Hund kommen muss. Die Freilaufflächen für die Hunde müssen ausbruchsicher sein. Das bedeutet, die Zäune sind mehrere Meter hoch und durch einen Übersprungschutz gesichert. Rasengittersteine sorgen dafür, dass sich kein Vierbeiner unter dem Zaun hindurchgraben kann. „Das alles kann ein Tierheim selten leisten“, sagt Bräuer. Dafür bekommt er von den Kommunen 10,50 Euro (netto) pro Hund und Tag. Für Kommunen kommt da schnell eine erkleckliche Summe zusammen.

30.000 Euro Kosten

So zahlte die südniedersächsische Gemeinde Staufenberg bis vor zwei Jahren über 30.000 Euro für zwei konfiszierte Staffordshire-Terrier, Ahnatal zahlt derzeit 20 Euro (netto) täglich für zwei Hunde. Diensthunde der Polizei Kassel und Homberg / Efze gehören ebenfalls zu den Pensionsgästen, wenn Herrchen oder Frauchen in Urlaub sind.

Dass die Zwinger derzeit mit lediglich sechs Hunden aus der Stadt Kassel und drei Hunden aus dem Landkreis besetzt sind, rechnet Uwe Bräuer seiner Arbeit zu: Viele von ihnen werden wieder vermittelt. „Hunde werden nicht böse geboren, sie werden böse geliebt. Wir geben den Hunden die Orientierung wieder, die sie vielleicht noch nie hatten oder durch den falschen Umgang ihrer Halter verloren haben“, sagt Uwe Bräuer. Manchmal landen aber auch einfach Listenhunde bei ihm, deren Halter eine oder mehrere Auflagen nicht erfüllt haben.

Wesenstest ablegen

Wenn jemand einen sichergestellten Hund aus der Pension bei sich aufnehmen möchte, muss er immer einen Wesenstest mit ihm vor einem Sachverständigen ablegen. In den vergangenen Jahren haben Uwe Bräuer und seine Lebensgefährtin Daniela Ernst (46), die ihn bei der Arbeit unterstützt, die Erfahrung gemacht, dass „die Halter aus allen Gesellschaftsschichten stammen“. Manche seien sehr bemüht, ihren Hund wiederzubekommen. Viele andere jedoch nicht.

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Von Britta Waldmann

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