Gerald Klamer will naturnahe Bewirtschaftung

Wandernder Förster macht Station im Stadtwald Liebenau

Der wandernde Förster Gerald Klamer steht mit Förster Günter Koch bei Niedermeiser im Liebenauer Stadtwald.
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Im Liebenauer Stadtwald.: Gerald Klamer (links) lässt sich von Förster Günter Koch, der den Stadtwald betreut, informieren. Der Marburger ist dagegen, dass die rotmarkierten Bäume wie geplant gefällt werden.

Er hat fast 6000 Kilometer Wanderstrecke hinter sich. Gerald Klamer ist in Deutschland unterwegs, um auf die Gefährdung des Waldes aufmerksam zu machen.

Liebenau – Nachdem der Reinhardswald durchquert war, machte er Station im Stadtwald von Liebenau. „Waldbegeisterung“ steht als Thema über seiner Tour und unter diesem Titel berichtet der 54-Jährige täglich in seinem Internet-Blog von seinen Eindrücken und Erlebnissen.

Ende Februar war Klamer in seiner Heimatstadt Marburg gestartet und ist nun auf dem Weg nach Hause. Am Montag will er dort ankommen. Auf den letzten Etappen begleitet ihn Partnerin Anke Müller. Der Förster hatte zuvor seinen Posten bei Hessen Forst für das Projekt Waldbegeisterung aufgegeben.

Zwei Paar Wanderschuhe hat er verschlissen. Probleme mit Blasen gab es nicht, weil Klamer als begeisterter Langstreckenwanderer solche Touren gewohnt ist, erzählt er. Nur einmal machten die Knie nicht so richtig mit, als er im Elbsandsteingebirge unterwegs war, erzählt er am Meßhagen bei Niedermeiser. Aber das habe sich schnell gegeben. Dort oberhalb von Niedermeiser hat der Warburger Förster im Ruhestand Willi Bott ein Treffen Klamers mit dem Kollegen Günter Koch arrangiert. Der bewirtschaftet den Liebenauer Stadtwald.

Stets den Wald im Blick

Auf seiner Tour durch Deutschland hatte er stets den Wald im Blick. Er hat sich unterwegs mit Menschen verabredet, die Wälder naturnah bewirtschaften. Darunter sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft naturgemäßer Waldbau (ANW). Deren Ziel ist ein Wald, in dem unterschiedlich alte Bäume verschiedener Arten wachsen und in dem Holz geerntet werden kann. Auch mit Mitarbeitern von Nationalparks und Großschutzgebieten sowie Wissenschaftlern hat er sich ausgetauscht.

Unterwegs vertritt Klamer seine Auffassung von naturgemäßer Waldbewirtschaftung. Das wird deutlich im Gespräch mit Förster Koch. Der hat in dem Revier am Meßhagen etliche kranke Bäume markiert, die demnächst gefällt werden sollen. Dadurch sollen andere Bäume besser wachsen und Raum für Verjüngung geschaffen werden. Das sieht Klamer ganz anders. Er würde den angeschlagenen Buchen eine Chance geben, sich zu erholen. Seine These: Jetzt in der Klimakrise sollte der Wald stabilisiert und nicht durch Eingriffe geschwächt werden.

Die Krux dabei: Auch Koch sagt, dass er den Stadtwald nach den Kriterien der ANW bewirtschaftet. Nach dem Gespräch mit Klamer will er jedoch an seinem Plan festhalten, auf einer kleinen Fläche aber Klamers Ansatz aufgreifen, auf Eingriffe zu verzichten, und beobachten, wie sich die Bäume entwickeln.

Der wandernde Förster hat während seiner Tour meist im Wald geschlafen. Nur auf einer der letzten Etappen hat er in Wolfhagen gemeinsam mit seiner Partnerin in einem Hotel übernachtet – froh darüber, so berichtet Klamer in seinem Blog, die nasse Kleidung trocknen zu können. (Bernd Schünemann)

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