Universität Göttingen erforscht Streifgebiet

Den Luchsen im Reinhardswald auf der Spur

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„Wie gemalt“ zeigen sich diese beiden jungen Luchse im südlichen Reinhardswald. Das Bild gelang mit einer Wildkamera Ende Dezember, die Markus Port von der Uni Göttingen in dem Waldgebiet installiert hat. Das Projekt wird vom Hessischen Landesamt für Natur, Umwelt und Gesundheit sowie der Kurt & Maria-Dohle-Stiftung unterstützt. 

„Sogar vier junge Luchse sind durch den Reinhardswald gestreift“: Das sagte Petra Walter, Luchsbeauftragte im Kreis Kassel, auf HNA-Anfrage.

Kurz vor Weihnachten hatte das hessische Umweltministerium überraschend drei Jungtiere in Hessens größtem Waldgebiet bestätigt.

Nach Petra Walters Angaben wurden die vier Jungtiere in den vergangenen Monaten mehrfach beobachtet. Die ersten Sichtungen stammten aus dem nördlichen Reinhardswald. Zuletzt wurden Jungtiere im Forstrevier Wilhelmshausen beobachtet – deutlich weiter im Süden in Richtung Fulda. Petra Walter, die Försterin im Revier Holzhausen ist, geht davon aus, dass die Jungluchse ihr Streifgebiet vergrößern. Zu dieser Jahreszeit löse sich die Familienbande auf. Die Mutter interessiere sich jetzt für einen Partner. In dieser Zeit seien die Geschwister noch gemeinsam unterwegs.

Hoffen auf gute Fotos

Mit der Uni Göttingen will man den Tieren auf die Spur kommen. Dazu hat die Arbeitsgruppe Naturschutzbiologie mit Dr. Markus Port Wildkameras in dem Waldgebiet installiert. Die ersten Bilder liegen vor. Eines zeigt zwei Jungtiere „wie gemalt“, wie beim Auswerten der Fotos gesagt wurde, berichtete Walter. Als die Kameras aufgebaut wurden, waren Jungluchse zu sehen, sagte Port.

Die Naturschützer hoffen, dass gute Fotos gelingen. Luchse haben auf den Innenseiten ihrer Beine individuelle Fellmuster, ähnlich wie Fingerabdrücke, erklärt Port. Damit können sie unterschieden werden. Gelingen gute Fotos und damit die Identifizierung, könne man die Wanderwege nachvollziehen. Fest steht, dass die Mutter aus dem Solling zugewandert ist. Kollegen vom Luchsprojekt des Nationalparks Harz haben sie auf Fotos identifiziert, sagte Port. Wie sie die Weser überquert hat, ist unklar, weil Luchse nicht gern schwimmen. Möglicherweise hat das Tier nachts eine Brücke benutzt. „Wir können nur ausschließen, dass sie die Fähre genommen hat“, ergänzte Port lachend.

Ausbreitung der Art könnte dazu beitragen

Unklar ist auch, wo der Vater lebt. Am ehesten könnte der ebenfalls aus dem Solling stammen, sagt der Göttinger Wissenschaftler. Zwischen Kaufunger Wald und Söhre waren bis 2018 die beiden Luchs-Männchen Felux und Yuki ansässig, die aber abgewandert sind. Danach wurden Pou und Ludo dort gesichtet. Das mit einem Sender ausgestattete Männchen Pou starb an Lungenentzündung (HNA berichtete). Ludo kommt nicht als Vater in Frage, weil der zur Paarungszeit im März im Raum Sontra beobachtet wurde, sagt Port. Deshalb liege es nahe, dass sich ein Männchen aus dem Solling mit der Reinhardswald-Luchsin paarte.

Das Hessische Landesamt für Natur, Umwelt und Gesundheit (HLNUG) und die Kurt & Maria-Dohle-Stiftung unterstützen das Forschungsprojekt der Naturschutzbiologen und den Aufbau der Wildkameras.

Laut Uni Göttingen ist die Population in Nordhessen die erste in Deutschland, die ohne direkte Mithilfe des Menschen entstanden ist. Diese Tiere haben wegen der geografischen Lage eine große Bedeutung: Sie können bei der Vernetzung bislang isolierter Luchs-Bestände helfen und so zum Erhalt und zur Ausbreitung der Tiere beitragen. luchs-in-hessen.de

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