Porträt

Malte Fehling (Freie Wähler) setzt im Wahlkampf auf langen Atem

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Malte Fehling mit seiner Australian Shepeard-Hündin Tilda.

Kreis Kassel. Am 28. Oktober wählt Hessen einen Landtag. Im Wahlkreis Kassel-Land I bewerben sich sieben Kandidaten. Wir stellen die Bewerber vor. Dieses Mal: Malte Fehling (Freie Wähler).

Langen Atem braucht Malte Fehling gleich mehrfach. Der Immenhäuser ist Marathon-Läufer und braucht Durchhaltevermögen für die 42 Kilometer. Durchhaltevermögen ist auch in der Politik notwendig. Das hat der Immenhäuser schon mehrfach erfahren: „Man braucht einen langen Atem, um Mehrheiten für eine Umsetzung zu finden.“

Jetzt strebt er ein neues politisches Ziel an: Für die Freien Wähler will Malte Fehling in den Hessischen Landtag einziehen. Das ist der zweite Anlauf. Schon 2013 trat er als Landtagskandidat an. Auf der Landesliste steht der Immenhäuser auf dem wenig aussichtsreichen Platz 31.

Vor der Wahl Ende Oktober steht für Fehling erst einmal der Kassel-Marathon an, für den er regelmäßig trainiert. Früher hatte er jahrelang Fußball gespielt. Dann bremste ihn ein Knorpelschaden aus. Damit der ausheilte, verzichtete er auf Sport. 2014 kaufte sich Fehling „aus einer Laune heraus“ Laufschuhe. Der erste Versuch war nicht so erfolgreich: „Danach brauchte ich ein Sauerstoffzelt“, erzählt er lachend beim Pressegespräch. Seit 2015 startet er regelmäßig bei Wettkämpfen. Gern auch in fremden Regionen, weil er „andere Leute und andere Strecken sehen“ will.

Dann wurden die Distanzen länger. 2017 lief er den ersten Halbmarathon an der Ostsee. Dann kam der Marathon. Er wollte „aufrecht über die Ziellinie kommen“. Das hat er nach 4:21 Stunden geschafft. Seine Erfahrung: Marathon ist Willenssache. Man müsse schon viereinhalb Stunden laufen wollen, wenn man das auch mit dem Fahrrad schaffen könnte, sagt Fehling.

Langen Atem braucht der Kandidat auch bei seinem Wahlkampf. Einen „großen Apparat“ wie bei den etablierten Parteien haben die Kandidaten der Freien Wähler nicht im Hintergrund. Der Landesverband unterstützt mit Mottoplakaten, Flyern und Vordrucken für Kopfplakate.

Seine potenziellen Wähler will der Immenhäuser vor allem über seine Internet-Seite (www.malte-fehling.de) ansprechen. Informationen will er direkt zu den Leuten bringen: „Ich möchte lieber die Briefkästen mit Informationen aufwerten als an Ständen auf die Wähler warten.“ Wahlkampfveranstaltungen hat er noch nicht konkret geplant.

Der Mann mit Mütze: Beim Laufen ist Malte Fehling immer mit Kopfbedeckung unterwegs. Im Sommer dient sie als Sonnen-, im Winter als Kälteschutz. Für das Bild läuft der Kandidat am Immenhäuser Kampteich.

Politik sieht er pragmatisch. Bei den Freien Wählern sei man es gewohnt, Vordenker zu sein. Dann übernähmen jedoch andere die Ideen und profitierten davon. Ein Beispiel dafür ist für Fehling die beitragsfreie Kinderbetreuung. Die hätten die Freien Wähler angestoßen. Die SPD habe das Thema in die Öffentlichkeit getragen, das in Hessen von CDU und Grünen umgesetzt wurde. Wichtig ist für den Immenhäuser das Ergebnis politischer Diskussionen: „Solange das Ergebnis gut ist, ist mir egal, von welcher Partei das kommt.“ Und wenn er am 28. Oktober nicht in den Landtag gewählt wird? „Dann stehe ich auf und mache weiter“. 

Seine politischen Ziele

Bei den Freien Wählern ist Malte Fehling seit Januar Vorsitzender der Landesarbeitsgruppe Umwelt und Energie. Und so ist eine „ganzheitliche Energiewende“ ein Ziel für ihn, sollte er in den Landtag gewählt werden. Windkraft sollte nicht einfach weiter ausgebaut werden – vor allem nicht im Wald. Er lehnt eine weitere „Zupflasterung“ der Landschaft mit Fotovoltaik ab. Notwendig seien stattdessen Speichermöglichkeiten, die erforscht und entwickelt werden müssten, sowie intelligente Netze. 

Auch beim Energiesparen sieht Fehling weiteres Potenzial. Eine wichtige Rolle spielt für ihn natürlich auch die Stärkung des ländlichen Raums. Er fordert eine Optimierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), der offen für Neues sein sollte. Ländliche Gebiete müssten für junge Menschen attraktiv sein. So könnte Geld aus der Dorfentwicklung für die Unterstützung der Nahversorgung verwendet werden. 

Ganz wichtig ist für ihn der schnelle Ausbau der Breitband-Netze. Aus eigener Erfahrung würde Fehling versuchen, Auflagen des Denkmalschutzes zu lockern. Das könnte in den Dörfern den Kauf leer stehender, denkmalgeschützter Häuser erleichtern. Und so aus seiner Sicht ebenfalls dazu beitragen, den ländlichen Raum zu stärken. Schließlich will er sich im Fall seiner Wahl für die endgültige Abschaffung der Straßenausbaubeiträge in Hessen einsetzen. Das Land solle Geld zur Verfügung stellen, mit dem Kommunen ihren innerörtlichen Straßenbau finanzieren können.

Malte Fehling (40) stammt aus dem Grebensteiner Stadtteil Udenhausen. Nach dem Fach-abitur an der Herwig-Blankertz-Schule in Hofgeismar absolvierte er eine Lehre zum Industriekaufmann. Dann studierte Fehling in Kassel Wirtschaftspädagogik. Seit acht Jahren arbeitet er bei einem Bildungsträger in Kassel. Dort unterrichtet Fehling Arbeitslose und Umschüler, die sich weiterbilden wollen. Er wohnt in Immenhausen. Malte Fehling ist geschieden und Vater von drei Töchtern. An zwei Tagen in der Woche sind die Kinder bei ihm. Dann richtet er seine (Politik-) Termine so ein, dass sie nicht mit seinen väterlichen Pflichten und Vorhaben kollidieren. Ihren Urlaub verbringen Vater und Töchter gern an der Ostsee.

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