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Massiver Mangel von Fachärzten im Landkreis Kassel

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Von: Daria Neu

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Symbolbild: Ein Stethoskop, ohne Arzt, liegt auf dem Tresen einer Praxis
Der Mangel an Fachärzten ist im Landkreis zu spüren. © Stephan Jansen/dpa

Durch den Mangel an Fachärzten geht der Trend zu Gemeinschaftspraxen – die Kassenärztliche Vereinigung sieht dabei keine Not.

Kreis Kassel – Der Mangel an Fachärzten ist auch im Landkreis Kassel zu spüren. Gerade die Suche nach Nachfolgern im ländlichen Raum gestaltet sich äußerst schwierig.

Unter den niedergelassenen Fachärzten ist laut Kreissprecher Harald Kühlborn bereits seit mehreren Jahren feststellbar, dass Alleinpraxen kaum oder keine Nachfolger finden. „Junge Ärzte wollen in der Regel zum Berufsstart nicht sofort in die Selbstständigkeit gehen“, sagt er. Außerdem spiele die Work-Life-Balance eine immer größere Rolle und 60- Stunden-Wochen seien nicht mehr gewollt.

„Deshalb kommt es darauf an, entweder Gemeinschaftspraxen beziehungsweise Berufsausübungsgemeinschaften anzubieten oder über ein oder mehrere Medizinische Versorgungszentren Ärzte anzustellen“, betont Kühlborn. Beides habe für junge Ärzte den Vorteil, dass sie sich ganz auf die Patienten konzentrieren können und dass die Verwaltung von anderen übernommen werde.

Vor allem im Bereich der Kliniken seien Assistenzärzte gesucht

Im Bereich der Kliniken seien insbesondere Assistenzärzte gesucht. „Sie können sich bundesweit die Stellen aussuchen.“ Je nach Fachrichtung dauert die Facharztausbildung vier oder fünf Jahre. Die angehenden Fachärzte suchen sich laut Kühlborn in der Regel Krankenhäuser aus, in denen sie die gesamte Facharztausbildung absolvieren können. „Kleinere Krankenhäuser haben den Nachteil, dass die dort tätigen Chefärzte häufig nur über eine zweijährige Weiterbildungserlaubnis der Landesärztekammer verfügen.“ Diese Einschränkung stelle für die kleineren Krankenhäuser eine besondere Herausforderung für die Gewinnung von Assistenzärzten dar.

Aus Sicht der kleinen Krankenhäuser sei es daher sinnvoll, Weiterbildungen im Verbund mit einem größeren Krankenhaus in der Nähe anzubieten. Das könne zwar trotzdem dazu führen, dass der Assistenzarzt nach Abschluss seiner Facharztausbildung an der großen Klinik bleibe, aber Kühlborn betont: „Zumindest die Personalgewinnung wäre damit für die kleinen Krankenhäuser einfacher.“

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Hessen skizziert ein anderes Bild der Lage: In allen Arztgruppen – bis auf die der Kinder- und Nervenärzte – sei ein Versorgungsgrad von rund 110 Prozent festzustellen, wodurch im Landkreis Kassel zum Großteil auf allgemeiner fachärztlicher Ebene eine Überversorgung gegeben sei, berichtet Sprecher Alexander Kowalski auf Anfrage.

Insgesamt 185 Fachärzte im Landkreis

Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) gibt es im Landkreis insgesamt 185 allgemeine Fachärzte. Dazu zählen 13 Augenärzte, 22 Chirurgen und Orthopäden, neun Dermatologen, 24 Frauenärzte, zehn Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, 17 Kinderärzte, zwölf Neurologen, 72 Psychotherapeuten und sieben Urologen. Mit einem Versorgungsgrad von knapp 110 Prozent stehe bei den Kinderärzten beispielsweise lediglich eine freie halbe Stelle für einen Arzt zur Verfügung.  Daria Neu

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