Bad Karlshafen diskutierte erneut die Öffnungspläne

Mehr Lob als Kritik am Hafenprojekt

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Bad Karlshafen. Erfreulich informativ und sachlich ging es bei der Bürgerversammlung zu den Themen städtebaulicher Denkmalschutz und Hafenöffnung im Bad Karlshafener Kursaal zu.

Das lag vor allem daran, dass die Verantwortlichen endlich Details zu Machbarkeit und Finanzierung vorstellten. So gab Markus Stern, Geschäftsführer der Bad Karlshafen GmbH, zunächst einen Überblick über die derzeit mindestens sieben Förderprogramme, die öffentliche und private Investitionen vor Ort unterstützen können und stellte das Zahlenwerk zur Hafenöffnung vor.

Klar wurde auch das weitere Vorgehen: Ende des Monats müsste die Stadtverordnetenversammlung aufgrund der Fristen den Förderantrag an das Bundesverkehrsministerium beschließen. Im kommenden Jahr würden dann Planung und Ausschreibung erfolgen, 2017/18 würde gebaut.

Die Bürger im gut besuchten Saal zeigten sich für das Projekt in der Mehrheit positiv aufgeschlossen. Viele kritische Nachfragen konnten beantwortet werden, es wurde aber auch deutlich, dass noch lange nicht alle Unwägbarkeiten geklärt sind. „Was ist wenn die Kosten plötzlich explodieren?“, fragte Kirsten Hoppe und sprach damit vielen aus der Seele. „Die endgültige Finanzierung muss nach der Planung und Ausschreibung sichergestellt werden“, erklärte Heribert Vortmann von der Hessen Agentur. Die Machbarkeitsstudie und die derzeitigen Zahlen seien ein früher Stand. Heißt im Klartext: sollten in der Planung nicht finanzierbare Mehrkosten auftauchen, müsste das Projekt im nächsten Jahr gestoppt werden.

Gut besucht: die Bürgerversammlung zu den Themen städtebaulicher Denkmalschutz und Hafenöffnung.

Auf wichtige Fragen des Untergrundes und der Stabilität der Mauern wies Jürgen Bunk hin und kritisierte die favorisierte Schleusenlösung. „Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Öffnung, aber diese Form ist eine Vergewaltigung des Stadtbildes.“ Arne Arnemann bezweifelte, dass viele Boote kommen. Die Saison sei kurz, der Verkehr auf der Weser gering. Dem widersprach Bärbel Hauk, die derzeit den Bootsführerschein macht: es gebe einen „Run auf das Wasser“, die Nachfrage nach Anlegeplätzen sei groß. Florian Kohlweg mahnte Transparenz und Bürgerbeteiligung an. „Die Bürger sind auf dem Weg nicht mitgenommen worden“, begründete er das von ihm angestoßene Bürgerbegehren.

Viele weitere Wortmeldungen lobten die Initiative als nötigen Impuls für die Stadt. „Die Wechselwirkung öffentlicher und privater Investitionen bringt nachhaltigen Erfolg“, betonte Heribert Vortmann. Die Verknüpfung von Förderprogrammen und die Initiative von Geschäfts- und Privatleuten sei wichtig.

Vorläufige Kosten

Die Baukosten belaufen sich auf sechs Millionen Euro, die größten Brocken sind Schleusentore (890.000), der Durchlass (850.000) und ein Rückhaltebecken hinter dem Landgraf-Carl-Haus, das Schleusungen bei niedrigen Wasserständen ermöglichen soll (470.000). Dazu kommen Baunebenkosten von knapp einer Million. Zuschüsse gibt es vom Bund (5,5 Millionen), und vom Städtebaulichen Denkmalschutz (gut 300.000). Das Ausbaggern und die Absenkung unter der Brücke trägt die Verwaltung staatlicher Schlösser und Gärten (500.000). Bleibt ein Eigenanteil von rund 700.000 Euro bei der Stadt, der durch weitere aktuell zugesagte Zuschüsse von Bund und Land noch gesenkt werden könnte, wie Bürgermeister Ullrich Otto am Donnerstag erklärte. Betrieb und Unterhaltung der Schleuse kosten 7500 Euro jährlich im Fall einer handbetriebenen Selbstbedienungsschleuse, mit Elektroantrieb und Personal 26 000.

Von Markus Löschner

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