Auf dem Weg zum Clown: Ausbildung an der Evangelischen Akademie in Hofgeismar

Mehr als nur Spaßmacher

Von fröhlich bis ängstlich: Ein guter Clown muss seine Körpersprache perfekt beherrschen. In sekundenschnellen Wechseln sollten die Kursteilnehmer bei dieser Übunbg bestimmte Emotionen zum Ausdruck bringen. Fotos: Temme

Hofgeismar. Eines hatten die ewig jung gebliebene Alma Wagenseil, der schüchterne Gemüseverkäufer Rudophi und die exaltierte Rikkarda Rimini gemein: Die rote Gumminase, die sie allesamt als Clowns auszeichnete. In Figuren wie diese schlüpften die Teilnehmer der Langzeitfortbildung „Clownerie in Kirche und Gemeinde“, als sie jetzt erste Ergebnisse ihrer Arbeit in der Evangelischen Akademie in Hofgeismar vorstellten.

Überwiegend Pfarrer gehören zu der 16-köpfigen Gruppe, die die Kunst des Clown-Seins erlernen wollen und dieses im Gottesdienst, auf Gemeindefesten oder auch ohne rote Nase im ganz normalen Leben anwenden wollen.

„Unsere Figuren sind nicht das Klischee eines Zirkusclowns, sondern wir wollen als Charakterclowns arbeiten“, erläuterte Dr. Gisela Matthiae, die die Fortbildung leitet. Zu ihren Clowncharakteren kamen die Teilnehmer bei einem Aufenthalt in Italien, wo jeder eine Stunde lang eine Person beobachten sollte. „Wir sollten genau schauen, wie der oder die Auserwählte geht, ihre Gesten und Mimik sind“, erinnert sich Birgit Schlegel, die so zu ihrer Alma Wagenseil kam. „Irgendwie hat dann jeder von uns schnell einen Namen für die Figur gefunden, und auch ihre Eigenschaften und Lebensgeschichte waren sofort da“, so Schlegel weiter.

Es gibt tausend Regeln

Peinlichkeiten, Missgeschicke, Schwächen und Scheitern sind die großen Themen der Clownerie. „Clowns führen vor, was die Gesellschaft gern versteckt“, sagte Dr. Matthiae, „in unserer Welt herrschen tausend Regeln und Konventionen, die für einen Clown nicht existieren - er geht damit völlig frei um und gestaltet so die Welt ein Stück weit neu“.

Dass ein guter Clown nur wenige Mittel braucht, seine Geschichte zu vermitteln, zeigten auch die Fortbildner: Überwiegend mit Körpersprache transportierten sie ihre Inhalte, die ab und an durch Grommolo, der lautmalerischen Clownssprache, ergänzt wurde. In einer improvisierten Sequenz führten etwa der zurückhaltende Rudolphi und die kecke Rikkarda Rimini vor, was so manch einer bei einem Annäherungsversuch erlebt: Während er vor Scham fast im Boden versank, näherte sie sich angriffslustig ihrem Auserwählten. Bis die Gruppe ihr clowneskes Spiel so weit entwickelt hatte, waren einige Übungen nötig. Wahrnehmung, Stimme, Kontakt, Haltung, Ausdruck und einiges mehr wurde seit vergangenem Oktober einstudiert.

Auch die Persönlichkeitsentwicklung der Clown-Lehrlinge wurde von der Ausbildung positiv beeinflusst: „Fast jeder von uns hat die Erfahrung gemacht, dass er im Alltag viel freier ist“, sagte Pfarrer Carsten Köthel. Wie er die Clownerei im Berufsleben anwenden wolle, wisse er noch nicht - viele seiner Mitstreiter hätten es einfach erst mal nur für sich gemacht, um eben all die clownesken Situationen im Alltag zu durchbrechen. Auch Dr. Matthiae weiß um diesen Nebeneffekt der Ausbildung: „Sobald wir in eine Verkleidung schlüpfen, kommen Identitäten von uns zum Vorschein, die wir zuvor nicht gewagt haben auszudrücken.“

Noch bis Oktober geht die Fortbildung, dann sollen die Teilnehmer ihr „Gesellenstück“ wie Dr. Matthiae es nennt, präsentieren - ein kurzes Stück mit roter Nase in einer kleinen Gruppe in der Öffentlichkeit. (zta)

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