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Langenthalerin startet wegen Augen-Erkrankung eine Brillen-Spendenaktion

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Von: Natascha Terjung

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Eine Kiste ist noch da: Dem Spendenaufruf von Anja Henze (links) und Martina Kloppmann folgten viele Leute. Über 2000 Brillen kamen zusammen, die nun auf dem Weg zum Blindenwerk sind.
Eine Kiste ist noch da: Dem Spendenaufruf von Anja Henze (links) und Martina Kloppmann folgten viele Leute. Über 2000 Brillen kamen zusammen, die nun auf dem Weg zum Blindenwerk sind. © Natascha Terjung

Bewegt durch ihre Augenkrankheit startete Anja Henze eine Brillen-Spendenaktion. Bisher wurden mehr als 2000 Brillen gesammelt.

Trendelburg – Es gibt Momente, die reißen einem den Boden unter den Füßen weg. So einen erlebte auch Anja Henze aus Langenthal, als sie vor etwa eineinhalb Jahren die Diagnose Morbus Basedow erhielt. Das ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Schilddrüsenüberfunktion führt. Dabei bildet der Körper Antikörper und die Schilddrüse produziert zu viele Hormone.

Die Erkrankung

Bei Anja Henze kam noch eine Begleiterscheinung der Erkrankung hinzu: Endokrine Orbitopathie, eine Entzündung der Augenhöhle, bei der sich die Augäpfel aus der Höhle wölben und das Sehen stark eingeschränkt ist – Alltägliches wie Autofahren war nicht mehr möglich. „Das hat mich erst mal voll aus dem Leben gerissen“, sagt Henze, die wegen der Krankheit ihren Job als Erzieherin auf Eis legen musste. „Als Erzieherin habe ich gerne viele Menschen um mich herum. Das aufzugeben, war sehr schwer für mich“, sagt die Langenthalerin.

Bis Anja Henze aber überhaupt wusste, woher die Veränderungen ihrer Augen kam, hatte sie viele Arztbesuche hinter sich und auch nach der Diagnose setzte sich das fort. „Mein Mann ist mit mir mehr als 3000 Kilometer zu Ärzten und Kliniken gefahren.“ Hilfe fand sie in der Uniklinik in Göttingen, wo sie sich schließlich einer OP an der Augenmuskulatur unterziehen musste. „Ich musste meinen Kopf dauernd schief halten, sonst hätte ich alles doppelt gesehen“, erzählt Henze. Diese Zwangshaltung sei irgendwann so schlimm geworden, dass auch die Ärzte eine Lösung nur noch in einer OP sahen.

Die Untersuchungen und auch die OP fanden unter Corona-Regeln statt, weshalb Anja Henze diese Situationen meist alleine durchstehen musste. „Ich habe in dieser Zeit gelernt, die Krankheit zu akzeptieren. Dabei hat mir auch mein Glaube an Gott geholfen.“ Natürlich habe es auch Phasen gegeben, wo sie die Zuversicht beinah verloren hätte.

Die Spendenaktion

Ein Gedanke kam ihr in dieser schweren Zeit immer wieder in den Sinn: „Ich habe oft gedacht, wenn das alles vorbei ist, dann will ich irgendwas tun, etwas zurückgeben.“ So kam es, dass Anja Henze und ihre Freundin Martina Kloppmann vom Evangelischen Kirchspiel Trendelburg eine Spenden-Aktion ins Leben riefen. Bereits im Frühjahr starteten sie einen Aufruf im Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinden Deisel, Langenthal und Trendelburg, dass Menschen ihre alten und gebrauchten Brillen spenden können. Diese werden im Zuge der Aktion „Brillen weltweit“ des Deutschen Katholischen Blindenwerks e.V. an sehbehinderte Menschen aus armen Ländern weitergegeben.

Mehr als 2000 Brillen haben die beiden Frauen so gesammelt, die zum größten Teil schon auf dem Weg zu den Organisatoren der Aktion „Brillen weltweit“ sind. „Mit so einer Menge haben wir nicht gerechnet“, sagt Henze. Beim Transport half Optiker Markus Hahn, Inhaber von Hahn Optik in Lohfelden, der in seinem Geschäft auch für die Spendenaktion des Katholischen Blindenwerks sammelt.

Mit der Spendenaktion will Anja Henze anderen sehbehinderten Menschen helfen und vor allem eines: Kranken Menschen Mut machen. „Es gibt auch Hoffnung und vor allem die Medizin, die vieles möglich macht.“

Der Gottesdienst

Auch wenn nicht bei jeder Erkrankung alles gut ausginge, so betont Henze, dass es immer wieder Momente und Menschen gab, die ihr durch die schwere Zeit geholfen haben. Das will sie auch in einem Dank-Gottesdienst am Freitag, 23. Oktober, ab 18 Uhr in der evangelischen Kirche in Langenthal unter dem Motto „Aus dem Glauben heraus handeln“ vermitteln. Pfarrerin Jennifer Schwarz und die Kirchen-Band aus Helmarshausen begleiten den Abendgottesdienst.

Mittlerweile kann Anja Henze wieder im Kindergarten arbeiten. Trotzdem steht bei ihr bald eine weitere OP an. „Wegen einer anderen Entzündung meines Auges brauche ich eine Hornhaut-Transplantation.“ Doch auch das will die Langenthalerin mit Zuversicht angehen. (Natascha Terjung)

Für sehbehinderte Menschen in anderen Ländern: Beim Transport der zahlreichen in der Region um Trendelburg gespendeten Brillen half ein Optiker aus Lohfelden.
Für sehbehinderte Menschen in anderen Ländern: Beim Transport der zahlreichen in der Region um Trendelburg gespendeten Brillen half ein Optiker aus Lohfelden. © Martina Kloppmann/nh

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