Die ersten Wohnschachteln am Flughafen Calden werden nun abgebaut – Rund hundert stehen noch

Nur Muttis fehlen im Container

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Vor ihrem Zuhause: René Beil, Olaf Buschbeck und Uwe Hilbich (von links) haben es nicht weit von der Baustelle bis zu ihrem Übernachtungscontainer. Die Drei finden die Container-Lösung besser, als in einer Pension zu übernachten.

Calden. Containerleben ist nichts für Divas. Und das sind die Arbeiter vom Flughafen Kassel-Calden wohl auch nicht. Sie mögen ihre kleinen Behausungen von denen nun die ersten 30 abgebaut wurden.

Rund hundert der farbenfrohen Riesenschachteln stehen noch immer im oberen Bereich des Flughafens. „Ich denke, bis Ende des Jahres werden wir hier bleiben“, sagt Gesamtprojektleiter Fred Haschler von Bickhardt Bau. Da ein Großteil der Arbeiten nun abgeschlossen sei, bräuchten sie nun weniger Kräfte und somit auch weniger Übernachtungsmöglichkeiten.

Keine großen Ansprüche

Fred Haschler

Das Nötigste, was ein Mensch an Komfort braucht, bieten die 14 Quadratmeter großen Container allemal: Neben Bett, Tisch und Schrank, gibt es einen kleinen Herd und Kühlschrank sowie eine Dusche und Toilette in jeder Behausung. Die meisten haben einen Container für sich, nur als es sehr voll war, mussten sich oft zwei einen teilen. „Sowieso hat man hier abends keine großen Ansprüche mehr - kurz mit der Familie telefonieren, was Essen und meist schlafe ich dann schon ein“, erklärt Straßenbauer René Beil. Die Container-Lösung findet der 32-Jährige optimal: „Wir sind erstens sofort an unserem Arbeitsplatz und auch abends schnell in unserem kleinen Heim - außerdem können wir am Wochenende unsere Sachen hier lassen.“ Fernseher, Kaffeemaschine, ein paar Flaschen Bier, etwas Wurst und eine Tasche mit Arbeitssachen und Körperpflege - mehr haben die meisten sowieso nicht dabei.

Wer mag, kann mittags und abends in der Container-Küche ein warmes Essen für wenig Geld erwerben. Und für Geselligkeit gibt es einen Aufenthaltsraum. Eigentlich sei alles optimal eingerichtet - nur die Muttis fehlten eben, bemerkte Tankwagenfahrer Olaf Buschbeck. Besonders wichtig seien für sie deshalb Handys, mit denen sie Kontakt nach Hause halten könnten.

Bis abends um 19 Uhr schuften die Männer auf der Baustelle. Nur mittags gibt es eine Stunde Pause. Obwohl dann alle zusammen kommen, ist es erstaunlich ruhig im Camp. „Wir haben den ganzen Tag nur Lärm und Dreck, da wollen wir in unsere Pause wenigstens etwas Ruhe haben“, erklärte ein Thüringer Baggerfahrer, der anonym bleiben wollte.

Schlichte Männerwirtschaft

Schnell hat er sich ein paar Bockwürstchen warm gemacht, dazu ein Brötchen vom Vortag und anschließend gibt es reichlich Kaffee und Zigaretten. Schlichte Männerwirtschaft eben. Auch am Abend wird es nochmal ein ähnliches dürftiges Mahl geben. Erst am Wochenende daheim werde richtig gekocht - so lange heiße es, „auf die Zähne beißen und durchhalten“. (zta)

Von Tanja Temme

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