So sieht es jetzt dort aus

Nach dem Waldbrand im Reinhardswald: Desaster zwischen frischem Grün

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15 Festmeter mussten geschlagen werden: Försterin Kristin Gampfer zeigt an einer Fichte den Schaden. Da das Feuer die sogenannten Leitgefäße zwischen Rinde und Holz zerstört hat, kann ein solcher Baum nicht überleben.

Holzhausen. Verbranntes Gras, angekokelte Bäume und Büsche sowie ein mit Asche überzogener Boden sind Überbleibsel des Brandes vom Montagabend im Reinhardswald.

Verkohlte Stellen wechseln mit frischem Grün im Bereich der Reviere Holzhausen und Wilhelmshausen, wo nun wieder Ruhe eingekehrt ist.

„Das Besondere an einem Bodenfeuer ist, dass es unterirdisch voranschreitet“, sagt Försterin Kristin Gampfer. In der Humusschicht unterhalb der Vegetation gibt es laut der Waldexpertin optimale Bedingungen für ein Lauffeuer. Da diese Schicht quasi aus totem Material bestehe, überwiegend Kohlenstoff enthalte, brenne sie leicht – auf gewöhnlicher Erde ein Feuer zu entfachen, sei nicht möglich.

Viele kleinere, aber auch größere verbrannte Stellen, umgeben von völlig intakter Vegetation, kann man nun deutlich in dem betroffenen Areal erkennen. Teilweise scheint sich das Feuer mehrere Meter im Boden fortbewegt zu haben. „Weil sich gerade unter den Wurzelstöcken die Glut gut hält, war es für uns wichtig, dass das Gebiet gut gewässert wurde“, erklärt die 30-Jährige. Außerdem hätten sie deshalb als Schutzmaßnahme eine Schneise in L-Form entlang des verbrannten Waldstückes angelegt.

Schutz vor Borkenkäfern

Vom Feuer zerstörte Bäume, aber auch Fichten, die nur geringen Schaden genommen haben, wurden allesamt gefällt. „Das Problem ist, dass eine nicht mehr ganz gesunde Fichte von Borkenkäfern befallen werden kann.“ In diesem Fall wollte das Forstamt auf Nummer sicher gehen.

Da die Käfer für Birken jedoch keine Gefahr darstellen, wurden nur extrem in Mitleidenschaft gezogene Birken geschlagen. „Ich schätze, dass 20 bis 30 Bäume gefällt wurden – rund 15 Festmeter Holz liegen nun hier nahe der Brandstätte.“

Warum auch ein lediglich angekokelter Baum nicht mehr überlebensfähig ist, erläuterte die Försterin am Querschnitt eines schwarzen Stammes: „Sobald der Bereich zwischen Rinde und Holz angegriffen ist, hat der Baum keine Chance mehr und wird absterben.“ Dieses Schicksal wird auch noch die vielen jungen Birken ereilen, deren Blattgrün nun an das Braun des Herbstes erinnert.

Archivvideo vom Brand:

„Ich weiß nicht, ob hier Anpflanzungen vorgesehen sind, doch wenn wir den Bereich der Natur überlassen, wird es spätestens in zwei Jahren hier wieder begrünt sein,“ sagt Gampfer, die im Revier Urlaubsvertretung macht.

Ins Auge sticht auch noch eine Stelle, wo noch immer stark zerstörte Nadelbäume stehen und ein Markierungsband hängt. Womöglich habe dort das Feuer begonnen, obwohl die Polizei das nicht sicher feststellen konnte. Vor dem Brand habe dort ein Hochsitz gestanden. Viereckige Steinplatten sind noch ein Hinweis darauf. Zur Schadenshöhe konnte die Försterin keine Angaben machen. Er halte sich aber in Grenzen.

So sieht es nach dem Waldbrand im Reinhardswald aus

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