Abwässer aus der Kaliproduktion sollen eingedampft werden – Diskussion gut besucht

Nein zur Nordseepipeline

Frage vom Podium: Wer im Saal hat einen persönlichen Bezug zu Werra und Weser? Fast alle im gut besetzten Helmarshäuser Bürgerhaus meldeten sich. Fotos: Löschner

Helmarshausen. „Die Abwässer müssen alle verdampft werden - alles andere ist dummes Geschwätz!“ Mit diesen klaren Worten lieferte Professor Gerd Rohmann (Gieselwerder) aus dem Publikum der Podiumsdiskussion am vergangenen Donnerstag zusammengefasst den Tenor der Veranstaltung.

Auf Einladung der Werra-Weser-Anrainerkonferenz (WWA) und der Gemeinden an der Oberweser befassten sich Politiker aus der Region mit der Entsorgung von Industrieabwässern aus der Kaliproduktion über Werra und Weser und die Alternativen. Der Vorsitzende der WWA, Walter Hölzel, erläuterte die Pipeline-Lösungen zur Oberweser und zur Nordsee sowie die sogenannte abstoßfreie Produktion mit ihren Vor- und Nachteilen. Bei der abstoßfreien Produktion werden die Abwässer eingedampft und aus den Rückständen Wertstoffe gewonnen. Gutachten halten diese Vorgehensweise für zumutbar und sogar wirtschaftlich rentabel. Dem Einwand der Firma K+S, die Verfahren seien zu CO2-intensiv, hielt Hölzel neue Berechnungen entgegen, die nun in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht werden.

Auf dem Podium machte Nicole Maisch, Bundestagsabgeordnete der Grünen, eine „große Koalition der Umweltschützer“ aus. Alle anwesenden Politiker hatten einen persönlichen Bezug zu Werra, Weser oder Fulda und vertreten die Region im Bundestag und den Landtagen von Wiesbaden oder Hannover. Vertreter des Unternehmens K+S fehlten allerdings ebenso wie Mitglieder der regierenden Fraktionen in Hessen und Niedersachsen.

Nordseepipeline abgelehnt

„Die Pipeline zur Nordsee ist eine Traumreise“, erklärte Marjana Schott, Abgeordnete der Linken im hessischen Landtag. Der runde Tisch, der sie propagiere, sei kein Gremium für Lösungen, sondern vertrete die Interessen von K+S. Auch für Lutz Knopek, der für die FDP im Umweltausschuss des Bundestages sitzt, ist die Nordseepipeline weder planungstechnisch noch umweltpolitisch eine Lösung. „Was K+S hier macht, ist nicht in Ordnung“, sagte Knopek und verwies auf die Chemieindustrie, die vor Jahrzehnten ein ähnliches Verhalten gezeigt und sich dann doch den Notwendigkeiten gestellt und vernünftige Lösungen eingeführt habe.

Auch in Niedersachsen möchte man die Pipeline mehrheitlich nicht, erklärte der CDU-Abgeordnete im Hannoverschen Landtag, Otto Deppmeyer. „Pipelines sind Zeit- und Geldverschwendung, man darf sie nicht weiter verfolgen“ sagte Deppmeyer und plädierte ebenso für die abstoßfreie Produktion.

Nur Nicole Maisch und SPD-Landtagsabgeordnete Brigitte Hofmeyer wollten sich nicht von der Idee der Nordseepipeline verabschieden – und wenn auch nur als Druckmittel gegenüber K+S, da sich das Unternehmen nicht bewege und die Genehmigungsbehörden in Kassel und Wiesbaden sich wegdrehten, wie Hofmeyer erklärte. Sie warnte davor, die Gefahr eines Rohrs zur Oberweser zu unterschätzen.

„Die Nordseepipeline ist eine politische Falle“, konstatierte der Oberweserer Bürgermeister Rüdiger Henne mit Blick auf die Vorstufe zur Oberweser. Seine Gemeinde müsse im Gegensatz zu K+S ihre Abwässer klären und mit Streusalz kontaminierte Bordsteine fachgerecht entsorgen.

Von Markus Löschner

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