September 2006 wurde bundesweites Treffen rechtzeitig verhindert

Neonazis: Keine aktive Szene

Gerald Wandler

Hofgeismar. Eine rechte Szene scheint es in Hofgeismar nicht zu geben. Polizeichef Gerald Wandler sind zumindest keine Übergriffe aus der jüngeren Vergangenheit bekannt. Vielleicht habe mal jemand ein Hakenkreuz an eine Hauswand geschmiert.

Mitte der 1990er Jahre sah das noch anders aus. Damals habe es aus der rechten Ecke Übergriffe auf Ausländer gegeben, sagt Sabine Leutiger-Vogel. Sie ist die Vorsitzende des runden Tisches, der 1994 als Reaktion auf die Anfeindungen und das massive Auftreten rechtsradikaler Polemik eingerichtet worden war und auch heute noch aktiv ist.

Schüler als Hitler

In den Neunzigern kam es auch zu jenem Vorfall in Hofgeismar, bei dem der Schüler Philipp Tschentscher am Geburtstag Adolf Hitlers mit exakt gescheiteltem Haar und schmalem Oberlippenbart im Unterricht erschien und Parolen rief. Inzwischen ist der Neonazi Tschentscher nach Thüringen in die Nähe von Erfurt gezogen, wo er in der vom Verfassungsschutz beobachteten Kameradschaft Freiheitskämpfer Erfurt zumindest bis zum Jahr 2006 aktiv war.

Keine Aktivitäten

Den Mitgliedern des runden Tisches Hofgeismar sind aktuell und aus der jüngeren Vergangenheit keine Aktivitäten gegen ausländische Mitbürger zu Ohren zu kommen. Das berichtet auch Pfarrer Andreas Herrmann, der sich im Arbeitskreis Dialog auch mit interreligiösen Fragen auseinander setzt.

„Aus Gesprächen mit türkischen Mitbürgern sind uns keine Probleme mit rechten Gruppen bekannt“, sagt der Geistliche aus Hofgeismar. Das allerdings bedeute nicht, dass es keine Neonazis gebe.

Auch in der Stadt Hofgeismar gibt es keine Hinweise auf eine rechte Szene. Nur ein Vorfall aus dem Jahr 2006 ist aktenkundig. Damals hatte ein junger Mann die Westberg-Baude angemietet, um dort eine Party anlässlich seines 25. Geburtstages zu feiern. Glücklicherweise wurde ruchbar, dass es sich bei der Party um ein bundesweites Treffen von Neonazis handelte. Fünf Bands, die rechtsextremes Liedgut spielen, sollten auftreten. Eine Hundertschaft aus Kassel verhinderte damals das Festival.

Nazis zogen ab

Unter Polizeischutz fuhr Bürgermeister Heinrich Sattler auf den Westberg und erklärte den Mietvertrag für nichtig. Die Nazis, die unter anderem aus Thüringen und Sachsen angereist waren, mussten wieder abziehen.

Von Gerd Henke und Antje Thon

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