Drei Modelle für finanzielle Bürgerbeteiligung

Unternehmen beantwortet Fragen zum geplanten Windpark bei Oedelsheim

Bei Oedelsheim sollen sechs Windkraftanlagen im Wald entstehen (unser Bild zeigt Anlagen bei Grebenstein). Die Planer beantworten Fragen dazu im Netz.
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Bei Oedelsheim sollen sechs Windkraftanlagen im Wald entstehen (unser Bild zeigt Anlagen bei Grebenstein). Die Planer beantworten Fragen dazu im Netz.

In der Online-Präsentation des geplanten Windparks bei Oedelsheim am 22. April hat das norwegische Staatsunternehmen Statkraft etliche Fragen der Zuhörer und Zuschauer beantwortet.

Oedelsheim - Aber viele blieben an diesem Abend aus Zeitgründen offen. Nun hat das Unternehmen auf seiner Internetseite alle 83 Fragen beantwortet. Hier einige Beispiele:

Gibt es bei Windkraftanlagen eine „Stoppfunktion“ für Fledermäuse und Vögel?

Um Fledermäuse vor Kollisionen mit Windenergieanlagen (WEA) zu schützen, werden Anlagen in der Regel in den ersten zwei Betriebsjahren über pauschale Zeitfenster abgeschaltet und diese Zeiten nach Beobachtungen vor Ort an die tatsächlich vorkommenden Arten und Aktivitäten angepasst. Eine anerkannte und in der Praxis erprobte Stoppfunktion für Vögel wie bei Wasserkraftanlagen existiert noch nicht. Es gibt aber erste Radar- und Optiksysteme zum Erkennen von Vögeln. Ob ihre Anwendung möglich, erforderlich und sinnvoll ist, müsse standortbezogen und in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde ermittelt werden.

Erwartet Statkraft Auswirkungen auf Artenvielfalt und Nahrungsketten?

Um Auswirkungen auf die Artenvielfalt auszuschließen oder geeignete Ausgleichsmaßnahmen festlegen zu können, hat Statkraft bereits im Februar 2021 erste artenschutzrechtliche Untersuchungen gestartet. Weitere folgen 2022 (darunter Landschaftspflegerischer Begleitplan (LBP), Umweltverträglichkeitsstudie (UVS)). Mögliche Auswirkungen werden dann im Genehmigungsverfahren vom RP Kassel bewertet. Hierbei werde auch die Obere Naturschutzbehörde das Vorhaben intensiv prüfen, damit Auswirkungen so gering wie möglich ausfallen.

Werden nach 20 Jahren Fundamente zu 100 Prozent beseitigt oder nur etwas abgetragen und mit Erde abgedeckt?

Flachfundamente, in der Regel bis zu drei bis vier Meter tief, müssen vollständig zurückgebaut werden. Bodenverbessernde Maßnahmen oder Tiefgründungen sind in der Regel nicht zurückzubauen. Vor Baubeginn muss eine Rückbaubürgschaft hinterlegt werden, die pro Meter Nabenhöhe 1000 Euro beträgt, bei einer modernen Anlage vom Typ Nordex N163 mit 164 Meter Nabenhöhe wären das 164.000 Euro.

Sind hydrogeologische Gutachten erstellt?

Ein hydrogeologisches Gutachten ist fest geplant, derzeit aber noch zu früh, da die Anlagenstandorte noch nicht exakt feststehen. Geplant ist es für Anfang 2022 und soll im Genehmigungsverfahren öffentlich ausgelegt werden. Nach aktuellem Kenntnisstand ist eine Beeinträchtigung des Grundwassers beziehungsweise der Wasserversorgung nach erster überschlägiger Prüfung der Oberen Wasserbehörde beim RP Kassel vom Januar 2021 nicht zu erwarten. Der geplante Windpark Oedelsheim mit bis zu sechs Windkraftanlagen befindet sich außerhalb eines amtlich festgesetzten Trinkwasser- oder Heilquellenschutzgebietes. Für eine detailliertere Beurteilung soll später auch die Untere Wasserbehörde des Landkreises Kassel eingebunden werden.

Wo gibt es Waldentwicklung oder Aufforstung?

Statkraft will so regional wie möglich sinnvolle Maßnahmen zur Aufforstung und Wald- und Naturraumentwicklung umsetzen, zunächst in der Gemeinde Wesertal sowie im Forstamt Reinhardshagen. Welche Maßnahmen und wo, dazu möchte das Unternehmen auch Vorschläge der Anwohner einbinden (konkrete Ideen per E-Mail an: windpark-oedelsheim@statkraft.de). Erste Ideen wurden mit Hessenforst erörtert, der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Welche Bürgerbeteiligung ist geplant?

Statkraft wird drei Modelle der finanziellen Bürgerbeteiligung anbieten: 1. Direkterwerb und Eigenbetrieb einer Windenergieanlage durch Bürger beziehungsweise eine oder mehrere Bürgerenergiegenossenschaften. 2. Das Angebot eines Nachrangdarlehens als Sparmöglichkeit („Crowd Funding“). 3. Die Direktzahlung in Höhe von 0,2 Cent/kWh jährlich an die Kommunen im 2500-Meter-Umkreis um den geplanten Windpark. Statkraft begrüßt die Neugründung einer vor Ort ansässigen Bürgerenergiegenossenschaft sowie das Engagement existierender, erfahrener Bürgergenossenschaften der Region. Zuerst sollen sich die Bürger der Gemeinde Wesertal am Projekt beteiligen können.

Welchen Einfluss auf den Tourismus werden die Anlagen haben?

Statkraft will darüber mit den Bürgern ins Gespräch kommen und bietet Treffen an. Es sei dem Unternehmen bekannt, dass das Weserbergland eine beliebte touristische Region ist. Auch andere Regionen, in denen Anlagen errichtet wurden, lebten und leben weiterhin von Tourismus (zum Beispiel Eifel, Ostfriesland). In vielen Regionen seien trotz eines teils sehr deutlichen Ausbaus von Windenergieanlagen die Touristen nicht ausgeblieben. (Thomas Thiele)

Alle Fragen und Antworten finden Sie auf: statkraft.de/projektentwicklung/windpark-oedelsheim/fragen-antworten/

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