Obermeiser widerspricht Hochwasserschutzplanung

Trügerisches Idyll: Trotz hoher Ufermauern drängt die Warme bei massiven Unwettern schlimmstenfalls in die Ortslage von Obermeiser. Fotos: Binienda-Beer

Obermeiser. Schmutziges Wasser in Wohnzimmern, Kellern, Garagen und Ställen. Ertrinkende Schweine. In Obermeiser lösen Erinnerungen an das Hochwasser zu Pfingsten1984 Gänsehaut aus.

Schon 1966 hatte sich der sonst seichte Bach in einen Fluss verwandelt. Zuletzt trat die Warme in dem Caldener Ortsteil 2002 massiv über ihre in Mauern gefassten Ufer. „Statistisch gesehen könnte uns um das Jahr 2020 das nächste Hochwasser treffen“, sagt Ortsvorsteher Helmut Schopf. Womöglich aber auch früher. Schopf: „Da muss endlich was passieren!“

Seit Jahren ruhen die Hoffnungen auf einer Verbesserung des Hochwasserschutzes durch den Hessischen Wasserverband Diemel, in dem auch die Gemeinde Calden Mitglied ist und sich das jährlich rund 20.000 Euro kosten lässt.

Nun liegen Pläne eines vom Verband beauftragten Ingenieurbüros auf dem Tisch. Eine Beruhigung für die Bewohner Obermeisers stellen sie nicht dar. Das Vorhaben, bei heftigen Niederschlägen das zusätzliche Wasser der Warme in eine Art Flutmulde zwischen dem Dorfrand an der Rische und dem Damm der Bundesstraße 7 zu leiten, stößt auf Unverständnis. „Nicht praktikabel, viel zu dicht an der Bebauung“, sagen Skeptiker wie Ortsbeiratsmitglied Sabine Neumeyer und Warme-Anwohner Wolfgang Friedrich. Ortsvorsteher Schopf ist überzeugt: „Wasser direkt vorm Dorf bedeutet Wasser im Dorf.“ Eine ähnliche Planung aus 2006, als es dazu eine Bürgerversammlung gab, stieß schon seinerzeit auf energischen Protest.

Der Ortsbeirat und große Teile der Bevölkerung wollen drohende Fluten bereits deutlich vor der Ortslage ausbremsen. Ihre Forderung: bauliche Maßnahmen jenseits der Bundesstraße, also Richtung Zierenberg. Favorisiert werden auf den weitläufigen landwirtschaftlichen Flächen, wo das Wasser versickern könnte, ein Damm und der Bau eines Wehres. Das könnte bei Hochwasser, von der Obermeiserer Feuerwehr gesteuert, den Zufluss in den Ort regulieren. Kritisch: Das hessische Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil sieht das Risiko, dass der B-7-Damm durch Warmewasser beschädigt werden könnte. Hier muss geprüft werden, ob die Einbringung von Folien geeignet wäre.

Gegen die aktuelle Planung jedenfalls haben alle aus dem Ort kommenden Mitglieder in den gemeindlichen Gremien ihre massiven Bedenken vorgebracht, sagt Sabine Neumeyer.

Die Einwände und eigenen Lösungsvorschläge aus Obermeiser würden jetzt in die Überlegungen einbezogen. Dies erklärte Bürgermeister Andreas Dinges. Die vorgestellte Planung sei also noch nicht festgezurrt. Deutlich machte Dinges aber auch, dass Änderungen unweigerlich auch eine weitere Zeitverzögerung bedeuten.

Von Dorina Binienda-Beer

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