Diese Fünf sichern den Fährbetrieb in Oedelsheim

Oedelsheimer Fährleute: Karl-Heinz Sonne, Rainer Westermann, Heinz-Walter Rossel, Dietrich Stucke und Ronald Ellermeyer (von links) sind die Fährmänner des „Gestiefelten Katers“. Die Fünf betreuen die Fähre seit vielen Jahren am Wochenende während der Saison. Foto: Temme

Oedelsheim. Eigentlich würde es inzwischen auch ohne gehen, doch Fährbetrieb gibt es an der Weser in Oedelsheim schon Jahrhunderte lang.

Und so wird er aufrechterhalten: Fünf Fährmänner sorgen während des Sommers von Freitag bis Sonntag dafür, dass Menschen mit oder ohne Fahrzeuge gut übers Wasser Richtung Gottstreu gelangen.

„Am häufigsten fahren bei uns Radfahrer oder Wandergruppen mit, die einfach die Besonderheit einer Fährfahrt mal erleben wollen“, erklärt Karl-Heinz Sonne, der schon sechs Jahre dabei ist. Doch auch Motorradfahrer und Autos können mit dem „Gestiefelten Kater“, wie das Wassergefährt einst getauft wurde, übersetzen. Allerdings können nur zwei Pkw gleichzeitig mitfahren. Das liege am geringen Platz, so der 65-Jährige. Pferde sind überhaupt nicht zugelassen, da den Fährmännern das Risiko zu hoch ist, dass eines der Tiere durchgeht.

Da es bei einer Fahrt auf dem „Kater“ für viele vor allem um das Fahrvergnügen geht, sind nicht wenige enttäuscht darüber, wie schnell man am anderen Ufer ist. „Länger als drei Minuten dauert eine Fahrt nicht“, erklärt Fährmann Heinz-Walter Rossel. Der 71-Jährige ist der Älteste im Team. Er betreut die Fähre seit rund zehn Jahren. „Am schönsten ist es, wenn das Wetter gut ist und viele Leute mitfahren wollen“, so Rossel. Doch es gebe auch Regentage, wo so gut wie niemand die Dienste in Anspruch nehme. Durchschnittlich würden pro Tag rund 25 Fahrgäste transportiert.

Ein paar Muckis muss man schon mitbringen, um die Oedelsheimer Fähre in Gang zu setzen. „ Sie fährt mittels Gierseiltechnik - mit einer Kurbel bringen wir bei Fahrtbeginn die Fähre in Position“, erzählt Sonne. Zudem werden die Strömungskräfte genutzt. Größere Unfälle hat es bei den Fünf nie gegeben. Einmal sei einer von ihnen unvorsichtig gewesen und in die Weser gefallen, doch das sei ja eine Lappalie. Öfter hingegen sorgen Kanufahrer für Unmut bei den Fährleuten. „Viele können gar nicht mit dem Kanu umgehen und knallen uns dann schon mal in die Fähre rein“, berichtet Sonne.

Auch wenn die Fünf nur eine geringe Aufwandsentschädigung von der Gemeinde bekommen, möchten sie ihren Job an der Weser nicht missen. „Ich war mein Leben lang in der Binnenschifffahrt tätig und brauche das Wasser irgendwie - außerdem sind wir hier in Oberweser alle mit der Weser verbunden“, so Rossel. 90 Tage muss ein Fährmann in seiner Ausbildungszeit mitfahren, erst dann darf er allein übersetzen.

Die Oedelsheimer Fähre fährt von Ostern bis in den Herbst hinein. Dieses Jahr findet am 10. Oktober die letzte Fahrt statt.

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