Mit Kochlöffel und Säge

Flüchtlinge beginnen eine Ausbildung in Oberweser 

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Kennt sich an der Säge aus: Mero AbdelAziz aus Syrien startet im August seine Ausbildung zum Tischler in Oberweser-Oedelsheim. Der 23-Jährige ist sehr aufgeregt, aber er freut sich auf die neue Herausforderung. 

Mero AbdelAziz aus Syrien und Mohammad Masoud aus Damaskus haben etwas geschafft, das noch vor einem Jahr undenkbar schien: Beide haben die Möglichkeit, ab dem 1. August eine Ausbildung im nordhessischen Oberweser zu beginnen.

Die jungen Männer verbindet eine ganz besondere Geschichte: Sie mussten aus ihrer Heimat fliehen und sich in Deutschland aus dem Nichts eine neue Existenz aufbauen. 

„Ich habe bereits mit zwölf Jahren in meiner Heimat Fenster und Schränke gebaut“, sagt Mero AbdelAziz. Der 23-Jährige lebt seit Dezember 2014 in einer Gemeinschaftsunterkunft am Mühlenplatz in Gieselwerder. Mittlerweile hat er in dem kleinen Dorf Fuß gefasst: Zunächst in Form eines dreimonatigen Praktikums und anschließend im Rahmen des Projekts „Wirtschaft integriert“ arbeitet er seit einem Jahr in der Tischlerei Schlaf. 

Das Team ist begeistert von dem Engagement und der Willensstärke des Syrers. „Manchmal ist Mero schon ein bisschen übermotiviert. Aber man merkt, dass er unheimlich talentiert ist und diesen Job machen will“, sagt der Tischler Meik Schneider, der sich um den Flüchtling kümmert.

Sprache ist größtes Hindernis

Auch der Inhaber der Tischlerei, Friedhelm Schlaf, möchte den 23-Jährigen gerne weiter in seinem Team beschäftigen. „Das größte Hindernis auf dem Weg zu einer Ausbildung für Mero war vor allen Dingen die Sprache“, so Schlaf. Dieser Herausforderung hat sich der Syrer jedoch in den vergangenen Monaten gestellt und an einem Deutschkurs der Volkshochschule Region Kassel teilgenommen.

„Ich bin schon ein bisschen aufgeregt wegen der Berufsschule“, sagt Mero AbdelAziz. Sein Deutsch werde immer besser, aber reicht es für einen Ausbildungsabschluss? Die Kasseler Vize-Landrätin Susanne Selbert macht dem 23-Jährigen Mut: „Es ist überwältigend, was du bis hierher geschafft hast.“ Manchmal schreibe das Leben einfach tolle Geschichten, so die Landrätin.

Mohammad Masoud

Auch Mohammad Masoud hat seinen beruflichen Traum verwirklicht: Er möchte Koch beim „Lindenwirt“ in Oberweser-Weißehütte werden. Wenn er Salate anrichtet, Schnitzel brät und Kuchen backt, ist er in seinem Element.

Am meisten freut sich Masoud über die tolle Stimmung im Team. Familie Henne will den 22-Jährigen am liebsten gar nicht mehr gehen lassen. „Wir sind so stolz, wie sich Mohammad bei uns entwickelt hat“, sagt Sabrina Henne. Der Weg ist steinig, aber das Ziel ist für beide Flüchtlinge zum Greifen nah: ein Berufsabschluss in Deutschland.

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