Im Frühling gibt es viel zu tun

Flüchtlinge halfen Mühlenplatz zu pflegen

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Gemeinsam in Aktion: Ahmad Sabriya Fosiya aus Somalia und Atinaaf Nagoo aus Äthiopien halfen mehrmals mit, die Miniaturhäuschen des Mühlenplatzes zu reinigen (vorn, von links). Auch Rentner aus Gieselwerder waren dabei: Dieter Kunze, Norbert Schild, Albert Netzel, Otto Gerke und Werner Bachmann kümmerten sich vor allem um die Mühlräder (von links).

Gieselwerder. Keine Aufgabe zu haben, kann nervenzehrend sein. Deshalb haben Flüchtlinge in Gieselwerder bei der Instandsetzung des Mühlenplatzes geholfen.

„Jedes Jahr im Frühling gibt es hier einiges zu tun“, sagt Günther Rossel, der den Platz mit den Miniatur-Häuschen die Saison über betreut.

Da müssten nicht nur jedes einzelne Dach der rund 60 Häuser gereinigt und neu gestrichen werden, sondern auch die vielen Mühlen wieder zum Laufen gebracht und die dazugehörigen Rinnen gesäubert werden. Und weil es an Arbeit auf dem Platz nicht mangelt, ist Rossel über jede helfende Hand dankbar.

„Kaum Ablenkung“

Neben einer Gruppe von Rentnern bekam der Platzwart dieses Jahr nun erstmals Unterstützung von Menschen aus fernen Ländern. „ Ich lebe mit meiner Frau und meinen beiden Kindern in der Unterkunft in einem kleinen Zimmer - außer Fernsehen gibt es für uns dort kaum Ablenkung“, erklärt Sevguz Sabrioski aus Mazedonien.

Sein größter Wunsch sei es, hier Arbeit zu finden, um ein ganz normales Leben mit seiner Familie führen zu können. Dann erzählt der besorgte Vater auch von seiner 12-jährigen Tochter, während er mit einer Drahtbürste Moos von einem der kleinen Dächer schrubbt. Sie gehe morgens zur Schule, aber nachmittags sei sie nur bei ihnen im Zimmer, hätte bisher noch keine Freundin in ihrem Alter gefunden.

Viel zu tun am Mühlenplatz: Günther Rossel (links) betreut die Saison über den Mühlenplatz in Gieselwerder. Dieses Jahr bekam er bei der Frühjahrsreinigung erstmals Hilfe von Menschen aus fernen Ländern. Ortsvorsteherin Hildegard Gunkel-Becker (hinten rechts) hatte die Idee, die Flüchtlinge einzubinden. Mit dabei waren auch Mohammad Kakar und Slamou Zazuni

Auch Atinaar Nagoo aus Äthiopien gehört zum Aufräumteam. Dass der 17-Jährige schon viel in seinem kurzem Leben mitgemacht hat, sieht man ihm sofort an. „Erst war ich wochenlang in der Wüste unterwegs, dann tagelang in einem kleinen Boot während meiner Flucht“, schildert er in gebrochenem Englisch.

Von seinen Eltern und seinen Geschwistern habe er seit neun Monaten nichts gehört, er wisse nicht mal, ob sie noch lebten. Atinaars größter Wunsch ist es, in Deutschland einen Schulabschluss zu machen, doch das sei bisher nicht möglich, da die nötigen Papiere dafür fehlten.

Und dann gibt es da noch Mohammed Kakar aus Afghanistan. Obwohl er mit seiner Frau und sechs Kindern ebenfalls in recht engen Verhältnissen in der Unterkunft lebt, hat er nichts zu bemängeln. „Wir sind so froh, dass uns hier geholfen wird“, äußerte er. Überaus begeistert von seinen handwerklichen Fähigkeiten ist auch Platzwart Rossel: „Er ist mein bester Mann hier - er kann alles und hat auch Spaß daran.“

Nach drei Einsätzen vergangene Woche nimmt der Mühlenplatz nun langsam Gestalt an.

Doch eigentlich gebe es immer etwas zu tun, wer aus dem Haus in der Brückenstraße helfen wolle, sei hier stets willkommen, so Rossel. (zta)

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