Endlich Frieden: 50 Flüchtlinge leben in Oberweser

Zentral gelegen: Die Unterkunft in Gieselwerder steht direkt im Ortszentrum.

Oberweser. Zur Ruhe gekommen sind 50 Flüchtlinge in Oberweser. Nach drei Wochen haben sie sich eingelebt.

Angst ist das erste Gefühl auf beiden Seiten. Angst vor Neuem und Fremdem. Damit sie möglichst schnell verschwindet und Vertrautheit und Hoffnung Platz macht, daran arbeiten rund 80 Männer und Frauen, die sich in Oberweser zum Unterstützerkreis für die in Gieselwerder und Oedelsheim einquartierten Flüchtlinge zusammengefunden haben. Und das mit Erfolg.

Gut drei Wochen nach dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge sind die beiden Unterkünfte an der Brückenstraße in Gieselwerder mit 26 Personen und im Berghof bei Oedelsheim mit 21 Personen so gut wie belegt. Die Asylbewerber stammen unter anderem aus Pakistan, Somalia, Albanien, Türkei, Syrien, Kosovo, Eritrea, Mazedonien und haben sehr unterschiedliche Lebens- und Fluchtgeschichten.

Herberge: In der Unterkunft in Gieselwerder leben derzeit 26 Personen, darunter drei Familien wie die aus Albanien kommende Familie Zenuni mit Mutter Mimoza , Sohn Ledjon und Vater Flamur. Die Möbel haben die Vormieter hinterlassen. Fotos: Thiele

In Gieselwerder müssen sie sich nun zunächst in den deutschen Alltag einfinden, und lernten zum Beispiel, die Fenster im Winter nicht den ganzen Tag geöffnet zu lassen. Doch das sind die geringsten Probleme. Wichtiger ist beispielsweise das Erlernen der deutschen Sprache. Der frühere Lehrer Wilfried Andrich bietet in der Unterkunft, in der früher einmal eine Drogerie und ein Textilgeschäft untergebracht waren, täglich Unterricht an und vermittelt zunächst Zahlen und Wochentage und so grundlegende Sätze wie: „Können Sie mir helfen?“

Ein weiteres Mittel, um Deutsch zu lernen, ist das Fernsehprogramm. Deshalb freuen sich die Flüchtlinge auch über geschenkte TV-Geräte, wie sie immer wieder bereitgestellt werden, berichtet Bernd Beckenbauer. Er selbst fährt die Flüchtlinge regelmäßig in den Tierpark, zu Arztbesuchen, Behördenterminen oder zur Schule und sorgt, wie andere aus dem Unterstützerkreis auch, für kurze Wege und schnelle Hilfe.

Ein Problem für die Flüchtlinge ist die Langeweile. Außer Küche- und Zimmeraufräumen haben sie nicht viel zu tun. Dankbar nahmen sie deshalb schon zweimal die Einladung zu Kaffeenachmittagen im benachbarten Webereimuseum an. Die Männer versuchten sich, erfreut über die Abwechslung, aus Spaß im Häkeln. Eine Frau lernte Stricken, erfahrenere Frauen nahmen sich gespendetes Garn und Nadeln mit, um Schals zu stricken.

Babys und Kinder brechen oft das Eis. „Es ist wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen, damit keine falschen Töne aufkommen“, sagt Ortsvorsteherin Hildegard Gunkel-Becker.

Am Anfang waren die Flüchtlinge bestürzt, als sie sahen, wie weit entfernt die Stadt Kassel ist. Doch schnell haben sie sich an das Landleben gewöhnt. Gunkel-Becker optimistisch: „Es gefällt ihnen inzwischen hier bei uns“. (tty)

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