Ortsschilder gestohlen

Kurioser Diebstahl - Verwirrung um Gemeinde ohne Namen

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Kurzer Einsatz: Nur in Gewissenruh konnten Uwe Schmidt und Heike Hilberg vom Bauhof gestern ein neues Ortsschild montieren, weil es Bürgermeister Cornelius Turrey (vorn) besorgt hatte. Alle anderen fehlen noch.

In Hessen sorgte der Diebstahl von Ortschildern für einiges an Verwirrung. Während manche Schilder bereits ersetzt wurden, bleibt eine Gemeinde namenlos.

  • Unbekannte stehlen Ortsschilder in Wahlsburg und Oberweser im Kreis Kassel in Nordhessen 
  • Acht Wesertal-Ortsteile ohne Ortsschilder
  • Diebstahl von Ortsschildern ist Eingriff in den Straßenverkehr

Wer die neue Gemeinde Wesertal sucht, wird Pech haben: Zum einen sind Landkarten und Navis nicht aktualisiert. Zum anderen fehlen wegen einer Doppelpanne fast alle Ortsschilder.

Grund: Die Hälfte der alten Ortsschilder wurde in den vergangenen Tagen gestohlen und die neuen Schilder konnten noch nicht geliefert und deshalb auch noch nicht montiert werden.

Lediglich im Ortsteil Gewissenruh hat der Bauhof am Donnerstag eine alte Tafel abgebaut und eine ordnungsgemäße Neue mit dem Gemeindenamen Wesertal montiert.

Hessen: Acht Wesertal-Ortsteile ohne Ortsschilder

Das auch nur, weil der bisherige Oberweser-Bürgermeister diese Tafel schon lange vorher bestellt hatte, um sie bei der offiziellen Namensverleihung Anfang November beim Kasseler Regierungspräsidenten zu präsentieren.

Cornelius Turrey, Bürgermeister

Alle übrigen der fast 30 benötigten Ortseingangsschilder der acht Wesertal-Ortsteile fehlen noch. Bereits im Sommer hatte es nach Auskunft von Bürgermeister Cornelius Turrey, seit Mittwoch der staatlich „Beauftragte für die vorläufige Wahrnehmung der Aufgaben des Bürgermeisters“ von Wesertal, Gespräche mit dem Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil gegeben.

Noch bis Ende Januar ohne Beschilderung

Um Geld zu sparen, wollte die Behörde eine Sammelbestellung aufgeben und auch gleich alles bezahlen. Offenbar wurde dabei noch auf weitere Aufträge gewartet, um noch mehr Geld zu sparen.

Jedenfalls war es Anfang November, als das Problem deutlich wurde, bereits zu spät, die Bestellung und die Anfertigung durch eine Fachfirma noch zu beschleunigen. 

Nach aktuellem Stand sollen die neuen Schilder für die insgesamt acht Ortsteile der bisherigen Gemeinden Wahlsburg und Oberweser am 20. Januar geliefert werden.

Hessens erste namenlose Gemeinde?

„Bis dahin sind wir eine namenlose Gemeinde“, kommentierte Turrey. Das sei sehr ärgerlich. Von den 28 Ortseingangsschildern sind nach einer erneuten Zählung 16 verschwunden, das heißt gestohlen. Einige wurden schon im Dezember von Unbekannten abgebaut, weitere folgten über Silvester. Eigentlich sollten die alten Ortsschilder noch einem guten Zweck dienen. 

Grund für die neuen Ortsschilder an der Weser ist die zum 1. Januar erfolgte Fusion der Gemeinden Wahlsburg und Oberweser zur neuen Gemeinde Wesertal.

In den insgesamt acht Ortsteilen werden deshalb nicht nur teilweise neue Straßenschilder (wegen der Verwechslungsgefahr) aufgestellt, sondern auch insgesamt 28 neue Ortseingangsschilder mit Hinweis auf den Ortsteil und die Gemeinde Wesertal. Jedes dieser Schilder kostet etwa 150 Euro.

Alte Ortsschilder heiß begehrt - 16 Tafeln gestohlen

Die neue Gemeinde Wesertal hat keine Namen. Die neuen Schilder konnten noch nicht montiert werden und die Hälfte der alten Schilder ist verschwunden, weil sich offenbar nostalgische Einwohner die gelben Tafeln als Erinnerungsstücke gesichert haben. Allerdings durch Diebstahl.

Das sorgt jetzt für erhebliche Probleme. So wissen ortsfremde Autofahrer mit schlechten oder ohne Landkarten nicht genau, ob sie schon am Ziel sind. Noch größer ist aber die Gefahr für die Sicherheit. 

Ohne die auffällig gelben Schilder wird nicht mehr jeder Kraftfahrer sofort erkennen, dass er in eine Ortschaft hineinfährt, wo eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt. „Falls es dadurch einen Unfall geben sollte, womöglich mit Personenschaden, da hört der Spaß dann auf“, so Cornelius Turrey, der bis zur Neuwahl im Mai die Aufgaben des Bürgermeisters von Wesertal wahrnimmt.

Hessen: Diebstahl von Ortsschildern ist Eingriff in den Straßenverkehr

Es handele sich bei den Schilderdiebstählen deshalb um einen Eingriff in den Straßenverkehr, der genauso verfolgt werden müsse, wie der Diebstahl der Schilder selbst.

Ersatzlos verschwunden: Auch in Gottstreu wurde ein Ortsschild gestohlen. Der Rahmen bleibt für die nächsten Wochen leer, weil die von Hessen Mobil bestellten neuen Wesertal-Schilder noch nicht da sind.

Am Donnerstag begann der Bauhof Wesertal deshalb, an den verwaisten Schilderpfosten nun Tempo-50-Schilder zu befestigen, damit wenigstens diese Gefahr gebannt ist. Unabhängig davon ist man in Ex-Oberweser und Ex-Wahlsburg empört darüber, dass sich einige heimatbewusste Bürger, denn um solche muss es sich zweifellos handeln, am Gemeindeeigentum bereichert haben.

Die Ortsbeiräte hatten sich gewünscht, je eines der alten Schilder in den Dorfgemeinschaftshäusern aufzuhängen. Die übrigen sollten für einen guten Zweck versteigert werden. „Ideal wäre es, wenn die alten Schilder zurückgebracht würden, auch anonym. Interessenten können sie dann ja auf legalem Wege bekommen“, sagt Cornelius Turrey.

Ortsschilder - kuriose Angelegenheiten:

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