24 Mal höher als ein Haus

Kreativer Protest: Oedelsheimer stellt Windrad auf Dorfplatz aus

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Winzig im Vergleich zum 241 Meter hohen Windrad: In Oedelsheim haben Annika und Michael Uhde in der Dorfmitte aus Protest gegen Windkraftanlagen ein Holzmodell aufgebaut. Daneben ihr Fachwerkhaus in der Kampstraße. (Mit Klick auf das Bild ist das ganze Windrad zu sehen.)

Die Planungen für die beiden Windparks im Reinhardswald auf dem Farrenplatz und Langenberg/Hahneberg bewegen auch die Bewohner der Anrainergemeinden. In Oedelsheim gibt es kreativen Protest.

Gegenstand der Diskussionen sind dabei vor allem die Dimensionen der Anlagen, die bis ins Wesertal sichtbar wären. Die für die beiden Standorte vorgesehenen Windräder vom Typ Vestas V150 haben eine Nabenhöhe von 166 Meter und Rotorblätter von 75 Meter, die Gesamthöhe beträgt also 241 Meter.

Der Oedelsheimer Michael Uhde hat jetzt eine V150-Anlage im Maßstab eins zu hundert nachgebaut. Das Holzmodell steht derzeit auf einem freien Platz an der Gemeindeaußenstelle. Am Fuße des Turms hat Uhde ein Modell seines Fachwerkhauses gestellt - auch dieses hat den Maßstab eins zu hundert, sein Haus messe von der Sohle bis zum Giebel zehn Meter, es ist damit genau 24 mal kleiner als eine der neuen Vestas-Anlagen. „Diesen großen Unterschied wollte ich visualisieren und allen mal vor Augen führen“, sagt Uhde.

Große Resonanz für die Modelle

Seine Modelle hat der Oedelsheimer vor zwei Wochen aufgestellt und seitdem eine große Resonanz erfahren. „Viele haben jetzt erst begriffen, welche Monster das werden sollen“, sagt Uhde. Die Windräder würden sogar noch den Frankfurter Maintower um einen Meter überragen. Das habe auch die Ungarn aus der Partnergemeinde Adonj in Erstaunen versetzt, „die kennen so etwas nicht.“

Und warum hat er Michael Uhde die Modelle gebaut und öffentlich ausgestellt? „Ich möchte, dass meine beiden vier und zwei Jahre alten Söhne noch eine intakte Landschaft und einen unversehrten Reinhardswald vorfinden“, sagt der Familienvater. Der nächsten Generation dürfe nach 20 Jahren Laufzeit der Anlagen nicht eine so große Menge Sondermüll im Wald hinterlassen werden. Um auch andernorts auf die „riesigen Dimensionen“ der Anlagen aufmerksam zu machen, will Uhde demnächst ein Modell der Vestas auch für Gottsbüren bauen. Zum Vergleich will er dort ein Modell der Kirche danebenstellen.

Bürgerinitiativen reagieren

Die optische Beeinträchtigung der Landschaft durch Windräder wollen auch die Bürgerinitiativen im und am Reinhardswald zeigen. Zu diesem Zweck hat das Aktionsbündnis Rettet den Reinhardswald bereits vor Wochen Fotomontagen und animierte Videos ins Internet gestellt. Auch hierfür war der Anspruch, die Anlagen maßstabsgerecht in die Bilder einzubauen.

Ein Video von dem „noch bewaldeten Hügel Langenberg“ hat Yvonne Reuss gedreht. Die Bewohnerin von Sababurg hat unserer Redaktion ihre Sorge um den Reinhardswald mitgeteilt. Reuss macht darauf aufmerksam, dass nicht nur Bäume und Sträucher direkt an den einzelnen Standorten, sondern auch durch die zu verbreiternden Zuwegungen in großen Mengen geopfert werden müssten. Das sei auch kontraproduktiv für den Klimaschutz, „weil CO2-Reduzierer gefällt werden müssen“.

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