"Keine umweltfreundliche Technik"

Naturschutzbeirat des Landkreises Kassel kritisiert Entsorgungstechnik von  K+S

Auch die Abwässer der riesigen Abraumhalden belasten Werra und Weser: Der Naturschutzbeirat des Landkreises Kassel fordert, dass K+S in nachhaltige zeitgemäße Techniken investiert. ArchivFoto: Frank Thonicke

Der Naturschutzbeirat des Landkreises Kassel kritisiert die Entsorgungspolitik des Kasseler Düngemittelherstellers K+S und die Pläne für ein Abwasserrohr an die Oberweser.

Statt leistungsfähige, umweltfreundliche Technik einzusetzen, beantrage das Unternehmen neue Salzabfallhalden und „schwadroniert weiter von Haldenbegrünung“, schreibt der Beirat in seinem Jahresbericht 2018.

Nach Auffassung des Gremiums, werde K+S auf die Oberweserpipeline und ein Salzspeicherbecken im Reinhardswald nur verzichten, wenn auch ohne diese teure Investition die Produktion im osthessischen Kalirevier ungehindert laufen könne.

"Salzeinträge werden mehr"

Das sei aber nicht zu schaffen, ist der Naturschutzbeirat überzeugt: Denn die Salzeinträge in die Werra sowohl durch alte und neue Aufhaldungen als auch durch den Eintrag der jahrzehntelang in den Untergrund verpressten Salzabfälle würden nicht weniger, sondern mehr werden. K+S investiere nicht in die richtige Technik, sodass auch die Abfälle aus der Produktion zunehmen werden, heißt es in dem Bericht des Gremiums.

Auch die Produktionseinschränkungen im vergangenen Sommer seien „Folge einer notorisch falschen Umweltpolitik des Unternehmens und fehlenden politischen Drucks“.

Wenn der Druck aus der Politik aber ausbleibe und die Vorgaben der EU aus der Wasserrahmen-Richtlinie aus dem Jahr 2000 weiterhin nicht eingehalten würden, „bleibt nur Druck von unten: von den betroffenen Behörden und Kommunen, von Bürgerinitiativen, Einzelpersönlichkeiten und dem Naturschutzbeirat des Landkreises Kassel“.

Daher werde der Beirat im Mai vor die Kasseler Stadthalle ziehen und anlässlich der dort stattfindenden K+S-Aktionärsversammlung „gegen die verfehlte Umweltpolitik des Konzerns protestieren“. Das Unternehmen müsse seine Abwasserproblematik durch den Einsatz von zeitgemäßen Techniken lösen.

Entscheidung über Salzpipeline verschoben 

Die Umweltministerinnen von Hessen, Thüringen und Niedersachsen hatten in der Herbstsitzung der Flussgebietsgemeinschaft (FGG) Weser die Entscheidung über die Salzpipeline um eine halbes Jahr verschoben. „Keiner weiß, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist“, schreibt der Naturschutzbeirat.  

K+S selber hatte kürzlich in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass sich die Diskussion um die Entsorgung von Rückständen aus der Kaliproduktion „inzwischen weiter entwickelt hat.“ Jörg Willecke, Projektsprecher für die Oberweserleitung sagte in dem Zusammenhang, „festzuhalten ist in jedem Fall, dass eine rückstandsfreie Kaliproduktion weltweit nicht existiert.“ Auch das bekannte Ingenieurbüro K-UTEC setze inzwischen nur noch auf eine selektive Eindampfung von Abwässern, um damit hochkonzentrierte Salzlösungen zu erzeugen. 

„Nachhaltiger Protest zeigt bei K+S Wirkung“

Der Naturschutzbeirat ist ein beratendes Gremium des Kreisausschusses. Die Haltung des Beirates decke sich weitgehend mit der Beschlusslage des Kreistages, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Das Parlament hatte den Kreisausschuss mit einem Beschluss bereits im Dezember 2012 aufgefordert, „alle politischen und juristischen Mittel zu nutzen, um die Einleitung der Salzabwässer in die Oberweser und die dafür benötigten Speicherbecken zu verhindern“. Dieser Beschluss ist nach wie vor die Basis des Handelns des Kreisausschusses, sagt Kühlborn. Der Landkreis Kassel ist Mitglied des Bündnisses Hamelner Erklärung e.V. und setzt sich gemeinsam mit dem Bündnis gegen Salzeinleitung und Speicherbecken ein. „Hinsichtlich der aktuellen Situation sind wir vorsichtig optimistisch, dass der nachhaltige Protest auf vielen Ebenen bei K+S Wirkung zeigt“, sagt Kühlborn. Weil aber die endgültige Entscheidung gegen die Salzabwassereinleitung in die Weser noch nicht gefallen sei, „halten wir weiterhin die Kritik an den Plänen aufrecht.“

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